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Delta, Mike, Bravo

Der imposante LTU-Airbus rollt gemächlich auf die Startbahn zu. Letzte Absprachen mit dem Tower, dann kommt die Bestätigung ?Ready for Take off?. Schon hebt die Maschine ab und nimmt Kurs auf Montreal. Konrad Pieper, Towerlotse im Düsseldorfer Flughafen, hat den Airbus bis zum Start begleitet.
Julia Troesser, 19: Traumjob Fluglotsin

Der imposante LTU-Airbus rollt gemächlich auf die Startbahn zu. Letzte Absprachen mit dem Tower, dann kommt die Bestätigung ?Ready for Take off?. Schon hebt die Maschine ab und nimmt Kurs auf Montreal. Konrad Pieper, Towerlotse im Düsseldorfer Flughafen, hat den Airbus bis zum Start begleitet und sieht nun zu, wie es langsam in den Wolken verschwindet

Wieder kommt eine neue Meldung per Funk. Pieper beantwortet den für mich akustisch und inhaltlich völlig unverständlichen Funkspruch ohne Zögern: ?Taxi straight ahead. Delta, Mike, Bravo and Mike again?. Während der erfahrene Fluglotse erneut einem Piloten den richtigen Weg weist, sehe ich mich im Tower um.
Ausbildung: Die Deutsche Flugsicherung bildet ihre Fluglosten je nach Bedarf selbst aus. Voraussetzung ist Abitur und das Bestehen eines komplexen Auswahltests.
[ www.dfs.de ]
Gehalt: Während der zwei- bis dreijährigen Ausbildung 690 bis 2.600 Euro/ Monat. Nach der Ausbildung zwischen 4.400 und 6.300 Euro/Monat plus Zulagen.
Chancen: Gut. Wer die Ausbildung schafft, bekommt einen unbefristeten Arbeitsvertrag angeboten.
Nur die Masse von Monitoren und die beeindruckende Aussicht über den ganzen Flughafen deckt sich mit dem Bild, das ich vom Arbeitsplatz eines Fluglotsen im Kopf habe

Die besten Jobs von allen


Von Hektik keine Spur, die Atmosphäre ist entspannt. Tagezeitungen liegen herum, in einer kleinen Küche werden Kaffee und Tee gekocht. Über den riesigen Fensterscheiben hängt eine Uhr, die 11:15 Uhr anzeigt. Komisch, auf meiner Uhr ist es schon viertel nach zwölf. ?Wir richten uns hier nach der Weltzeit, damit Piloten und Lotsen aus aller Welt die gleichen Angaben machen? sagt Pieper. Aha. Als ihm der Luftverkehr einen Moment Ruhe gönnt, erklärt er mir, was er auf seinem Monitor sieht

So langsam verstehe ich, dass die Kreuze Flughäfen sind und die Linien Luftstraßen, Start- und Landebahnen anzeigen. Die kleinen Punkte stehen für Flugzeuge, man kann ihre Richtung auf dem Bildschirm verfolgen. ?An dem Code erkenne ich, welcher Typ es ist und wohin es fliegt?, sagt der Lotse. Dafür, dass täglich das Leben Hunderter Piloten und Passagiere von ihm abhängig ist und der kleinste Fehler verheerende Folgen haben kann, wirkt Konrad Pieper ziemlich gelassen. Ob er oft über die große Verantwortung nachdenkt, die auf ihm lastet? ?Verantwortung gibt?s in jedem Beruf. Darüber darf man sich nicht zu viele Gedanken machen. Sonst wird man nervös und das kann man sich als Fluglotse nicht erlauben?, meint er nur

Seine Worte hängen mir noch nach, als ich den Tower bereits verlassen habe: Ich weiß nicht, ob ich immer so ruhig bleiben könnte. Aber reizen würde es mich schon, den Jet, der gerade in Düsseldorf startet, sicher auf seinen Weg nach New York zu bringen

Dieser Artikel ist erschienen am 05.09.2005