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David Benkelberg

MBAT
Global Consulting Project
Renommierte Gastredner
Ein ganz normaler Tag
Oxbridge Career Fair
Vorstellung und Auswahl
MBAT

Das ganze Jahr über fällt immer wieder das gleiche Wort: MBAT. Alle reden darüber, und laut den Aussagen vieler Alumni, von allen möglichen Business Schools, ist MBAT schlicht DAS Highlight des Jahres. Für uns war es dann letzte Woche endlich auch soweit: Wir waren in Paris.

MBAT steht für MBA Tournament und ist sozusagen eine MBA Olympiade. Ca. 15 Business Schools treten dort in über 20 Sportarten gegeneinander an ? und feiern am Abend gemeinsam. Ausgerichtet wird MBAT seit 17 Jahren von HEC in Paris, und in der Regel kommen alle europäischen Top Schulen, darunter INSEAD, LBS, IMD, Oxford, IESE, ESADE, IE, RSM und natürlich Cambridge. Anreise war am Donnerstag und Rückreise am Sonntag, und dazwischen gab es viel Sport, viel Party und wenig Schlaf

Die besten Jobs von allen


Ein klein wenig komisch war es, wenn man sich vorstellt, dass die meisten der anwesenden Studenten in kürze Berater oder Investment Banker sind oder sonstige seriöse Positionen bekleiden werden. Heute noch auf dem Fußballplatz und morgen schon in der Beratung.

Auf jeden Fall war MBAT ein riesengroßer Spaß. Aus sportlicher Sicht war Cambridge nicht wirklich erfolgreich (sogar im Rudern hat es diesmal nur für den dritten Platz gereicht), aber trotzdem war es eine unglaubliche Erfahrung, gemeinsam mit den anderen Jungs auf dem Fußballplatz zu stehen und gegen Teams von IMD, INSEAD, HEC und Manchester anzutreten. Und obwohl sich alle Cambridge MBA Studenten untereinander eigentlich sehr gut kennen, war der MBAT Trip doch noch eine Erfahrung, die uns noch mehr zusammengeschweißt hat

Unser Volleyballteam hat es immerhin ins Finale geschafft und ist dann leider an LBS gescheitert. Aber mit dem zweiten Platz hätte vorher keiner gerechnet.

Alles in allem war MBAT eine tolle Erfahrung (und eine willkommene Abwechslung vom MBA-Alltag). Ich kann nur allen zukünftigen MBA Studenten empfehlen: mitmachen bei MBAT! Und wenn eure Schule nicht eingeladen ist, einfach mal bei HEC nachfragen. Diesmal war sogar eine Business School aus den USA mit dabei: NYU Global Consulting Project
Seit letzter Woche sind in Cambridge offiziell Osterferien. Es gibt momentan keine Vorlesungen und die undergraduates sind alles ausgeflogen. Dafür schwirren diese Woche umso mehr Touristen in Cambridge herum. Als MBA Studenten haben wir natürlich keine Ferien, denn das wäre reinste Zeitverschwendung. Anstatt dessen arbeiten wir alle in Gruppen an unserem ?Global Consulting Project?. Anders als während des Projektes im ersten Term durften wir uns diesmal unsere Gruppen selber aussuchen. Zusammen mit Leslie (Hongkong Kanadierin), Elle (Thailänderin) und meinem Freund Atsushi (Japan) arbeiten wir seit letztem Montag an einem Projekt für Qualcomm. Qualcomm ist in Europe erstaunlich unbekannt, denn mit einer Marktkapitalisierung von knapp ? 70m ist Qualcomm schon ein richtiger Brocken und einer der großen Player in der Mobilfunk Branche

Unser Projekt umfasst eine Markstudie des Mobilfunk Marktes wie er in fünf Jahren aussehen könnte. Reichlich visionär und, wenn man bedenkt, dass niemand in unserem Team einen Telecoms Hintergrund hat, ganz schön spannend. Mit Qualcomm haben wir aber auch wirklich Glück, denn die Unterstützung die wir bekommen ist wirklich beeindruckend. Unter anderen führen wir Interviews mit T-Mobile, 3, Virgin Mobile, Motorola, Google, Nokia, SonyEricsson sowie mit Analysten von Ovum, m:metric, CCSI, Strategy Analystics, Citigroup, und nicht zu vergessen mit GSMA

