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Der Herr der Milchstraße meldet sich zurück

Von Thomas Knüwer
Dirk Manthey war mit Magazinen wie ?Max? erfolgreich. Jetzt will er es mit einem Internetdienst für die Medienbranche noch einmal wissen: Medien2. Den bestehenden Mediendiensten wird nachgesagt, sie gingen zu unkritisch mit Verlagen um, weil diese gleichzeitig ihre wichtigsten Anzeigenkunden seien.
Zwei Jahre lang standen diese Sätze im Raum: ?Ich werde in den nächsten Wochen eine Gesellschaft gründen, um neue Objekte für den deutschen und den internationalen Markt zu erfinden. Es wird auch um Beteiligungen an Presseprodukten gehen. Für mich ist das Ende der Milchstraße durchaus eine Chance.?Das sagte Dirk Manthey Anfang 2005 dem ?Spiegel?. Sein Reich, die Verlagsgruppe Milchstraße hatte er an Burda verkauft, nachträglich warf er dem Münchener Geschäftspartner hinterher, es sei eine ?feindliche Übernahme? gewesen.

Die besten Jobs von allen

Zu diesem Zeitpunkt hatte er viel von seinem Ruhm verloren. Nach abgebrochenem BWL-Studium hatte der 1954 geborene Hamburger Arztsohn in den 70ern mit der Kinozeitschrift ?Cinema? eine bemerkenswerte Karriere begonnen. Es folgten Magazine wie ?Max?, ?Amica? und ?Fit For Fun?. Die Milchstraße galt atmosphärisch als ?Robinson-Club? unter den Verlagen. Die New Economy pumpte den Verlag erst richtig auf ? und zog ihn dann nach unten. Zu dieser Zeit hatte Manthey sich schon aus der Geschäftsführung verabschiedet: Burda hatte sich über Umwege Einfluss auf die Milchstraße gesichert, ein Machtkampf mit den Münchenern frustrierte den hemdsärmeligen Macher. 1999 übergab er an Martin Fischer, nannte sich fortan Verleger, bis er die Milchstraße verkaufte.Jener Martin Fischer ist es auch, der als einer von zwei Geschäftsführern jenes Projektes fungiert, mit dem Manthey sich aus dem kalifornischen Exil zurückmelden will: Medien2 soll ein internetbasierter Informationsdienst für die Medienbranche werden. Zweiter Geschäftsführer ist der Manthey-Vertraute und Steuerberater André Klotzsche.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Läuft eine persönliche Fehde?Manthey reagierte auf eine Anfrage des Handelsblatts nicht. Doch ist bereits bekannt, dass noch nicht alles rund läuft. Eigentlich sollte Medien2 eine Weblog-Basis haben. Als Mit-Geschäftsführer war Peter Turi vorgesehen, der ehemalige Chef des Mediendienstes ?Kress-Report?. Turi hatte Manthey einst die New-Economy-Postille ?Net-Business? abgekauft und damit Schiffbruch erlitten. ?Wir konnten uns nicht einigen?, sagte Turi dem Handelsblatt. Er wird nun Texte für Medien2 liefern.Das Konzept ist inzwischen breiter aufgestellt. Chefredakteur wird Georg Altrogge, Ex-Lenker des Technik-Magazins ?Tomorrow? und alter Manthey-Gefährte. ?Es wird ein journalistisches Projekt, das sich mit den Strukturproblemen der Medien beschäftigt. Diese wollen wir kritisch beleuchten?, verrät er. Manthey hat mal die Zeitschrift ?Medien? verlegt und galt als Freund des ?Kress-Reports?.Finanzieren soll sich Medien2 vermutlich allein aus Anzeigen. ?Es ist ja nicht so, dass es keine Anzeigen für intelligenten Medienjournalismus gibt?, sagt Turi und meint vor allem Konsumgüterhersteller. Den bestehenden Mediendiensten wird nachgesagt, sie gingen zu unkritisch mit Verlagen um, weil diese gleichzeitig ihre wichtigsten Anzeigenkunden seien. Als Folge hat sich eine Szene von Weblogs entwickelt, die kritisch über klassische Medien berichten.Und vielleicht steckt hinter Medien2 auch noch eine persönliche Fehde: Manthey fühlte sich in den Berichten über seinen Abgang einst nicht richtig dargestellt, munkelt die Hamburger Medienszene. Vor allem Burdas Vorgehen sei nicht kritisch genug geschildert worden. Vielleicht können sich die Münchener bald auf harsche Worte von Medien2 gefasst machen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.03.2007