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Der dritte Mann

Von Wolfgang Gillmann und Sönke Iwersen
Als dritter Chef in nur drei Jahren soll Gerhard Wiedemann den angeschlagenen Anlagenbauer IWKA sanieren. Kein leichtes Amt, doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern scheint er das Vertrauen aller Aufsichtsräte zu haben. Und er kennt IWKA wie kaum ein Zweiter.
Der neue IWKA-Chef Gerhard Wiedemann kennt das Unternehmen wie kaum ein Zweiter. Foto: PR
DÜSSELDORF. Einstimmige Beschlüsse haben bei der IWKA Seltenheitswert. Doch am vergangenen Freitag war sich der Aufsichtsrat des angeschlagenen Maschinen- und Anlagenbauers ausnahmsweise schnell einig. Nach nur einer kurzen Sitzung nominierte das Kontrollgremium Gerhard Wiedemann zum Jahresanfang 2007 zum neuen Vorstandsvorsitzenden und verabschiedete gleichzeitig den bisherigen IWKA-Chef Wolfgang-Dietrich Hein. Vor zwei Wochen stand die Nachfolge von Hein schon einmal auf der Tagesordnung. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Bartke scheiterte am Widerstand der Arbeitnehmer und setzte die Wahl seines Kandidaten ab.Wiedemann übernimmt kein leichtes Amt. Seit der US-Investor Guy Wyser-Pratte im Oktober 2003 bei dem bis dahin eher langweiligen Konglomerat aus über 100 Firmen eingestiegen ist, kommt das Karlsruher Unternehmen nicht zur Ruhe. Querelen in Aufsichtsrat und Vorstand bestimmen das Bild. Nach Hans Fahr und Wolfgang-Dietrich Hein ist Wiedemann jetzt schon der dritte Vorstandsvorsitzende in gerade einmal drei Jahren.

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Der am 30. September 1946 in Augsburg geborene Wiedemann hat sein gesamtes bisheriges Berufsleben in seiner Heimatstadt verbracht. Nach dem Studium von Maschinenbau und Betriebswirtschaft geht er 1968 zunächst als Projekt- und Vertriebsingenieur für Großschiffsmotoren zu MAN, übernimmt dann 1971 eine Stelle als Prokurist bei der Brunnhuber Maschinenfabrik und tritt 1977 bei der Augsburger Kuka ein. Hier arbeitet sich Wiedemann vom Gruppenleiter Vertrieb zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Kuka Schweißanlagen hoch und ist seit April 2006 Vorstand in der Holding IWKA und zuständig für den Geschäftsbereich Automobiltechnik.Der kompakte, aber drahtige neue IWKA-Chef gilt als absoluter Fachmann für das Projektmanagement. Sein bisheriger Bereich Automobiltechnik, der sich inzwischen Anlagen- und Systemtechnik nennt, baut Schweißanlagen, mit denen die Autoindustrie ihre Rohkarossen fertigt. Hier hat sich Wiedemann einen tadellosen Ruf erworben.Jetzt wird er Chef des Karlsruher Traditionsunternehmens und muss nicht einmal umziehen. IWKA kommt zu ihm. Die Holding des Unternehmens beginnt bereits mit dem Umzug von Ettlingen an den Ort der größten Tochtergesellschaft Kuka. Spätestens zur nächsten Hauptversammlung wird IWKA in der Augsburger Zugspitzstraße residieren.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wiedemanns zweiter AnlaufWiedemann war schon einmal Kandidat für den Chefposten bei IWKA. Im August 2005, als die Nachfolge für den auf Druck von Wyser-Pratte zurückgetretenen Hans Fahr anstand, präsentierte auch Wiedemann seine Strategie dem Aufsichtsrat. Er hatte dort die Unterstützung der Vertreter der Arbeitnehmer sicher. Das Gremium entschied sich dann aber für den Sanierungsspezialisten Hein.Hein scheidet wie erwartet zum Jahresende aus. Der stets selbstbewusste und optimistische Manager hatte es sich vor allem mit dem inzwischen größten Aktionär Wyser-Pratte verdorben. Hein sortierte im Gegensatz zu seinem Vorgänger Fahr schnell die weniger rentablen Konzerngesellschaften aus. Die Verkäufe dauerten aber zu lange und brachten hohe Buchverluste, die IWKA jetzt kräftige rote Zahlen schreiben lassen und die Eigenkapitalquote auf bedrohlich knappe zwölf Prozent gedrückt haben. Der Neue, Wiedemann, scheint bei Wyser-Pratte auf mehr Wohlwollen zu stoßen. Man kennt sich. ?Wiedemann ist eine exzellente Wahl für den Posten des Vorstandsvorsitzenden?, verteilt der US-Investor zurzeit Vorschusslorbeeren. ?Er ist der richtige Mann, um dem Unternehmen langfristig Stabilität zu geben.?Das glaubt der künftige IWKA-Chef auch von sich. ?Mein Ziel ist ? neben einer deutlichen Umsatzausweitung ? die nachhaltige Stärkung der Ertragskraft des Konzerns bei gleichzeitiger Steigerung des Unternehmenswertes?, beschreibt er seine Aufgaben. Außerdem muss er den Bereich Verpackungsmaschinen verkaufen, eine Forderung, die Wyser-Pratte gleich bei seinem Einstieg stellte.Zwar besteht offiziell erst ein Prüfauftrag, doch gilt der Verkauf als beschlossen, weil IWKA nicht mehr genug Finanzkraft hat, um alle drei Säulen des Geschäfts zu finanzieren. Die Arbeitnehmer sind aber gegen den Verkauf. Hier könnte sich der erste Konflikt für Wiedemann anbahnen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.12.2006