Das Projekt macht durchweg Spaß und ist dabei interessant und lehrreich. Was mich aber am meisten fasziniert ist, wie schnell man sich in eine (bis dato unbekannte) Industrie einarbeiten und hineindenken kann. Im großen und ganzen entspricht das der Arbeit eines Consultants. Die meisten Consultants haben zwar in der Regel Branchenkenntnisse, aber immer mal wieder muss man sich eben möglichst schnell neues Wissen aneignen und sich in unbekannte Bereiche einarbeiten. In unserem Fall bin ich von uns selber beeindruckt; wie viel wir innerhalb von einer Woche über die Mobilfunk Branche gelernt haben finde ich sehr faszinierend. Darüber hinaus ist mein Team aber auch einfach klasse. Wir verstehen uns prächtig und ergänzen uns gegenseitig hervorragend. Um am Ende aber doch noch ein kleines bisschen Ferien zu genießen werden mein Freund Atsushi und ich gemeinsam das Osterwochenende in Düsseldorf verbringen

Renommierte Gastredner
Jede Business School, die etwas auf sich hält versucht regelmäßig gute Gastredner zu bekommen und in Cambridge ist das nicht anders. Die letzten beiden Wochen waren gekrönt von drei hervorragenden Gastrednern, die mir zwar bis dato allesamt nicht bekannt waren, mich dafür aber umso mehr begeisterten

Den Anfang machte Lord Bilimoria, Gründer von Cobra Beer und Mitglied des House of Lords. Im Rahmen des Strategie Kurses hatten wir eine Fallstudie über Cobra Beer bearbeitet. Als wir dann den Fall im Unterricht besprachen, saß Lord Bilimoria unter uns, ohne dass wir davon wussten. Kurz vor Schluss stand er auf und stellte sich vor. Die Überraschung war entsprechend groß und die Faszination noch größer, als Lord Bilimoria vom Aufstieg Cobra Beers erzählte. Eine Fallstudie zu bearbeiten und dabei die Gelegenheit zu bekommen, mit dem CEO vor Ort zu diskutieren, hebt den Wert ungemein an

Am Donnerstagabend kam Mark Spelman, Head of European Strategy von Accenture in die Judge Business School. In der Regel bin ich etwas skeptisch, wenn Senior Manager von Firmen, die auch auf dem Campus rekrutieren, eine Rede halten. Nicht selten wirken solche Reden wie eine Verkaufsveranstaltung; die eigene Firma wird in höchsten Tönen gelobt und der eigentliche Inhalt der Rede kommt zu kurz. Zu unserer aller Überraschung aber hat Mark Spelman während seiner einstündigen Rede das Wort Accenture nicht ein einziges Mal benutzt. Er hat einfach nur eine Stunden lang vor dem Publikum gestanden und frei, ohne Notizen oder Powerpoint Folien, über die Weltwirtschaft und die neuen Märkte geredet. Hätten wir nicht gewusst, dass er von Accenture ist, seine Rede hätte es in keiner Weise verraten. Mark Spelman ist ein begnadeter Redner und seine Rede war mit Abstand die beste, beeindruckendste und lehrreichste des gesamten Jahres.

