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Der Herr der Bundesliga

Von H.-P. Siebenhaar und J. Hofer
Er ist ein Fanatiker, einer, der ohne Sport und ganz besonders ohne Fußball nicht leben kann. Seine Leidenschaft ist zugleich sein einträgliches Geschäft: Bernard de Roos, Manager der Fernsehfirma Arena, entscheidet, was die deutschen Fußballfans sehen dürfen ? und lehrt zugleich den Erzrivalen Premiere das Fürchten.
DÜSSELDORF/ MÜNCHEN. Dessen Geschäft ist zwar diskret, aber die Außenwirkung dafür umso größer. Der schlanke 48-Jährige verdient sein Geld mit dem Sportrechtehandel. Und da sagt er ab der nächsten Bundesliga-Saison, auf welchem Sender die Spiele zu sehen sein werden und wie viel die deutschen Fußballfans zu zahlen haben, wenn sie Michael Ballack, Lukas Podolski und Oliver Kahn live im Fernsehen sehen wollen.Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), der Zusammenschluss der 36 Profiklubs, hatte am 21. Dezember entschieden, die Rechte für die Live-Übertragung der Bundesliga an die Firma Arena zu vergeben. Sprecher des bis dato völlig unbekannten Unternehmens: Bernard de Roos.

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Hinter der noch kleinen Fernsehfirma Arena verbirgt sich der zweitgrößte Kabelkonzern Deutschlands, Unity Media. Das Unternehmen, im Besitz der Finanzinvestoren BC Partners und Apollo, hatte überraschend den Bezahlsender Premiere im Pokerspiel um die TV-Rechte der Bundesliga für die Zeit von 2006 bis 2009 ausgestochen.De Roos soll nun die Tochter Arena aufbauen und den Kauf der Bundesliga-Rechte, die pro Saison 210 Millionen Euro kosten, zu einer Erfolgsgeschichte für Unity machen. Dazu verhandelt er in den nächsten Wochen mit den Fernsehsendern, wer die Spiele übertragen darf.Den Fan sieht man dem Mann mit dem kurzen, grauen Haar nicht an. Doch de Roos ist ein Fanatiker, einer, der ohne Sport und ganz besonders ohne Fußball offenbar nicht leben kann. ?Ich liebe Sport?, sagt der Verehrer von Ajax Amsterdam.Seine Leidenschaft ist zugleich sein einträgliches Geschäft. ?Bernard de Roos gehört zu den Topshots im internationalen Geschäft mit Sportrechten?, urteilt das Schweizer Wirtschaftsblatt ?Cash?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zwei Mal scheiterte er beim Poker um die Fußball-TV-Rechte.Doch zwei Mal schon scheiterte de Roos beim Poker um die deutschen Fußball-TV-Rechte. Erst jetzt, beim dritten Anlauf, hat?s geklappt. Aber wer sich den Lebenslauf von de Roos genau ansieht, den dürfte dessen Erfolg nicht überraschen. Der Mann, der unter anderem Sportmanagement studiert hat, stand meistens auf der Seite der Gewinner. Mit der Schweizer Vermarktungsagentur Team hat er die Champions League in den neunziger Jahren zu dem gemacht, was sie heute ist: eine perfekt funktionierende Geldmaschine für die mächtigsten Fußballvereine Europas.Seitdem pflegt de Roos enge Kontakte in die Chefetagen der Spitzenklubs. ?De Roos ist ein absoluter Profi im Geschäft, der in der Sportwelt sehr gut verdrahtet ist?, heißt es in der Bundesliga. Dem Vorstandschef des FC Bayern München, Karlheinz Rummenigge, sei der Niederländer freundschaftlich verbunden. Bei den Bundesligisten genießt de Roos einen guten Ruf. ?Er ist ein Pragmatiker, der nach einem Kompromiss sucht, aber nie sein Ziel aus den Augen verliert?, ist zu hören.Zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner Herbert Kloiber (Tele 5, Concorde, Cinemaxx) schnappte er einst den Schwergewichten RTL und Premiere die Rechte für die Champions League in den neunziger Jahren weg. Stattdessen lief die Königsklasse des Fußballs dann auf Kloibers Minisender TM3. An die gemeinsame Zeit erinnert sich de Roos gerne, auch wenn das Konzept von TM3 letzten Endes scheiterte.Seit 1999 gehört de Roos zusammen mit seinem Partner Kloiber die in Luzern ansässige Marketingagentur AIM, ein Unternehmen mit zahlreichen in der Öffentlichkeit wenig bekannten Aktivitäten. So ist AIM zuständig fürs Sponsoring des rasch expandierenden niederländischen Braugiganten Heineken. Im vergangenen Jahr übernahm de Roos den AIM-Anteil Kloibers.Der Niederländer, der seit 15 Jahren in der Schweiz lebt, bewegt sich zwischen vielen Welten. Die eigene Firma AIM sitzt am Vierwaldstätter See, das Büro von Arena ist mitten in München. Die Arena-Eigentümer, der Kabelkonzern Unity Media, wiederum operiert von Köln aus. Abends unter der Woche und am Samstagnachmittag ist de Roos auf dem Fußballplatz zu finden. Am Sonntag schnallt er sich die Ski an und rast im Schweizer Wintersportort Engelberg die Pisten hinunter.In diesen Tagen jedoch muss de Roos viel reden, muss den Menschen erklären, wer er ist, was Arena macht und was am 11. August sein wird. Dann startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. Bis dahin ist seine Zeit schon restlos verplant. 600 Meilensteine stehen auf seinem Projektplan.Der 48-Jährige schätzt das Understatement. Im Gespräch ist er charmant und höflich, in der Sache aber hart und konsequent. Premiere-Chef Georg Kofler hat in ihm seinen Meister gefunden. De Roos will ihm nun eine zweite Niederlage beibringen. Verhandlungskreisen zufolge wird der Niederländer für die Bundesliga-Rechte in der Gastronomie bieten. ?Wir befinden uns in der Entscheidungsphase?, sagt de Roos und schweigt. Damit durchkreuzt er den durchschaubaren Plan Koflers, der die Bundesliga-Rechte für die Gastronomie kaufen will, um so die Exklusivität der Live-Berichterstattung seines Konkurrenten de Roos zu schwächen. Außerdem will er so seine über 13 000 Premiere-Sportbars retten, die bislang Bundesliga-Spiele zeigen dürfen. Auch wenn de Roos gerne den entspannten Manager gibt ? er steht unter Druck. Bis Anfang März muss er der DFL sagen, wie er die TV-Rechte verwerten will.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Zur Person: Bernard de Roos.Bernard de Roos
  • 1957 Er wird in den Niederlanden geboren und studiert unter anderem Erziehungswissenschaft und Sportmanagement.
  • 1987Er geht als Direktor zum Nationalen Olympischen Komitee der Niederlande. 1988 steigt er ins Sportmarketing ein, zunächst in Holland, später bei der Agentur ISL in der Schweiz. 1992 wechselt er zur Vermarktungsagentur Team.
  • 1999Er gründet seine eigene Agentur AIM in Luzern.
  • 2005De Roos kauft mit Arena die Live-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.02.2006