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Dell wechselt das Management aus und sucht neue Konzepte

Von Jens Eckhardt und Joachim Hofer
Firmengründer Michael Dell hat zuletzt fast die gesamte Führungsmannschaft des Konzerns ausgetauscht. Doch bisher können Analysten nur darüber rätseln, wie es strategisch weitergehen soll. Nähere Details erhoffen sie sich von der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag. Die Frage ist, ob sich Dells erfolgreiches Geschäftsmodell des Direktverkaufs und der superschlanken Produktion auf Bestellung überholt hat.
Die Entlassung von Kevin Rollins als Chief Executive Officer von Dell war nur der Anfang. Seit Firmengründer Michael Dell vor dreieinhalb Wochen an die Spitze des Computerkonzerns zurückgekehrt ist, hat er praktisch die gesamte Führung ausgewechselt. Wie es strategisch weiter geht, hat der 41-Jährige allerdings nicht verraten. Deshalb warten Investoren und Analysten gespannt auf diesen Donnerstag. Dann wird Michael Dell die Quartalszahlen vorlegen und womöglich Details einer Neuausrichtung bekannt geben.?Es ist noch völlig unklar, wie weitreichend die Änderungen ausfallen werden?, sagt Thomas Meyer vom Marktforscher IDC. Die Frage ist, ob sich Dells lange Jahre erfolgreiches Geschäftsmodell des Direktverkaufs und der superschlanken Produktion auf Bestellung überholt hat. Es wird auch darüber spekuliert, ob Dell wie Konkurrent Hewlett-Packard (HP) das Geschäft mit Privatkunden stärken wird und vielleicht sogar eigene Läden nach dem Vorbild des Konkurrenten Apple aufbaut.

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Dell hat zuletzt fast seine komplette Führungsmannschaft ausgetauscht. Neben Rollins mussten der Finanzchef, der Personalvorstand, der Marketingverantwortliche und der Einkaufschef gehen. Dafür hat sich Michael Dell ein hochkarätig besetztes frisches Team geholt.Als neuer Finanzchef kam Donald Carty, der ehemalige Boss von American Airlines. Michael Cannon tritt den neu geschaffenen Posten des so genannten President Global Operations an. Er ist weltweit zuständig für Fertigung, Einkauf und die Zulieferer. Cannon war vorher Chef der Solectron Corporation, eines Auftragsfertigers für elektronische Produkte. Dells prominentester Fang ist jedoch Ronald Garriques, bislang Chef der Handy-Sparte von Motorola. Garriques verjüngte das Produktangebot von Motorola, unter anderem mit dem äußerst erfolgreichen Razr-Handy. Sein Wechsel gilt als Zeichen dafür, dass der Computerhersteller künftig das Privatkundengeschäft forcieren will, in dem attraktives Design eine große Rolle spielt. Dieser Bereich, in dem HP 2006 besonders erfolgreich war, macht nur 15 Prozent des Dell-Umsatzes aus.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Firmengründer hatte offenbar jedes Vertrauen in das Management verloren.Der Umfang des Umbaus zeigt, dass der Firmengründer, der sich 2004 auf den Vorsitz im Verwaltungsrat zurückgezogen hatte, offenbar jedes Vertrauen in das Rollins-Management verloren hat. Der Beförderung von Rollins folgten 18 Monate stetigen Niedergangs und enttäuschender Ergebnisse. Im vergangenen Jahr musste Dell die Führung auf dem weltweiten PC-Markt an HP abgeben. Zudem ermittelt die US-Finanzaufsicht wegen einer womöglich fehlerhaften Bilanzierung. Doch das ist nicht alles: In einer Sammelklage gegen Dell heißt es, dass sich der Chiphersteller Intel seinen Exklusiv-Vertrag mit Dell bis zu eine Mrd. Dollar pro Jahr kosten ließ und Dell diese Beträge falsch bilanziert hat.Analysten sehen auch strategische Fehler. ?Der Trend in der Branche geht hin zu mehr Dienstleistungen und Software. Da sind Wettbewerber aber besser aufgestellt als Dell?, kritisiert IDC-Manager Meyer. Als Teil einer neuen Offensive sehen Experten die Möglichkeit, dass Dell neben dem Direktverkauf große Ketten beliefert. Der Konzern könnte auch in eigene Filialen investieren: In Dallas gibt es bereits einen ?Showroom?, zwei weitere sind geplant.Der einstige Börsenliebling, dessen Kurs 2006 um zeitweilig 50 Prozent abstürzte, verzeichnete bisher nur eine zurückhaltende Reaktion der Anleger auf den Wechsel an der Spitze. Analysten geben Michael Dell indessen Vorschusslorbeeren. Sowohl Standard & Poor?s Equity Research als auch Credit Suisse, JP Morgan und Bear Stearns bewerten die Aktie neuerdings als Kauf.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.02.2007