Den Abschluss der Woche gaben Sir Paul Judge und sein Freund Leonard Lauder, Chairman von Estee Lauder (und Sohn der Gründerin Estee Lauder). Leonard Lauders Rede war gespickt mit viel Humor und noch mehr Lebensweisheiten und deckte eine Vielfalt an Themen ab, unter anderen, wie man als CEO seine Mitarbeiter bei Laune hält. Leonard Lauder sagte, er habe eine Sekretärin, die nichts anderes macht als Dankeskarten und Briefe für Mitarbeiter zu schreiben. Da kann sich so mancher Chef mal eine Scheibe von abschneiden

Ein ganz normaler Tag

In den Career Guides, die wir von unserem Careers Team zur Verfügung gestellt bekommen, gibt es für die verschiedensten Jobs und Arbeitgeber immer eine Beschreibung, wie ein typischer Arbeitstag aussieht. Ich finde diese Beschreibungen immer sehr hilfreich, denn man bekommt einen Einblick, wie sich so ein Arbeitstag wirklich gestaltet. Oft hat man ja vorher nur vage Vorstellungen womit ein Berater oder Investment Banker die 10- oder 12-Stunden-Tage verbringt. Eine Beschreibung eines Tages von einem Berater bei MyKinsey oder einem Banker bei GoldmanSachs hilft einem doch sehr

Deshalb möchte ich an dieser Stelle hier in der gleichen Form einmal einen typischen Tag eines MBA Stundenten in Cambridge erläutern. Natürlich sind nicht alle Tage gleich, aber ein typischer, also nicht ungewöhnlicher Tag könnte in etwa so aussehen:

7:30 - Der Wecker klingelt. Aufstehen, duschen. Als Frühstück gibt es Instant Kaffee für den ich erst einmal über den Flur in die Küche rennen muss, denn der Wasserkocher in meinem Zimmer ist kaputt. Dazu gibt es Toast. Das Frühstück wird am Schreibtisch, beim Emails und Nachrichte lesen genossen.
8:30 - Ab nach draußen. Es regnet mal wieder. Cambridge ist zwar eigentlich überdurchschnittlich trocken für englische Verhältnisse, aber den einen oder anderen Schauer muss man erdulden. Also mit dem Fahrrad durch den Regen.
8:40 - Ankunft an der Business School. Ab in den MBA Gemeinschaftraum, schnell noch das Assignment ausdrucken.
8:50 - Assignment im MBA Office abgeben.
8:55 - Kaffee holen
9:00 - Vorlesung fängt an: Financial Management
10:30 - Pause. Kaffee holen mit den anderen Studenten plaudern.
11:00 - Vorlesung geht weiter.
12:30 - Mittagspause - eigentlich. Unsere Finance Gruppe hat sich verabredet um die nächste Case Study zu besprechen. Also schnell noch ein Sandwich kaufen und wieder ab in den MBA Gemeinschaftsraum
12:40 - Finance Meeting geht los. 2 Leute fehlen, aber zum warten ist keine Zeit. Ergebnisse besprechen, Aufgaben verteilen, nach ein paar Emails lesen. Zwischendurch irgendwie das Sandwich runterwürgen - ich hasse Sandwiches, besonders wenn sie eiskalt sind.
14:00 - Die nächste Vorlesung geht los: Innovation Management
15:30 - Pause. Noch ein Kaffee und plaudern
16:00 - Vorlesung geht weiter. Case Besprechung. Heute nicht so spannend. Ich habe ohnehin nicht geschafft den Case gründlich zu lesen (keine Zeit), daher geht der eine oder andere Punkt an mir vorbei, aber ich erblicke noch ein paar andere "leere" Gesichter.
17:30 - Ende der Vorlesung aber unsere Study Group trifft sich um den Strategy Case noch einmal durchzugehen, denn der muss morgen eingereicht werden.
19:00 - Wir haben alle Hunger und hören auf. Mir wurde die Aufgabe zuteil die finale Version zu erstellen. Zurück zum College.
19:15 - Am College angekommen, schnell noch in die Kantine. Die schließt um 19:30 aber noch gibt es Essen.
19:45 - die letzen Leute werden aus der Kantine geworfen.
20:00 - Im Zimmer. Emails lesen: 30 neue Mails. Löschen, löschen, löschen, aber es sind auch ein paar interessante dabei.
20:30 - Meine Frau ruft an. Ersehnte Ablenkung
21:00 - Nochmal schnell Spiegel Online und Handelsblatt Online lesen.
21:30 - Jetzt muss ich den Strategy Case fertig machen.
22:30 - Das muss jetzt reichen. Für 2 Pünktchen mehr lohnt sich der Aufwand nicht. Letzte Version per Email an die Gruppe.
22:40 - Eigentlich müsste ich jetzt noch drei Paper lesen und dazu 2 Kapitel in den Büchern. Schaffe ich heute nicht mehr alles, also muss ich mich entscheiden, was ich lese. International Business klingt interessant, also lese ich erst mal das.
23:30 - Meine Konzentration lässt nach. Lieber gucke ich noch eine Folge Simpsons auf DVD.
23:55 - Zähneputen, Schlafen. Gute Nacht

