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Der Barbie-Jäger

Von Joachim Hofer
?Sehen sie die Narben?? fragt der Mann im gepflegten grauen Anzug. ?Das kommt vom heißen Geschirr, das ich in meinen Anfangstagen in Amerika als Tellerwäscher in die Hand nehmen musste.? Isaac Larian begann als kleiner Importeur von Textilien in den USA. Heute ist er mit seinen Bratz-Puppen fast so erfolgreich wie der große Mattel-Konzern. Jetzt will der gebürtige Iraner mit Zapf den deutschen Markt aufrollen.
NÜRNBERG. Wenn Isaac Larian seinen Gesprächspartnern beweisen will, dass er von ganz unten kommt, dann streckt er ihnen seine Hände entgegen. ?Sehen sie die Narben?? fragt der Mann im gepflegten grauen Anzug. ?Das kommt vom heißen Geschirr, das ich in meinen Anfangstagen in Amerika als Tellerwäscher in die Hand nehmen musste.?Vom Tellerwäscher zum Multimillionär: Für den gebürtigen Iraner hat sich ein uramerikanischer Traum erfüllt. Mit 17 flüchtete der Mann mit dem braunen Teint aus dem Orient in die Vereinigten Staaten. Ein Vermögen machte er als US-Vertriebspartner für die kleinen elektronischen Spiele des japanischen Nintendo-Konzerns. Heute ist der 52-Jährige eine der schillerndsten Figuren in der Freizeit- und Spielwarenbranche. Und das nicht nur in seiner neuen Heimat Kalifornien. Jedes Jahr verkauft er weltweit Puppen, Gartenrutschen, ferngesteuerte Autos und sogar DVDs für zwei Milliarden Dollar. Sein Unternehmen, die MGA Entertainment, ist einer der wenigen Gegenspieler, die die dominierenden, börsennotierten Spielwarenkonzerne Mattel und Hasbro wirklich zu fürchten haben.

