Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der ?Herr der UBS? muss gehen

Die US-Immobilienkrise hat einem weiteren hochkarätigen Bankenmanager das Amt gekostet. UBS-Chef Marcel Ospel hört auf. Damit geht eine atypische Karriere auf dem Finanzplatz Schweiz zu Ende. So hatte sich Ospel seinen Abgang nicht vorgestellt. Zumal die ?Neue Zürcher Zeitung? ihn als ?klebrigen? Manager bezeichnet hatte.
Die Zeit von Marcel Ospel als UBS-Verwaltungsratspräsident neigt sich dem Ende entgegen. Foto: ap
HB ZÜRICH. Die US-Immobilienkrise hat einem weiteren hochkarätigen Bankenmanager das Amt gekostet. Der Verwaltungsratspräsident der schweizerischen Großbank UBS AG, Marcel Ospel, nimmt seinen Hut. Wie das Institut mit Sitz in Zürich am Dienstag mitteilte, wird Ospel sich auf der nächsten Generalversammlung am 23. April nicht zur Wiederwahl stellen. Damit endet eine Ära in der Bank.Nachfolger von Marcel Ospel soll Peter Kurer werden, der seit 2001 als "General Counsel" der Bank gearbeitet hatte und seit 2002 zur Konzernleitung gehört. Ospel selbst erklärt, er habe bereits vor einem Jahr zurücktreten wollen, aber als die Subprime-Probleme zutage getreten seien, habe er weitergemacht. Nun "betrachte ich meinen Beitrag als erfüllt", erklärte er weiter.

Die besten Jobs von allen

Eine atypische Karriere auf dem Finanzplatz Schweiz geht zu Ende. So hat sich Ospel seinen Abgang nicht vorgestellt: Die "Neue Zürcher Zeitung" bezeichnete ihn als "klebrigen" Manager und forderte unverhohlen seinen Rücktritt. Und vor laufender Kamera erklärte der "Herr der UBS" - so der Titel einer 2007 veröffentlichten Ospel-Biografie -, er schäme sich.Dass der UBS -Präsident seinen Posten nicht schon Ende 2007 räumen musste, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen fehlte es innerhalb der UBS an potenziellen Nachfolgern für das Amt. Zum anderen war Ospel in der ersten Phase der US-Immobilienkrise wohl tatsächlich "Teil der Lösung des Problems". Er ließ seine Beziehungen spielen, als es darum ging, in wenigen Tagen Investoren von einem Milliardenengagement in die UBS zu überzeugen.Spätestens am 30. Januar wurde aber klar, dass sich die Ära Ospel bei der UBS dem Ende zuneigte. Die Großbank hatte im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise mittlerweile über 21 Mrd. Schweizer Franken verloren - so viel wie keine andere Bank außerhalb der USA. Kritik kam mehr und mehr auch vom Finanzplatz selbst. "Finger weg von Dingen, die man nicht versteht", sagte der Genfer Privatbankier Nicolas Pictet. "Hochpeinlich" befand der frühere Bankgesellschaft -Manager Ulrich Grete. Ein Fiasko für den ganzen Finanzplatz, sagte der Doyen der Privatbankiers, Hans Vontobel.Dass Ospel bis zur jüngsten Hiobsbotschaft dennoch ein weiteres Jahr als Präsident anhängen wollte, stellte er Ende Februar vor den Aktionären als Pflichtbewusstsein dar. Nun sieht Ospel seinen Beitrag schon früher erfüllt. Als oberster Verantwortlicher für Abschreibungen von nunmehr 40 Mrd CHF und als Objekt von Hohn, Spott und Schmähungen war er für den jetzt anlaufenden Neuanfang beim größten Schweizer Bankenkonzern aber auch nicht mehr tragbar.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einst blickten die Konkurrenten neidvoll auf die UBS ? das ist lange herVergessen sind die Zeiten, als die Konkurrenz mit Neid auf die UBS und den einstigen KV-Stift blickte, der die Bank an die Weltspitze der Vermögensverwalter geführt hatte. Den Grundstein zu seiner Karriere legte Ospel beim Schweizerischen Bankverein, einer der beiden Vorgängerbanken der UBS. Nach einem Abstecher zur US-Investmentbank Merrill Lynch trieb er die Expansion bei der als verschlafen geltenden Basler Großbank voran. Ohne akademische Bildung und Militärkarriere wurde Ospel 1996 mit 46 Jahren Konzernchef der damaligen Nummer 3 der Großbanken.Als zielstrebig, machtbewusst und ehrgeizig wurde der abtretende UBS -Präsident beschrieben. Hinzu kommen Bauernschläue und feine Antennen für Opportunitäten und Gefahren. Aber auch seine Bodenhaftung hat der aus einfachen Verhältnissen stammende Basler als eingefleischter Fasnächtler behalten. Bei der Fusion mit der größeren Bankgesellschaft zur UBS erhielt Ospel Ende 1997 den Posten des CEO. Als der neue Finanzriese ein Jahr nach der Gründung wegen des Konkurses des US-Hedge-Funds LTCM 1 Mrd. Franken verlor, blieb Ospel im Amt. Gehen musste Präsident Mathis Cabiallavetta.Standfestigkeit bewies Ospel auch im Katastrophenherbst 2001. Dem Volkszorn - "Bin Ospel" hieß es auf Plakaten - und dem Ärger des Bundesrats zum Trotz verteidigte er nicht nur sein Handeln rund um das Swissair-Grounding. Im gleichen Herbst entschied Ospel vielmehr auch einen internen Machtkampf für sich. Der von ihm erst Monate zuvor zum Konzernchef beförderte Brite Luqman Arnold wurde am 18. Dezember 2001 abgesetzt und durch Peter Wuffli abgelöst. Arnold hatte wegen des eigenmächtigen Vorgehen Ospels bei der Kapitalisierung der Swissair-Nachfolgegesellschaft offenbar den Aufstand gewagt.Es folgten die goldenen Jahre mit Rekordgewinnen von mehr als 10 Mrd. Franken 2005 und 2006. In diese Zeit muss aber auch der Sündenfall bei der Investmentbank gefallen sein. Die Lage spitzte sich erst im Frühling 2007 zu. Zunächst wurde der hauseigene Hedge-Funds DRCM geschlossen. Noch während die von der UBS gesponserte Alinghi-Yacht vor Valencia den Americas's Cup verteidigte, kam es im Verwaltungsrat zum Eklat. Das Aufsichtsgremium desavouierte Ospel angeblich einstimmig und lehnte es ab, Wuffli zu seinem Nachfolger zu ernennen.Die Finanzgemeinde rieb sich am Morgen des 6. Juli die Augen: Mitten in der Nacht hatte die UBS das sofortige Ausscheiden Wufflis und die Ernennung Marcel Rohners zum neuen CEO bekannt gegeben. Eine plausible Begründung für diese Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Bank bis heute nicht gegeben.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2008