Oxbridge Career Fair

Ein großer Vorteil von Top Business Schools, der mir jedoch anfänglich gar nicht so bewusst war, ist das Careers Team, das einem bei der Jobsuche unter die Arme greift. Das fängt bei persönlicher Beratung an, beinhaltet auch Hilfe beim fine Tuning vom Lebenslauf, dem schreiben von Anschreiben und reicht bis zum Training von Bewerbungsgesprächen, also eine ganze Palette von Dienstleistung die schon einiges Wert sind

Dazu kommt dann noch, dass die Careers Teams jede Menge Events veranstalten, so z.B. regelmäßig Firmen auf den Campus kommen und sich vorstellen. In Cambridge kommt in der Regel jede Woche eine Firma vorbei, in den letzten Wochen waren das unter anderen Firmen wie A.T. Kearney, Cisco, Citigroup (Citibank), Johnson & Johnson, etc

Das Highlight des Jahres ist aber die Oxbridge Careers Fair die von der Judge Business School Cambridge und der Said Business School Oxford in Kooperation ausgetragen wird, und abwechselnd in Oxford und in Cambridge stattfindet. Gestern war es wieder soweit, und dieses Jahr war der Event in Cambridge. D.h. es kamen jede Menge MBA Studenten aus Oxford so wie über 20 Firmen und alle trafen sich in der Judge Business School in Cambridge

Überwiegend waren dort Consulting Firmen vertreten, unter anderen Accenture, Cap Gemini, KPMG, Deloite und Roland Berger. Andere bekannte Namen waren Johnson & Johnson (die dann auch heute direkt Interview geführt haben), Fidelity Investment und Amazon

Für mich persönlich waren nicht sonderlich viele interessante Firmen dabei aber ein paar Gespräche hier und da gab es doch, sowie ein Interview mit Roland Berger. Viel spannender aber fand ich den Kontakt mit den Oxford Studenten, mit denen wir am Abend gemeinsam ein paar Bier trinken gegangen sind

Erst waren wir im "Anchor", dann aber auf Drängen der Oxford Bande in den "Eagle". Man sagt ja Oxford und Cambridge eigentlich nach, dass sie sich nicht unbedingt gegenseitig mit Nächstenliebe überschütten. Gestern war davon jedoch nichts zu merken. Das Verhältnis Oxford/Cambridge war überaus locker und entspannt. Und ein paar interessante Kontakte wurden geknüpf, aus denen sich bestimmt auch die eine oder andere Freundschaft entwickeln wird

Jetzt warten wir in Cambridge erst einmal auf die Einladung aus Oxford

Hallo, ich bin David. Nice to meet you. Vielleicht sollte ich mich noch ein wenig vorstellen:

Mein voller Name ist David Benkelberg. Ich bin 31 ursprünglich aus Deutschland, aber mit dem Herzen immer schon auf Reisen gewesen. Im Moment lebe ich in England. Ich sollte jetzt wohl auch kurz erklären, was mich dazu bewogen hat, mich für ein Jahr auf die verregnete Insel zu begeben, getrennt von meiner Frau in einem minimalistischen Zimmer zu hausen, und mich überwiegend von kalten Sandwiches zu ernähren. Bevor ich dazu komme, vorher noch eine kleine Rückblende

