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Der Besserwisser

Cornelius Welp, Wirtschaftswoche
"Ich weiß, dass ich alles weiß, und das besser als alle anderen" – dieser Typ kennt anscheinend jeden Winkel im Betrieb und hat alle Geschäftsberichte bis ins kleinste Detail auswendig gelernt. Seine überlegenen Kenntnisse demonstriert er bei jeder Gelegenheit.
Wer es wagt, in seinen Bereich einzudringen, wird brüsk zurückgewiesen. Denn seine Kernkompetenz verteidigt der Besserwisser mit fanatischer Vehemenz. Anderen gesteht er diese allerdings nicht zu. Ständig korrigiert er sie auch in kleinen Details und schüttelt über ihre Unwissenheit den Kopf. Gerade wer neu in ein Unternehmen kommt, erhält so oft das Gefühl, keine Ahnung zu haben und es auch nie zu lernen. Häufig sind es ältere Mitarbeiter, die jüngere Kollegen mit diesem Verhalten fast zur Verzweiflung treiben.

Strategie: Sachliche Diskussionen bringen wenig. Der Schlaumeier gibt nicht nach, die Debatte verzettelt sich, und am Ende hat er doch irgendwie Recht. Das liegt an der Motivation seines Verhaltens: Wer alles besser weiß, fühlt sich bedroht und will die eigene Unersetzbarkeit demonstrieren. Mit seinem Verhalten macht er deutlich, dass er Anerkennung braucht. Auch wenn es Geduld erfordert, sollte man ihm die entgegenbringen. Denn wenn ein Bedürfnis nicht befriedigt wird, verstärkt es sich. Also für Anregungen stets bedanken, das breite Wissen des Kollegen loben und dann weiter im Text. Wenn er sich erst einmal akzeptiert fühlt, wird er auf Dauer auch die Kompetenz der anderen anerkennen.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.02.2002