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Der Flugbegleiter

Christian Kleff
Seine Eltern haben sich daran gewöhnt, dass er nur selten in Deutschland ist. Er wollte immer weg, war viel weg und jetzt ist er weg. Und wenn er wieder da ist, weiß er, dass er wieder weg will.
Nicht, dass es ihm in Deutschland nicht gefällt, aber Jan Lieske aus Bad Soden im Taunus ist jemand, den man einen Globetrotter nennt. ?Es war immer mein Ziel, im Ausland zu arbeiten. Das empfand ich stets als Herausforderung.? Kein Wunder, dass er im ProTeam-Programm für Nachwuchsführungskräfte der Lufthansa gelandet ist.
Heute sitzt der 28-jährige Lieske in einem Büro in Singapur - direkt an der Haupteinkaufsmeile der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole. Der BWLer entwickelt eine Buchungssoftware, über die Firmenkunden in Asien online Flugtickets kaufen können. ?Fünf Monate habe ich für diese Entwicklung Zeit. Dann muss das System laufen.? 70 Prozent seiner Arbeitszeit nimmt das Projekt ein, der Rest ist Tagesgeschäft.
18 Monate hat der ProTeamler Zeit, drei selbst ausgewählte Projekte zu stemmen. Während er in Singapur noch werkelt, muss er die nächste Aufgabe in Deutschland bereits anschieben. Lieskes großes Ziel aber ist: ?dauerhaft Ausland? - auch, weil er überzeugt ist, dass ?ein paar Monate hier, ein paar Monate dort? keinen großen Mehrwert bringen: ?Das Land, die Kultur, die Menschen lernt man nicht von heute auf morgen kennen. So was dauert Jahre.?
Das sagt einer, der nicht das erste Mal in Singapur ist. Bereits 1998 hat Lieske sechs Monate lang ein Praktikum in dem Stadtstaat absolviert. Ebenfalls bei der Lufthansa - gesponsert von der Carl Duisberg Gesellschaft. Damals machte Lieske einen so guten Eindruck, dass er in das studentische Förderprogramm Smart aufgenommen wurde. ?Danach wurde mir immer klarer, dass ich nach meinem Studium bei der Lufthansa arbeiten möchte.?
Von Singapur kann er zurzeit nicht genug kriegen - kulturell und kulinarisch: Der Black Pepper Crab (Schwarzer-Pfeffer-Krebs) hat es Lieske angetan. ?Würzig und sehr, sehr scharf schmeckt der.? An jeder Ecke gibt es kleine Lokale, ?die Hawkers, mit den unterschiedlichsten Kochstilen?.
Allerdings: Krankmeldungen wegen Magenverstimmung sind für Lieske nicht selten. Doch für ihn kein Grund, schlechte Laune zu bekommen - die Chancen, die ?man als Airliner am Standort Singapur hat?, sind einfach zu gut: ein, zwei Tage Urlaub plus der LH-Mitarbeitertarif - und schon ist ein verlängertes Wochenende auf Bali oder in Bangkok möglich.

Internet:www.lufthansa-careerlounge.de


Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2002