Aufgewachsen bin ich in Deutschland, in einem kleinen Ort am Niederrhein der so klein ist, dass ihn kaum jemand kennt. Als Kind war das toll, aber irgendwann wuchsen die Ansprüche und ich wollte die Welt entdecken. Das Resultat war dann ein Highschool Aufenthalt in den USA (Kirkland), ein Studium im den Niederlanden (Arnhem), Praktikum in London, ein Auslandssemester in Australien (Adelaide) und direkt im Anschluss der Job bei einem führenden internationalen Konsumgüterhersteller mit Perspektive im Ausland zu arbeiten

Dort habe ich sieben Jahre in der IT gearbeitet. Jetzt sollte ich noch dazu sagen, dass ich zwar einen Hang zur Technik habe, aber eigentlich nie wirklich tief in die Technik einsteigen sollte. Obwohl ich weder irgendetwas technisches studiert hatte, noch mein Jobtitel (Projektmanager) nach IT klang, hat sich mein Job immer weiter Richtung Technik entwickelt und obwohl ich es einerseits genoss, war es nicht das, was ich wirklich wollte. Und ehe ich mich versah, haftete mir schon das Image des Techies an und davon hatte ich, offen gesagt, irgendwann die Nase voll - eine Veränderung musste her und die Idee des MBA flammte auf

Mit dem Gedanken einen MBA zu machen hatte ich schön öfters einmal gespielt, aber so richtig überzeugt war ich nie. Zu viele Zweifel standen im Raum. Wie ist dass aus dem Berufsleben auszusteigen, Student sein, kein Geld zu verdienen? Was ist mit meiner Frau? Wie finanziert man das? Und was bringt das überhaupt, bzw. lohnt sich das? Und überhaupt, bin ich nicht zu alt? Aber wie das nun einmal manchmal so ist, der Gedanke hatte sich festgesetzt, lies mich nicht mehr los und aus einer eher wirren Idee wurden immer konkretere Pläne. Zwischendurch wurde ich auch mal übermütig und wollte gleich komplett auswandern doch meine Frau hat mich dann in die Realität zurückgeholt

Meine Motivation für den MBA ist ein Karrierewechsel, weg von der Technik, zumindest was die Funktion angeht. Und wenn ich ehrlich bin, der Gedanke noch einmal für ein Jahr Student zu sein hatte auch seinen Reiz :-) Ob ich am Ende vielleicht doch in der IT bleibe, zum Consultant oder gar Investment Banker werde, dazu hatte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Ein kleines bisschen wollte ich mich vom MBA auch inspirieren lassen

Die große Frage nur: wo mache ich den MBA. Um mir überhaupt einmal einen Überblick zu verschaffen, wer denn so die großen Player sind habe ich mir die bekannten Rankings angeschaut: Financial Times, Economist, Business Week, Handelsblatt - die üblichen Verdächtigen eben. Und dann Habe ich schön der Reihe nach alle Websites der Top Schulen abgeklappert. Harvard, Wharton, Stanford, INSEAD, LBS, etc. Zuerst brauchte ich einmal eine grobe Orientierung und schnell wurde klar, zu alt bin ich nicht. Das passt. Als nächstes stand die Wahl zwischen 12 Monaten und 24 Monaten im Raum. 24 Monate war mir einfach zu lang, zum einen weil ich ohnehin schon ein Studium in International Business hinter mir habe, und weil mit die Kosten für 24 Monate zu hoch waren und das beinhaltet sowohl die Fees, wie auch Lebensunterhalt und opportunity costs.

