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Der Adi Dassler Asiens

Von Joachim Hofer, Handelsblatt
Kihachiro Onitsuka, Gründer des japanischen Sportartikel-Konzerns Asics, denkt trotz seiner 86 Jahre nicht ans Aufhören ? im Gegenteil, er will weiter Gas geben.
MÜNCHEN. Was für eine Frage! Natürlich werde er Mitte August zu den Olympischen Spielen nach Athen reisen. Und natürlich werde er die mit Asics ausgerüsteten Sportler höchstpersönlich anfeuern, so wie all die Jahre. Kihachiro Onitsuka, Gründer des japanischen Sportartikel-Konzerns Asics, denkt trotz seiner 86 Jahre nicht ans Aufhören ? im Gegenteil, er will weiter Gas geben. ?Ich möchte mindestens 100 werden?, sagte er am Wochenende in bester Laune auf der Sportmesse Ispo in München.Onitsuka gehört zum Urgestein der Branche. Mit Adi Dassler, dem Gründer des Konkurrenten Adidas, war er lange befreundet, auch mit dessen Sohn Horst. Beide sind schon lange tot. Onitsuka dagegen ist als Chairman von Asics immer noch im Geschäft, und nach wie vor zieht er mit fast missionarischem Eifer rastlos um die Welt. ?Es ist mir nie darum gegangen, etwas zu verkaufen?, behauptet er. ?Für mich ist der Sport eine Lebensaufgabe.?

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Genau so entstand seine Firma im März 1949. In den schwierigen Jahren nach dem Krieg wollte Onitsuka die japanische Jugend davor bewahren, auf die schiefe Bahn zu geraten. Ein Freund riet ihm, die Kinder für Sport zu begeistern und dazu ein Unternehmen für Sportschuhe zu gründen. Ohne fachliches Know-how und mit geliehenem Geld entstand so die Onitsuka Co., Ltd. Ihr erstes Produkt: ein Basketballschuh.Heute heißt das Unternehmen Asics und ist mit einem zuletzt genannten Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar (2002) der größte Hersteller hochwertiger Joggingschuhe und der fünftgrößte Sportartikelkonzern weltweit. Der Name Asics entstand erst 1977, als der Gründer sein Unternehmen mit zwei anderen fusionierte. Er entspricht ganz dem Programm des Firmengründers. Es handelt sich um die Anfangsbuchstaben der fünf Wörter in dem lateinischen Satz ?Anima Sana in Corpore Sano? (ASICS), also ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.Onitsuka hat den Spruch verinnerlicht und wirkt mit seinen 86 Jahren wie mancher deutsche Rentner mit 70. Durch die große randlose Brille blickt der eher schmächtige Mann seine Gesprächspartner mit wachen Augen an. Lebhaft erzählt Onitsuka, dass er in den sechziger Jahren seinen größten Konkurrenten quasi aus der Taufe gehoben hat. ?1963 kam Phil Knight nach Japan, um gute Sportschuhe zu suchen und sie in die USA zu importieren.? Die beiden Männer wurden sich handelseinig, und sieben Jahre lang verkaufte der Amerikaner Onitsukas Produkte.Dann hatte Knight eigene Ideen und entwickelte selbst Schuhe. So baute er Nike auf, den heute mächtigsten Sportkonzern der Welt. ?Ich freue mich sehr für Knight und habe ihn immer als meinen Sohn betrachtet?, erzählt Onitsuka mit einem Lächeln. Und man nimmt dem Mann mit dem grauen Haar ab, dass er es ehrlich meint. Denn er hatte nie den Ehrgeiz, aus seinem Unternehmen einen Sportmodekonzern zu machen. Gerade mit Lifestyle aber verdienen Nike, Adidas und Puma heute viel Geld.Onitsuka, der sich noch heute für Neuentwicklungen seiner Ingenieure begeistern kann, blieb mit Asics seiner ausgesprochen sportlichen Linie treu. Solange Onitsuka lebt, wird sich daran nichts ändern. Der Gründer, der noch ein kleines Aktienpaket des börsennotierten Konzerns hält, konnte auch Schwiegersohn Motoi Oyama begeistern. Er leitet das Europageschäft.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.07.2004