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Depot-TÜV

Frank Wiebe
Eine gute Rendite ist schön - aber nur, wenn das Finanzamt etwas davon übrig lässt. Wer dem Fiskus am Jahresende nur das Nötigste von seinen Zins- und Dividendenerträgen überlassen will, kann mit recht simplen Tricks Geld sparen - ohne gleich einen Steuerberater zu bemühen.
Eine gute Rendite ist schön - aber nur, wenn das Finanzamt etwas davon übrig lässt. Wer dem Fiskus am Jahresende nur das Nötigste von seinen Zins- und Dividendenerträgen überlassen will, kann mit recht simplen Tricks Geld sparen - ohne gleich einen Steuerberater zu bemühen.

Spekulationsfrist beachten
Nur wer ein Wertpapier mindestens ein Jahr behält, darf den Kursgewinn unversteuert kassieren. Gute Vermögensberater achten daher darauf, dass das Depot ihres Kunden innerhalb dieser Frist nicht unnötig umgeschichtet wird. Wer auf heiße Zockertitel setzt, wird mit diesem Tipp freilich nicht glücklich. Der goldene Mittelweg: In erster Linie solide Standardtitel mit langfristiger Gewinnchance kaufen und dann auch längere Zeit behalten.

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Volatile Branchen wie Biotech lassen sich über Fonds abdecken. Denn Fondsmanager können Papiere jederzeit kaufen und verkaufen, ohne Steuern zu zahlen. Entscheidend ist, dass der Anleger selbst den Fonds mindestens ein Jahr hält. Wer Fonds oder Zertifikate kauft, die in ihrer Anlagepolitik speziell auf eine kleine Branche oder ein absolutes Modethema ausgerichtet sind, der wird allerdings vermutlich in den sauren Steuerapfel beißen müssen. Solche fokussierten Papiere vertragen selten eine längere Lagerung.

Depotstruktur überdenken
Aktien sind steuerlich wesentlich günstiger als Zinspapiere – und zwar egal, ob als direkte Anlage, in Fonds oder in Zertifikaten verpackt. Während kaum jemand Aktien wegen der – zu versteuernden – Dividende kauft, sondern auf Kursgewinne setzt, stammt der größte Ertrag bei Anleihen aus den Zinsen – die jenseits der Freigrenzen von 3.100 Mark für Ledige und 6.200 Mark für Verheiratete voll besteuert werden.

Die Frage lautet daher: Lässt sich der Aktienanteil im Depot steigern? Die Antwort sollte in erster Linie von der eigenen Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont abhängen. Je länger das Geld investiert wird, desto empfehlenswerter sind Aktien. Der steuerliche Aspekt sollte hierbei erst zweitrangig sein.

Anleihen mit Bedacht aussuchen
Zinspapiere sind, wie gesagt, steuerlich relativ ungünstig. Und wenn man bedenkt, dass die Zinsen ohnehin recht niedrig sind und die Inflation das Kapital anknabbert, bleibt unterm Strich nicht viel übrig. Trotzdem wäre es falsch, ganz auf Anleihen zu verzichten – sie bieten immerhin Sicherheit.

Es gibt mehrere Wege aus dem Dilemma: Anleger können Niedrig-Kupon- oder Null-Kupon-Anleihen, so genannte Zerobonds, kaufen. Diese Papiere werden niedrig bis gar nicht verzinst, aber zu einem Kurs unter 100 Prozent ausgegeben. Am Ende der Laufzeit werden sie zu 100 Prozent eingelöst. Der eingebaute Kursgewinn ist in der Regel steuerfrei.

Eine weitere Möglichkeit sind spezielle, steueroptimierte Renten- oder Geldmarktfonds, die von vielen Fondsgesellschaften angeboten werden. Sie funktionieren zum Teil auch über Niedrigkupon-Anlagen.

Komplizierter und für den Privatanleger nicht selbst nachzumachen sind Devisentermingeschäfte, bei denen Zinsen künstlich in steuerfreie Kursgewinne verwandelt werden. Wer einen solchen Fonds kauft, sollte sich die bisherige Wertentwicklung zeigen und die Anlagepolitik erklären lassen.

Lebensversicherungen nutzen
Die Erträge der Lebensversicherungen sind in der Regel steuerfrei. Dafür sind sie häufig recht niedrig, weil die Versicherer das Geld sehr konservativ anlegen. Zudem sind die Kosten der Police hoch. Niemand sollte daher allein aus steuerlichen Gründen eine Lebensversicherung abschließen. Aber wer einen Teil des Vermögens möglichst sicher anlegen möchte, ist mit einer Lebensversicherung steuerlich besser bedient als zum Beispiel mit einem Rentenfonds.

Unschlagbar ist die Kapitallebensversicherung, wenn der Anleger die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer absetzen kann. Bei den meisten Arbeitnehmern ist das nicht der Fall, wohl aber bei Selbstständigen – ein Steuerberater sollte prüfen, welcher Spielraum ausgeschöpft werden kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.09.2001