Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der Franchise-Geber ist pleite. Was nun?

Hans Lang
Nicht nur in Zeiten stagnierender Konjunktur und steigender Insolvenzzahlen stellen regelmäßig auch Franchise-Geber ihren Geschäftsbetrieb ein. Der Franchise-Nehmer, der wie bei kaum einer anderen wirtschaftlichen Kooperation von diesem Partner abhängig ist, muss versuchen, in solch einer Situation das Schlimmste für den eigenen Betrieb zu verhindern.
Nicht nur in Zeiten stagnierender Konjunktur und steigender Insolvenzzahlen stellen regelmäßig auch Franchise-Geber ihren Geschäftsbetrieb ein. Der Franchise-Nehmer, der wie bei kaum einer anderen wirtschaftlichen Kooperation von diesem Partner abhängig ist, muss versuchen, in solch einer Situation das Schlimmste für den eigenen Betrieb zu verhindern. Das ist möglich - wenn er konsequent handelt.

Als erstes gilt es, die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Franchise-Gebers zu erkennen und zu analysieren. Finanzielle Probleme bei Franchise-Gebern machen sich zuerst bei den Franchise-Nehmern bemerkbar. Die Leistungen der Zentrale, zum Beispiel bei der Betreuung oder beim Training, werden immer dürftiger, die zuständigen Ansprechpartner verlegen sich aufs Vertrösten, und ein Teil der Mitarbeiter des Franchise-Gebers verlässt das Unternehmen. Gleichzeitig verkündet der Franchise-Geber oftmals weit in die Zukunft reichende neue Pläne zur weiteren Entwicklung des Franchise-Verbundes oder anstehende Umstrukturierungen.

Die besten Jobs von allen


Spätestens in diesem Stadium ist höhere Sensibilität gefragt: Der Franchise-Nehmer sollte wissen, wie es um seinen Franchise-Geber steht. Die Franchise-Nehmer-Gremien, allen voran der Franchise-Nehmer-Beirat, müssen ein ungeschminktes Bild der Situation erstellen. Insbesondere ist es wichtig, dass die Franchise-Nehmer-Gremien ermitteln, ob die Schwierigkeiten aus dem Franchise-System selbst, von Marktveränderungen oder von einer anderen wirtschaftlichen Betätigung des Franchise-Gebers herrühren.

Gemeinsam handeln, statt individuell verhandeln, heißt das Gebot der Stunde. In kritischen Situationen können die Franchise-Nehmer eines Systems in der Regel gemeinsam mehr erreichen, als dies für den Einzelnen möglich wäre. Es bietet sich die Gründung einer Interessengemeinschaft, vielleicht als BGB-Gesellschaft, an. An der Spitze der gemeinsamen Zielsetzung steht dann die Sicherung der Markenrechte, der Bezugsquellen und der Mietverträge durch Verhandlungen mit den Lieferanten, Vermietern bzw. den Gläubigern des Franchise-Gebers. Zahlungen können unter Umständen bereits direkt und nicht mehr an den Franchise-Geber geleistet werden.

Bei einer bereits eingetretenen Insolvenz sollten die Franchise-Nehmer dem Insolvenzverwalter klare Vorschläge zur Weiterführung des Franchise-Verhältnisses machen, die sie auch entsprechend finanziell unterlegen können. Gleichzeitig sollten sie sich über die Frage Gedanken machen, ob sie als Gesamtheit der Franchise-Nehmer selbst eine neue Zentrale mit Minimalausstattung betreiben wollen, oder ob sie alternativ auf einen neuen Franchise-Geber hoffen und vertrauen wollen.

In der Praxis bietet sich aber häufig der Wechsel zu einer anderen Kooperation an. Dies kann ein erfolgreiches Franchise-System derselben Branche oder eine bekannte Verbundgruppe/Einkaufsvereinigung sein. In einem solchen Fall werden allerdings nicht immer alle Franchise-Nehmer in die bereits vorhandenen Strukturen eingepasst werden können. Einzelne stehen dann immer noch vor der Entscheidung, alleine weiterzumachen oder aufzugeben.

Aus dem Nachteil lassen sich jedoch auch noch Vorteile ziehen. Eine so existentielle Krise wie der Ausfall des Franchise-Gebers kann bei substanziell einigermaßen gesunden Franchise-Nehmern durchaus positive Folgen haben. Denn die Aufstellung in einem neuen System ist quasi ein Neuanfang: Die Unternehmen haben nun die Chance, Fehlentwicklungen des vormaligen Franchise-Systems ausführlich zu analysieren und zu korrigieren.

Die neuen Verträge, zu denen stets zu raten ist, können die Franchise-Nehmer nun auf die wesentlichen zentralen Leistungen beschränken und gleichzeitig besser an wirtschaftliche Gegebenheiten anpassen. Sie wissen jetzt, welche Leistungen sie von der Franchising-Zentrale für ihren Markterfolg unbedingt benötigen.

Auf der anderen Seite erhält die Zusammenarbeit zwischen den Partnern einen neuen Stellenwert. Diese könnte mehr als bisher institutionalisiert werden. Um sich nicht in einem komplizierten juristischen Gestrüpp zu verfangen und die bewährte Autonomie nicht gleich wieder aufgeben zu müssen, ist die Begleitung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt jedoch unverzichtbar. Hans Lang.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.11.2001