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Den richtigen Ton treffen

Klaus Peter Weinert
Mit dem Verleih moderner Konferenztechnik hat sich Professional Conference Systems (PCS) viele Freunde in Dolmetscher-Kreisen gemacht.
Hinter einer schmalen Toreinfahrt liegen die Büroräume und das Lager der PCS Professional Conference Systems GmbH, Düsseldorf. Noch vor drei Jahren genügte ein 50 Quadratmeter kleiner Raum, um Geräte und kaufmännische Unterlagen unterzubringen.Heute platzt die Firma aus allen Nähten obwohl ein zweites Lager voll belegt ist und ein weiteres zum Teil benutzt werden kann. Kabel, Mikrofone und Schaltpulte sind nicht in einfachen, offenen Kunststoffkisten verstaut, sondern in metallbeschlagenen Koffern. "Wenn wir auf Vorstandsebene arbeiten, muss nicht nur technisch alles stimmen, sondern es soll auch optisch gut aussehen", sagt Jörg Peschka, einer der Gründer und Mitglied der Geschäftsführung.

Die besten Jobs von allen

Guter Service hat wesentlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. "Wenn wir einen Auftrag bekommen, versuchen wir, auch zwischen den Zeilen zu lesen", meint Dirk Neumann, der andere Gründer und Geschäftsführer. So benötigte ein Kunde eine Mikrofonanlage für eine Veranstaltung. Dirk Neumann fragte, wie die Präsentation ablaufen sollte und erfuhr, dass sich ein Moderator auf der Bühne frei bewegen sollte, was eine andere Technik erforderte, als wenn er nur an einem Pult stehen würde.Seit der Gründung vor vier Jahren wird der einst fünfstellige Umsatz dieses Jahr auf deutlich über eine Million wachsen. Drei feste Mitarbeiter sind 1999 eingestellt worden. Neben den beiden Gründern hat das Unternehmen fünf Angestellte, einen weiteren Mitgesellschafter und 15 Honorarkräfte. Delegieren will gelernt sein, was einen Prozess erfordert, in dem sich Dirk Neumann und Jörg Peschka immer noch befinden, wie sie sagen. Angesichts von mittlerweile rund 700 Kunden ist Arbeitsteilung ein Muss. PCS versucht; technisch auf dem neuesten Stand zu sein. So wurden die modernsten Dolmetscherkabinen angeschafft, was dem Unternehmen einen guten Ruf bei Dolmetschern eingebracht hat, weil deren Arbeitsbedingungen dadurch angenehmer wurden. Aus eigener Kraft war die technische Aufrüstung nicht zu finanzieren.Von Beginn an wurden sechsstellige Beträge investiert, was mehrfach zu Ärger mit den Banken führte, die sich wenig für PCS interessierten. So legten die Gründer einer Bank Unterlagen vor in denen sie vorrechneten, dass sie über 400 Manntage pro Jahr arbeiteten, worauf ein Kreditgeber meinte, dass es pro Jahr nur 170 Arbeitstage gebe. Das Engagement der Banken stehe und falle mit dem Interesse und der Sachkunde der jeweiligen Kreditbearbeiter, meinen Dirk Neumann und Jörg Peschka. Deutlich zu spüren bekamen sie das, als bei ihrer Hausbank der Sachbearbeiter ausschied.Schon am nächsten Tag traten Probleme auf. Erst nachdem sie im vergangenen Jahr eine zweite Bank zusätzlich eingeschaltet hatten, lief es wieder besser. Auf Banken alleine haben sich Jörg Peschka und Dirk Neumann allerdings nie verlassen. Im Verwandten- und Bekanntenkreis fanden sie immer wieder Partner, die bereit waren, Kapital zuzuschießen. Dass es keinen richtigen privaten Geldmarkt für Gründer gebe, sieht Jörg Peschka als ein großes Hindernis, da, weder der Staat noch die Banken bereit seien, Risiken zu übernehmen. Für PCS zahlt es sich aus, dass die beiden Gründungsgeschäftsführer ein Jahr lang an ihrem Konzept gearbeitet haben. "Das war unsere Legoplatte, auf der wir Stein für Stein aufbauen konnten", sagt Dirk Neumann.Was sich seit jenen Anfängen in der täglichen Arbeit geändert habe, das sei das Tempo: Die Anfragen erforderten immer mehr Flexibilität. Projektionen von Powerpoint-Charts zum Beispiel waren ursprünglich nicht im Programm, wurden aber nachgefragt und daraufhin auch angeboten. Auf die Frage, ob sie ihre Firma nochmals gründen würden, antwortet Dirk Neumann nach kurzem Zögern: "Wenn man an die bürokratischen Mühlen, die Interesselosigkeit und die Inkompetenz mancher Kreditgeber denkt, dann war das schon ein bitteres Geschäft."
Dieser Artikel ist erschienen am 11.04.2000