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Delisting

Michael Kübbeler
Aktien verschwinden nicht nur durch Verkäufe aus dem Depot, sondern können auch durch Veränderungen beim Unternehmen den großen Verschwindibus machen.
"Gehen Sie an die Börse, und stecken Sie Ihr Geld in Aktien. Dazu kaufen Sie sich in einer Apotheke eine große Dosis Schlaftabletten. Nach vier Jahren wachen Sie als reicher Mann auf." Börsenguru André Kostolany mag oft Recht gehabt haben. Wer aber, wie von ihm empfohlen, so gar kein Auge auf den Inhalt seines Depots hat, wird sich möglicherweise eines Tages verwundert die Augen reiben und feststellen: Ups, da fehlt doch was!

Denn Aktien verschwinden nicht nur durch Verkäufe aus dem Depot, sondern können auch durch Veränderungen beim Unternehmen den großen Verschwindibus machen.

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Zum Beispiel durch Delisting, der Einstellung der Aktiennotierung: Nach dem Neuemissionsboom befinden sich diverse Unternehmen wieder auf dem Rückzug vom Aktienparkett - manche freiwillig, manche weniger. Mit der Folge, dass ihre Papiere vom Kurszettel verschwinden. Solange für eine Aktie irgendwo ein Wert festgestellt wird - und sei es im Telefonhandel -, verschwindet sie nicht aus dem Wertpapierbestand. Gibt es für sie aber nirgendwo mehr einen Kurs, hinterlässt sie eine Lücke im Depot.

Ein Grund fürs Delisting kann das Ignorieren von Börsenvorschriften sein. So droht die Deutsche Börse einem Dutzend Neue-Markt-Buden mit Konsequenzen, weil sie ihre Jahresabschlüsse noch nicht eingereicht haben. Letzte Rettung für geschasste Kandidaten wäre die Aufnahme in weniger reglementierte Börsensegmente wie den Freiverkehr.

Auch im Rahmen einer Reprivatisierung ist Delisting üblich. Mehr und mehr kleinere Unternehmen verabschieden sich freiwillig, weil der Börsengang nicht den erwarteten Reichtum gebracht hat und die nötigen Informations- und Rechnungslegungsvorschriften zu viel Geld kosten. In der Regel unterbreitet das Unternehmen seinen Aktionären dann ein befristetes Rückkaufangebot.

Gravierender für den Anleger ist eine Streichung wegen Insolvenz. Ist ein Unternehmen pleite und es existiert keine Auffanglösung, werden die Aktien delistet. Die Papiere sind dann wertlos und fliegen irgendwann aus dem Depot - so geschehen bei Trion Technology im vergangenen Jahr. Ähnlich wird es den Aktionären von Gigabell gehen: Ende Februar wurde der Handel am Neuen Markt eingestellt - zunächst zwar nur, weil das insolvente Telekommunikationsunternehmen den Quartalsbericht nicht liefern konnte. Aber über kurz oder lang wird die Wertlosigkeit der Aktie auch einen weißen Fleck auf dem Depotauszug hinterlassen.

E-Mail: kuebbeler@internetventure.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001