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Der größte Rugbyfan von Herzogenaurach

Von Joachim Hofer, Handelsblatt
Robin Stalker ist Finanzchef von Adidas-Salomon und großer Fan von Neuseelands Rugby-Nationalteams ?All Blacks". Als junger Wirtschaftsprüfer hat der gebürtige Neuseeländer die Bücher des dortigen Rugby-Verbands geprüft.
MÜNCHEN Hat sich schon mal jemand gefragt, warum der fränkische Sportartikelkonzern Adidas-Salomon ausgerechnet die Rugby-Nationalmannschaft von Neuseeland ausrüstet? Ein Blick in den Lebenslauf von Finanzvorstand Robin Stalker gibt die Antwort: Als junger Wirtschaftsprüfer hat der gebürtige Neuseeländer die Bücher des dortigen Rugby-Verbands geprüft. Stalker ist großer Fan des Nationalteams ?All Blacks?: An den Wänden seines Büros hängen Fotos des Rugbyteams mit den schwarzen Leibchen.Der Finanzchef des zweitgrößten Sportartikelkonzerns der Welt hat allerdings wenig Gelegenheit, die Partien seiner Helden mitzuverfolgen. Seit Jahren lebt er in Deutschland und ist mit einer Deutschen verheiratet. Wenn Stalker heute in die Stadien geht, dann meist zum Fußball, wie bei der Europameisterschaft in Portugal. Im sportlichen Outfit, legere Baumwollhose und Poloshirt, begleitete er Analysten und Fondsverwalter auf die Tribüne.

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Die hatten zumindest gestern Grund zum Jubeln. Die Quartalszahlen sind besser ausgefallen als von den Experten erwartet. Adidas hat seine Prognose erhöht, und das Traditionsunternehmen aus Herzogenaurach steuert im laufenden Jahr auf einen neuen Rekord zu. Selbst das in den vergangenen Monaten schwächelnde US-Geschäft, der größte Schwachpunkt der Firma, kommt wieder auf Touren.Zudem kann Stalker zuversichtlich in die Zukunft blicken: Kommende Woche starten die Olympischen Spiele in Athen. Fast die Hälfte der Athleten trägt die Marke mit den drei Streifen ? eine wirksame Werbung. Darüber hinaus steht in zwei Jahren die Fußball- Weltmeisterschaft im Heimatmarkt Deutschland an. Das verspricht ein gutes Fußball-Geschäft. Der sportliche Manager, Jahrgang 1958, hat bei Adidas schnell Karriere gemacht. 1996 kam er zu den Franken. Schon vier Jahre später war er Finanzchef. Im Frühjahr 2001 zog der passionierte Golfspieler dann in den Vorstand ein. Stalker ist nicht der einzige Ausländer in der sechsköpfigen Führungsspitze von Adidas-Salomon: Mit Glenn Bennett kümmert sich ein US-Amerikaner um das tägliche Geschäft, der Schweizer Michel Perraudin ist Personalchef.Stalker startete seine Karriere 1982 als Wirtschaftsprüfer bei Arthur Young in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington und wechselte später zum Filmproduzenten United International Pictures, für den er hauptsächlich in Südkorea tätig war. Dort hat er seine Frau kennen gelernt. Im Anschluss ging Stalker, der fließend Deutsch spricht, zum Wettbewerber Warner Bros., bevor er einige Jahre als freiberuflicher Unternehmensberater arbeitete.Obwohl er in der fränkischen Provinz ? Nürnberg ist eine knappe halbe Stunde von Herzogenaurach entfernt ? ohne Rugby auskommen muss, genießt der Kiwi, wie sich die Neuseeländer nennen, offenbar das Leben in Deutschland. ?Es ist wunderbar hier?, schwärmte er im Gespräch mit einem Reporter aus seinem Heimatland. ?Ich lebe in einem kleinen Dorf nur 15 Minuten entfernt vom Büro. Ich habe zwei Hunde, meine Frau hält drei Pferde ? im Grunde genommen ist das Leben in Deutschland mit dem in Neuseeland durchaus vergleichbar.?Und das ist noch nicht alles: ?Ich bin ein großer Fan des deutschen Bieres?, bekannte der begeisterte Mercedes- und BMW-Fahrer dem Reporter von ?Dominion Post? und ?Christchurch Press?. Einen Seitenhieb auf die deutsche Küche konnte er sich allerdings nicht verkneifen: ?Ich kann gut ohne die Wurst hier leben.?
Dieser Artikel ist erschienen am 05.08.2004