Die besten Jobs von allen

Vor sechs Jahren erst hat Larian seinen bislang größten Hit, die ?Bratz?-Puppen, erstmals in die Läden gebracht. Der Name lehnt sich an das Wort ?Brat? an, das im Englischen so viel wie Göre bedeutet. Inzwischen machen sich die frechen Püppchen mit ihren modischen Klamotten daran, ?Barbie? vom Thron zu stoßen. Über fast fünf Jahrzehnte beherrschte Mattel mit seinen langbeinigen Plastikpuppen die Kinderzimmer. Doch immer öfter verlangen junge Mädchen von ihren Eltern die provokative ?Bratz?-Familie. Mit ihrem Schmollmund und ihren flippigen Kleidern entsprechen sie den TV-Vorbildern eher als die vergleichsweise braven ?Barbies?.Hier zu Lande erlangte Larian vergangenen Sommer eher zweifelhafte Berühmtheit. In einem Coup, wie es ihn in der deutschen Wirtschaft nur selten gegeben hat, kaperte der Unternehmer den angeschlagenen fränkischen Puppenhersteller Zapf Creation. Larian kaufte innerhalb weniger Tage 23 Prozent der Aktien des börsennotierten Unternehmens ? und torpedierte damit ein freundliches Übernahmeangebot des japanischen Wettbewerbers Bandai. Inzwischen hat Larian, der längst amerikanischer Staatsbürger ist, das Sagen bei Zapf ? obwohl er nach wie vor weit von der Mehrheit entfernt ist.Nach außen gibt Larian stets den knallharten Manager, der vor allem durch seine markigen Sprüche auffällt. Auf der Hauptversammlung von Zapf im vergangenen August griff er Vorstandschef Georg Kellinghusen frontal an. Er werde die Firma ohne Rücksicht auf die Chefetage ?auf Vordermann bringen?, ließ er durch seinen Anwalt verkünden. Vier Monate später trat Kellinghusen bereits bei Zapf ab. Nicht viel anders springt Larian mit der Konkurrenz um. Mattel habe die ganze Branche jahrelang eingeschüchtert und durch unfairen Wettbewerb behindert. ?Doch wir machen das nicht mit.? Deshalb treffen sich seine Anwälte und die von Mattel oft vor Gericht, wo sie sich beschuldigen, voneinander abzukupfern.Wenn er denn könnte, tönt Larian, dann würde er die böse Konkurrenz am liebsten sofort aufkaufen und zur Vernunft bringen. Doch noch sei das Unternehmen zu teuer. ?Wenn der Aktienkurs aber auf zwölf bis 13 Dollar gefallen ist, dann schlage ich zu?, sagt er auf dem Zapf-Stand auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Derzeit notiert das Mattel-Papier jedoch bei mehr als 24 Dollar, und der Konzern kommt auf eine Börsenkapitalisierung von mehr als neun Milliarden Dollar. Das dürfte selbst das Vermögen von Larian übersteigen, auch wenn er dazu keine Auskunft gibt. Nur so viel: ?Wegen des Geldes arbeite ich schon lange nicht mehr.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Typ mit Humor, mit Einfühlungsvermögen.Wenn es um sein Privatleben geht, zeigt sich ein ganz anderer Mensch. Ein Typ mit Humor, mit Einfühlungsvermögen, der seine Wurzeln in bescheidenen Verhältnissen im Iran nicht vergessen hat. Da wird aus dem Raubein mit dem durchdringenden Blick auf einmal ein fürsorglicher Familienvater. Larian hat drei Kinder und ist seit 22 Jahren verheiratet. In seiner Freizeit steigt er gerne aufs Fahrrad, spielt Volleyball oder geht mit seiner Frau Angela und den Kids zum Campen. Auch Yoga steht auf seiner Agenda.?Den größten Luxus, den ich mir gönne, ist ein schönes Auto mit Fahrer?, sagt er. Dies leiste er sich auch nur deshalb, weil ihn seine Kollegen dazu gezwungen hätten. Larian verunglückte zwei Mal, als er am Lenkrad mit seinem Blackberry hantierte.Seine Mitarbeiter schätzen ihren Chef. ?Der Mann versteht es, seine eigene Begeisterung für das Geschäft auf andere zu übertragen?, sagt Thomas Pfau. Er ist Deutschland-Chef von MGA und seit dem Einstieg von Larian zugleich Vorstand von Zapf. Allerdings, räumt er ein, fordere der Eigentümer von seinen Leuten auch extrem viel Einsatz ? und das wegen des weltweiten Geschäfts fast rund um die Uhr. Wenn die MGA-Büros in Los Angeles die Türen öffnen, ist es in Deutschland schon Abend.Larian, der mal als kleiner Importeur von Textilien in den USA begann, versucht ? anders als seine Konkurrenten ?, rund um die Puppen eine ganze Erlebniswelt aus TV-Serien, DVDs, Figuren und Accessoires zu verkaufen. Mit diesem bei Bratz erfolgreichen Konzept will er jetzt auch Zapf auf die Beine bringen.Die Spielwarenbranche zollt Larian durchaus Respekt. ?Sein Einstieg bei Zapf war clever. Denn Bratz war in Deutschland bislang wenig erfolgreich. Jetzt hat MGA hier einen guten Vertrieb?, sagt Karsten Schmidt, der Chef des Spieleverlages Ravensburger.In den vergangenen Wochen hat Larian die Unternehmen Zapf und MGA eng miteinander verzahnt. Erste Erfolge, sagt er, seien sichtbar. ?In nur sechs Monaten hat Zapf über unsere Leute in Amerika schon mehr verkauft als zuvor in einem ganzen Jahr?, sagt Larian und zeigt sein gewinnendes Lächeln.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Isaac Larian.Isaac Larian1954: Er wird im Iran geboren und ist heute US-Staatsbürger. Er macht seinen Abschluss als Ingenieur an der California State University/Los Angeles.1979: Er gründet den Vorläufer von MGA Entertainment unter dem Namen Surprise Gift Wagon.1987: Er wird erster offizieller Vertriebspartner für Nintendo-LCD-Spiele in den USA.1993: Er wandelt MGA von einem Unterhaltungselektronik-Unternehmen zu einem Hersteller von Spielzeug- und Freizeitprodukten um.2006: Er steigt beim angeschlagenen deutschen Puppenhersteller Zapf Creation als Großaktionär ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2007