Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Der Farbverkäufer

Christian Kleff
Es sieht so aus, als hätte er sich angestrengt: Michael Kellner, Absolvent der WHU Koblenz, Auslandssemester in Bergen (Norwegen) und Paris, Praktika bei Sodexho in Paris, Siemens, Mercedes-Benz und L?Oréal.
Michael Kellner ist 24 Jahre alt. Seit Januar steht er bei der Düsseldorfer Niederlassung des französischen Kosmetikriesen L?Oréal als Trainee in Lohn und Brot. Die Rheinländer haben ihn allerdings direkt weggeschickt. Nach Afrika. In Johannesburg bringt er Haarkoloration unter die Leute

Bei L?Oréal ist das ein Sonderfall. Nicht jeder bekommt sofort nach Dienstbeginn die Chance, ins Ausland zu gehen. Die Erwartungen an Michael Kellner sind hoch. Sehr hoch. Seine Leistungen während des Praktikums haben die Kosmetik-Personaler aufhorchen lassen. ?Was die mir damals schon zugetraut haben, das hat mich beeindruckt?, sagt Kellner. ?Ich durfte direkt mit Agenturen verhandeln und hatte nie das Gefühl, als Praktikant behandelt zu werden.?

Die besten Jobs von allen
?

Die Arbeit in Johannesburg macht Kellner Spaß, die Atmosphäre stimmt. ?Die Kollegen dort sind nicht viel älter als ich.? Die Markteinführung einer neuen Haarkoloration ist sein Projekt, der Auftritt im Handel, die Koordination mit den Agenturen sind seine Aufgaben - und das ganze zehn Stunden am Tag.
Nicht nur die Arbeit, das ganze Land gefällt dem gebürtigen Südhessen aus Heppenheim ?ziemlich gut?. Seine 60 Quadratmeter große Wohnung liegt im Universitätsviertel Melville, Trubel frei Haus. ?Die Leute sind wahnsinnig freundlich?, meint Kellner. In kurzer Zeit hat er sich einen Freundeskreis aufgebaut. ?Richtige Freunde. Nicht nur Bekannte.? Weiße und Schwarze

Kellner bewundert, wie die Südafrikaner mit ihrer Vergangenheit umgehen. Beide Seiten kämen verhältnismäßig gut miteinander aus. Überhaupt, die Wahrnehmung von Südafrika aus dem fernen Deutschland sei oft übertrieben. Die Kriminalität südafrikanischer Prägung macht in Europa immer wieder Schlagzeilen. ?Klar gibt es Stadtviertel, in denen man sehr vorsichtig sein sollte.? Doch wenn man ein paar Regeln befolge, gebe es keine Probleme. ?Und eingeschränkt fühlt man sich erst recht nicht.?

Südafrika hat es ihm angetan. Ob es ihn einmal für länger ans Kap verschlagen wird? ?Das kann ich jetzt noch nicht sagen.? Dafür hat L?Oréal wohl zu viel mit ihm vor

Internet: www.loreal.de
Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2002