Die Entscheidung für 12 Monate war schnell gefallen, was die Liste der potentiellen Schulen schon stark gekürzt hatte und alle US Schulen waren damit schon mal aus dem Rennen. Meine weitere Entscheidungsfindung mag jetzt für den einen oder anderen skurril klingen, denn meine Kriterien waren wohl nicht die, die man erwarten würde. Zuerst kamen die Fristen. Wenn ich mich "jetzt" bewerbe, wo kann ich dann überhaupt möglichst bald anfangen? Viele Schulen haben Bewerbungsfristen die sehr früh enden und für mich hätte das ein Jahr länger warten bedeutet. Außerdem hatte ich einfach mal pauschal über alle Programme geurteilt, und zwar so:

  • IMD - zu altmodisch
  • INSEAD - zu ordinär (weil es einfach für alle automatisch die erste Wahl ist, war es für mich zu langweilig; ich wollte etwas ausgefalleneres)
  • LBS - zu teuer (und zu lang) und außerdem in London - da war ich schon und das war mir zu hektisch da
  • IESE - Barcelona klingt zuviel nach Spaß!!!
  • Rotterdam - in den Niederlanden war ich schon für mein Hauptstudium
  • Oxford -hm, das klingt aber interessant
  • Cambridge -hm, das kling aber AUCH interessant

    Und damit war meine Entscheidung so gut wie gefallen. Oxford oder Cambridge sollten es sein. 12 Monate, finanzierbar, etwas exklusives, kleine Programme und die Bewerbungsfristen waren auch OK

    Der Rest ergab sich dann: GMAT Test, Bewerbungen, Einladung zum Bewerbungsgespräch, Zusage. Cambridge war einfach einen Tick schneller als Oxford und weil es mir in Cambridge auch noch super gut gefallen hatte, war die Sache klar: Cambridge (ich gebe zu, das Stipendium, was mir angeboten wurde hat meine Wahl auch nicht unbedingt negativ beeinflusst)

    Alles in allem, meine Wahl für Cambridge war wohl eher von der pragmatischen Sorte. Rankings spielten zwar bei der groben Vorauswahl eine Rolle (es sollte auf jeden Fall schon eine Schule von Rang sein), aber die letztendliche Wahl fiel dann doch aufgrund anderer Kriterien. Nach Oxford wäre ich wahrscheinlich auch gegangen, wenn die ein wenig schneller gewesen wären, d.h. ich war, was diese beiden Schulen angeht, unvoreingenommen. Ob Oxford die bessere Wahl gewesen wäre, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich kann aber sagen, dass mir Cambridge bisher sehr gut gefällt, und bereut habe ich meine Wahl bisher nicht. Zu klären wäre da noch die Frage der Finanzierung. 26.000 Englische Pfund an Gebühren, dazu noch College Fees von 2.000 Pfund. Dazu noch Lebensunterhalt und die grobe Rechnung liegt dann bei rund 40.000 Pfund oder 60.000 Euro. Hoppalla.

    Ein wenig Geld hatte ich über die Jahre gespart, ein kleines Stipendium gab es von der Judge Business School und für den Rest musste ich die Bank bemühen. Da mir die Deutschen Banken in solchen Angelegenheit zu bürokratisch sind hab ich das mit HSBC in Cambridge vor Ort geklärt. Die Kehrseite der Medaille hieß dann aber, dass (mal wieder aus pragmatischen Gründen) meine Frau in Deutschland bleibt und weiter Geld verdient. So kann ich hier kostengünstig in einem kleinen Collegezimmer wohnen, während meine Frau sich in Deutschland mit ihrem Gehalt einen Lenz macht - naja, nicht ganz aber zumindest grob war das die Idee. Alles in allem ist es in unserem Falle günstiger, dass meine Frau weiterhin Arbeitet und Geld verdient, und ich zweimal im Monat nach Deutschland fliege. Wenn ich Berater werden will muss ich mich ohnehin daran gewöhnen meine Frau nur am Wochenende zu sehen

    Mittlerweile kann ich sagen, dass im Cambridge MBA dieses Jahr erstaunlich viele Leute eine Familie haben. Die einen habe die Familie mitgebracht, aber ein paar andere, so wie ich, nicht. So gibt es z.B. auch einen Portugiesen, einen Japaner und einen Chinesen, die ihre Frauen eben auch nur per Webcam zu sehen bekommen. Man kann eben nicht alles haben. Jedenfalls bin ich jetzt hier, und es gibt viel zu berichten?

  • Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2007