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Der Bachelor kommt in Mode

Von Claudia Wüstenhagen, Handelsblatt
Die Tage der Studienabschlüsse made in Germany sind gezählt. Bachelor und Master sollen bis 2010 die bestehenden Abschlüsse Diplom, Magister und Staatsexamen ersetzen.
KÖLN. Den Grundstein dafür legten die Bildungsminister von 29 Staaten vor fünf Jahren im italienischen Bologna, als sie beschlossen, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen.Zentrales Element der universitären Neuordnung ist ein System, das nach sechs Semestern als berufsqualifizierenden Abschluss Nummer Eins den Bachelor vergibt. Mit dem in der Tasche steigt der Absolvent entweder ins Berufsleben ein oder hängt einen zwei- bis viersemestrigen spezialisierten Master-Studiengang an. Durch die kürzeren Studienzeiten sollen die Absolventen zum einen früher in den Job kommen, es zum anderen aber auch leichter haben auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Ein potenzieller Arbeitgeber im Ausland muss dann nicht mehr rätseln, wofür der deutsche Abschluss steht und was er von dem Bewerber erwarten kann.

Die besten Jobs von allen

Viele Bundesländer wollen mit der Umstrukturierung nicht warten bis 2010. Und so waren im Wintersemester 2002/2003 bereits mehr als 48 000 Studierende in Bachelor-Studiengängen eingeschrieben. Mit bundesweit 951 machen die schon 8,5 Prozent des Gesamtangebots der Hochschulen aus. 117 Bachelor-Angebote stammen allein aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften, die meisten davon gibt es in Betriebswirtschaftslehre. Wer sein Wirtschaftsstudium auf Englisch oder in einer anderen Fremdsprache absolvieren möchte, kann momentan zwischen 48 internationalen Studiengängen wählen.An der Universität Frankfurt am Main ist die Kurzform des BWL-Studiums seit einem Jahr möglich. Im Grundstudium gibt es keine Unterschiede zum Diplomstudiengang, der noch parallel existiert. Denn auch ein Bachelor muss die Grundzüge der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre lernen, Statistik pauken und wirtschaftsrelevante Gesetze kennen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Im Hauptstudium trennen sich die Wege deutlichDoch im Hauptstudium trennen sich die Wege deutlich. Wer sich für den Bachelor entscheidet, kann den volkswirtschaftlichen Teil weglassen und dafür seinen Schwerpunkt früher auf ein Spezialfach wie Finanzen, Wirtschaftsinformatik, Personalwirtschaftslehre, Organisation und Management legen. Früher, sagt Andrea Frank von der Hochschulrektorenkonferenz, sei es weniger darum gegangen, was ein Absolvent können müsse, sondern darum, welche Bestandteile zum Fach gehörten. Zwar habe man genau festgelegt, wie viele Stunden Mathe auf dem Plan zu stehen hätten. ?Aber es wurde nicht gefragt, wozu das Ganze führen soll.? Im Gegensatz dazu zielen die reformierten Studiengänge viel stärker auf Qualifikationen ab. ?Outputsteuerung? nennt man das.Doch die Studenten reagieren nicht unisono positiv auf das neue Steuerungsangebot. Bei einer Handelsblatt-Umfrage in diesem Frühjahr fanden nur 35 Prozent der über 1 000 Befragten den Bachelor gut oder sehr gut. Persönliches Interesse zeigte sogar nur jeder Fünfte.Und auch viele Firmen tun sich in punkto Bachelor-Bewertung noch schwer. Grundsätzlich verspreche die Wirtschaft sich von der Reform ?kürzere Studienzeiten, jüngere Absolventen und eine stärkere Orientierung auf berufliche Qualifizierung?, sagt Berit Heintz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Doch während große Unternehmen, die ihr Personal international rekrutieren, den Bachelor aus dem angloamerikanischen Raum kennen, können kleinere und mittelständische Betriebe mit dem Abschluss nicht viel anfangen.Bei einer Umfrage des DIHK im Dezember 2002 konnten sich gerade mal 20 Prozent der befragten Unternehmen vorstellen, einen Bachelor einzustellen, 42,2 Prozent wussten über die akademischen Neulinge nichts Genaues und 15 Prozent hatten noch nie etwas von ihnen gehört. So viel Desorientierung bleibt für Jobsucher nicht folgenlos. Lars Hüning vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE): ?Weil viele Firmen den Bachelor noch nicht kennen, ist es auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit nicht leicht.?Das Gegenteil hat Daniel Geiger erfahren: Vor einem Jahr verließ er die FH Furtwangen als einer der ersten deutschen Bachelor mit einem Abschluss in ?International Business Administration?. Nach dem englischsprachigen Studium mit integriertem Auslandssemester in Northern Colorado arbeitet er heute für die CeramTec AG in Ebersbach, einem internationalen Anbieter von Hochleistungskeramik.Geiger, dessen Schwerpunkt im Export liegt, kommt viel rum: ein Monat Projektarbeit in den USA, danach drei Wochen England und sechs Wochen Marktrecherche in China stehen für einen rasanten Start ins Berufsleben. ?Für den Bachelor?, sagt Geiger, ?würde ich mich jederzeit wieder entscheiden?.@Weitere Informationen zum Thema ?Ökonomie und Bildung? unter: www.handelsblatt.com/schule
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2004