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Der die Satten hungrig macht

Von Ingo Reich
Mit der Übernahme der Marke Plus von Tengelmann hat Alfons Frenk eine neue Runde im Kampf der deutschen Discounter eingeleitet. Wie positiv sich Größe im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf die Rendite auswirken kann, konnte der Edeka-Chef bereits früher zeigen.
Das Florett ist seine Sache nicht: Edeka-Chef Alfons Frenk Foto: ap
MÜLHEIM. Das feine Florett ist seine Sache nicht, aber auch nicht der wuchtige Säbel. Wenn Alfons Frenk, Vorstandschef der Hamburger Edeka-Gruppe, eine Waffe wählen müsste, würde er wahrscheinlich das Schlachtermesser wählen. Den Umgang damit hat der Sohn eines Viehhändlers schließlich schon in der Jugend gelernt. Noch heute könnte er ein Schlachtschwein sauber zerlegen.Und so schaut der 57-Jährige ganz ungläubig drein, wenn jemand fragt, woher denn die Kunden für die Discountschiene der Edeka, die nach der Übernahme der Mehrheit an Plus jährlich um 300 Filialen anwachsen soll, in Zukunft kommen sollen. "Natürlich aus anderen Geschäften?, sagt Frenk ? und meint damit natürlich seine Konkurrenten. Denen will er nun "einheizen?.

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Darunter sind solche Schwergewichte wie Aldi und Lidl, aber auch die Penny-Märkte der Kölner Rewe -Gruppe. Diese liegen nun, da Frenk die Edeka-eigenen Netto-Filialen mit denen der Mülheimer Plus-Kette zusammenführt, abgeschlagen auf Rang vier der deutschen Discounter.Dass er auch Partnern etwas wegnehmen kann, hat Alfons Frenk im laufenden Jahr bewiesen, als die einstige "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin?, wie Edeka einst hieß, ihr 100-jähriges Bestehen zelebrierte. "Die Edeka hat 2007 praktisch an jedem Tag Geburtstag gefeiert?, sagt ein führender Manager der Nahrungsmittelindustrie, der sich mit immer neuen Wünschen nach Preisnachlässen aus Anlass des Jubelfestes konfrontiert sah."In Deutschland hat das Heulen schon begonnen, denn die Industrie fürchtet schon, dass die Sonderkonditionen des Jubiläumsjahres jetzt zum Normalfall werden?, sagt Handelsberater Volker Dölle. Die wegen der steigenden Rohstoffpreise eben erst durchgesetzten Preiserhöhungen könnten sich schon bald wieder verflüchtigen, prognostiziert Dölle. Im Preiskampf um Marktanteile schenken die Discounter einander nichts.Edeka-Chef Alfons Frenk hingegen spricht vom Wohl seiner Kunden. Der 1. Mai 2008, der Tag an dem die Zusammenlegung der Netto- und der Plusmärkte beginnt, sei "ein guter Tag für die Verbraucher?, sagt er. Und für ihn natürlich auch, denn die Übernahme steigert seine Einkaufsmacht, so dass Edeka im Preiskampf der Handelsriesen besser dasteht.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mit seinem autoritären Stil kommen manche nicht klarDass sich Größe im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auch positiv auf die Rendite auswirken kann, hat Alfons Frenk bereits im Jahr 2006 gezeigt. Nach der Übernahme von Spar und Netto konnte Edeka das Einkaufsvolumen von 22 auf 30 Milliarden Euro steigern ? und Frenk hat sich das auch sofort von den Markenartiklern prämieren lassen. Bereits bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Mai dieses Jahres sagte der Edeka-Chef, die Steigerung des Einkaufsvolumens sei der wesentliche Grund dafür gewesen, dass der Edeka-Einzelhandel seine Umsatzrendite vor Steuern von knapp drei auf 3,5 Prozent steigern konnte. "Und künftig wollen wir noch billiger einkaufen, schließlich hat die Industrie an Edeka noch nie so viel verdient?, betonte Frenk. Seine Zielmarke für 2008 sei deshalb eine Rendite von vier Prozent.Im Umgang mit Mitarbeitern bevorzugt der Frenk, der seit 26 Jahren im Dienste der Edeka steht, den Befehlston. Er bestreitet das mild: "Ich schlage vielleicht mal lebhaft auf den Tisch.? Mit seinem autoritären Führungsstil kommen jedoch manche bei Edeka nicht klar ? einige ergriffen die Flucht, andere mussten gehen, weil sie nicht die Leistung brachten, die dem Chef genügte. So verließ vergangenes Jahr Personalvorstand Gerhard Peter den 254 000-Mitarbeiter-Konzern; 2005 räumte Einkaufsvorstand Helmut Hörz das Feld.Wenn Frenk Unwirtschaftlichkeit aufspürt, wird er ungemütlich. Dann erwachen Kindheitserinnerungen: Der Vater, ein Viehhändler, wurde arbeitsunfähig, als Alfons zehn Jahre alt war. Frenk, seine Eltern und fünf Geschwister litten oft Hunger. "Darum widerstrebt mir jede Art von Verschwendung?, sagt er heute.Auf jeder Dienstreise nimmt er belegte Brote mit, die ihm seine Gattin schmiert, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist. Auch die drei erwachsenen Kinder mussten sich bescheiden: Keinem schenkte der Vater zum 18. Geburtstag ein Auto.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fester im Sattel denn jeIm Beruf zählt für den schlank gewachsenen Hobby-Radsportler neben harter Arbeit vor allem Leistung und unbedingtes Engagement für die Sache Edeka. Dabei fühlt sich Alfons Frenk, so hart wie er gegenüber sich selbst ist, auch hohem Leistungsdruck und starker psychischer Belastung gewachsen.Das "Lieblingskind? des Edeka-Chefs ist die Frischwarenabteilung. Dass viele selbstständige Edeka-Unternehmer heute wieder in teure Ausstattung investieren, lobt Frenk. Lebensmittelhändler müssten heute keine Hungrigen mehr satt machen, sondern Satte hungrig, sagt Frenk.Und tatsächlich: Beim Thema Frische und Service räumen Edeka-Läden heute einen Branchenpreis nach dem nächsten ab. Die Ernte für sein Engagement konnte Frenk nun einfahren. Denn trotz aller personellen Querelen sitzt er heute fester im Sattel denn je. Nach dem Willen des Edeka-Aufsichtsrats soll Frenk weitere fünf Jahre an der Spitze von Deutschlands größter Lebensmittel-Einzelhandelsgruppe stehen.Vita1950 Er wird in Osnabrück geboren. Nach der Prüfung zum Kaufmannsgehilfen macht er 1974 das Examen als staatlich geprüfter Betriebswirt.1974 Alfons Frenk arbeitet bis 1980 als Abschlussprüfer in zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Später legt er noch die Examina als Steuerbevollmächtigter, Steuerberater, Vereidigter Buchführer und Wirtschaftsprüfer ab.1981 Alfons Frenk wechselt zur Edeka-Gruppe und wird Leiter der Konzernrevision der Edeka Minden-Hannover Holding.1991 Er wird Geschäftsführer der Edeka Minden-Hannover Holding.2000 Er steigt bei der Edeka Minden-Hannover Holding zum Vorstandssprecher auf.2003 Alfons Frenk löst im Mai Hermann J. Ruetz als Vorstandsvorsitzender der Edeka Aktiengesellschaft in Hamburg ab.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.11.2007