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Der Anwalt

Es kann schon mal Mitternacht werden, bis man als Anwalt für Mergers & Acquisitions das Büro verlässt. Nicht alle Anwälte fahren dicke Gehälter ein. Aber in großen Sozietäten verdient man ganz ordentlich.
60 Stunden/Woche - über 80 000 EuroHaben Sie als Anwalt für Mergers & Acquisitions trotz der momentanen Pleitewelle noch gut zu tun?

Die besten Jobs von allen

Jan Michael Bauer: Über Arbeitsmangel kann ich mich nicht beklagen. Es gibt zwar weniger ganz große Transaktionen, aber da unsere Klienten vom Dax-Wert bis zum großen Mittelständler reichen und wir auch Gesellschaften in der Krise beraten, haben wir insgesamt nicht weniger Arbeit als in den Vorjahren.Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?An heftigen Tagen, wenn ein Unternehmenskauf in die heiße Phase geht, kann es schon mal nach Mitternacht werden. Dafür gehe ich dann an einem anderen Tag auch mal früher nach Hause. Im Schnitt komme ich vielleicht auf eine 60-Stunden-Woche. Zum Glück bin ich hier bei der Arbeitszeitgestaltung sehr frei. Und mein Job macht mir großen Spaß, so dass ich die viele Zeit nicht als belastend empfinde. Ich habe sicherlich weniger Freizeit als andere Leute. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich zu stark einschränken muss. Es gibt ja auch noch das Wochenende.Im Referendariat verdienen Jung-Anwälte 800 Euro im Monat. Diese Summe liegt weit hinter Ihnen, oder? Ja. Gleiss Lutz zahlt Einsteigern derzeit zwischen 70 000 und 80 000 Euro. Unsere Gehälter werden jedes Jahr angepasst. Deshalb liege ich da jetzt schon einiges drüber. Man sollte die schiere Summe aber nicht überbewerten. Für mich ist das Gehalt vor allem Ausdruck der Anerkennung der Leistung, die man erbringt. Es kommt daher mehr auf die Relation zu anderen Gehältern als auf den absoluten Betrag an.Und so sieht's generell aus:Die Hälfte der 116 000 Anwälte arbeitet als Einmann-Kanzlei. Durchschnittsverdienst 1999: 2 000 Euro netto pro Monat bei einer 56-Stunden-Woche. Freiberufler in örtlichen Sozietäten erzielten 85 000 Euro Gewinn vor Steuern, in überörtlichen 130 000.Angestellte Anwälte in kleinen und mittelgroßen Kanzleien kamen 1999 als Einsteiger auf 3 000 Euro, im dritten Berufsjahr auf 3.400 Euro. Zehn Prozent der Anwälte arbeiten in Großkanzleien. Einstiegsgehalt: 60 000 Euro aufwärts.Quellen: Bundesrechtsanwaltskammer, Institut für freie Berufe
Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2002