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Datenbank der bösen Buben

Von Sven Scheffler
Schwarzgeld ist bei Banken nicht mehr beliebt. Das ruft David Leppan auf den Plan. Seine Software ?World Check? macht Jagd auf Ganoven. Sogar das Netzwerk eines kolumbianischen Drogenbarons konnte mit Leppans Hilfe schon aufgedeckt werden.
Auch über Ex-Postchef Klaus Zumwinkel dürften jetzt Informationen bei World Check zu finden sein. Foto: ap
Ein großes Drama entfaltet sich. Spätestens seit Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel von der Bochumer Staatsanwaltschaft ins Visier genommen wurde, suchen internationale Finanzinstitute nach Lösungen. Denn gerade für Banken ist die Enttarnung von Steuersündern oder Geldwäschern unangenehm.Aber vor allem geht es den Banken um ihren Ruf und darum, mögliche Skandale und die damit verbundene Image-Beschädigung auszuschließen. Deshalb sind auf Schweizer Konten bereits mehrere Milliarden Dollar von Politikern eingefroren, etwa von dem nigerianischen Ex- Machthaber Sani Abacha.

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Geldwäscher, Terroristen oder Steuersünder will David Leppan, 34, aufdecken. Der Südafrikaner betreibt in London die Datenbank World-Check. Mit ihr können Bankinstitute per Internet die Vertrauenswürdigkeit ihrer Kunden beurteilen ? etwa die des kolumbianischen Drogenbarons Carlos Mario Jimenez Naranjo, dessen finanzielles Netzwerk Anfang Februar mit Hilfe von World-Check entschlüsselt worden ist. Naranjo sitzt gegenwärtig in Haft; seine Auslieferung in die USA steht kurz bevor.Die kriminelle Energie, die eingesetzt wird, um schwarze Gelder zu waschen, wächst. Da eröffnen nicht nur Kinder von Schwarzgeld-Inhabern die Konten, sondern auch entfernte Verwandte und Freunde, die einen anderen Namen tragen und deshalb nicht in Verbindung mit umstrittenen Personen gebracht werden.Die Initiative zur Gründung von World-Check ging von einer Schweizer Bank aus. ?Besorgt über drohende Imageschäden, hatte das Institut den Wunsch, seine Kunden leichter identifizieren zu können?, sagt Leppan.In World-Check sind mehr als 750 000 Personenprofile abrufbar, jeden Monat kommen weitere hinzu. Die Datenbank enthält Informationen über Terroristen, Waffen- und Drogenhändler, aber auch herausragende Personen des öffentlichen Lebens ? Politiker, Funktionäre, Rechtsanwälte. ?Geldwäsche wird in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu stark mit organisierter Kriminalität verbunden?, sagt Leppan. ?Viel öfter nutzen Steuersünder die Instrumente der Geldwäsche.? Die aktuellen Steuerrazzien etwa, die Zumwinkel zum Rücktritt zwangen, gehörten dazu.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Quellen Leppan anzapftNach dem Prinzip ?Kenne die Kunden deiner Kunden? vernetzt eine raffinierte Software namens Autonomy diese Daten zu neuen Zusammenhängen: Plötzlich erkennt man Verbindungen zwischen Personen, die zuvor nicht auf den ersten Blick ersichtlich waren.Anders als etwa Google sucht das Programm nicht nur vorgegebene Begriffe, sondern erfasst auch inhaltliche Zusammenhänge. So können Bankangestellte zum Beispiel den Namen von Personen eingeben und erhalten Dokumente, in denen diese nicht genannt werden ? weil die Software einen Bezug zwischen dem Inhalt und den gesuchten Personen feststellt. Wird etwa nach den Begriffen ?US-Präsident? und ?Zigarre? gefahndet, erscheinen Dokumente über Bill Clinton ebenfalls in der Trefferliste.Strohmänner müssen sich also in Acht nehmen: Plötzlich werden sie unfreiwillig im Dickicht von vielen Hunderttausend Informationsbruchstücken sichtbar. Meistens eröffnen Anwälte, Freunde und Geschäftspartner neue Konten für Personen, die versteckt Schwarzgeld parken wollen. Bisher mussten Geldinstitute in solchen Fällen der Aufmerksamkeit ihrer Angestellten vertrauen ? und das ging oft schief.?Nun können Banken auf Hinweise zugreifen, von denen sie vorher nicht wussten, dass sie wichtig sein könnten?, sagt World-Check-Betreiber Leppan. Dabei zapft die Fahndungssoftware ausschließlich öffentlich verfügbare Quellen an: Zeitungsartikel zum Beispiel, dazu Web- Sites von Interpol, des US-Geheimdienstes CIA und der Uno. Leppan: ?Wir haben keinen Zugang zu Geheimarchiven oder den Daten von Steuerbehörden. Die von uns gesammelten Informationen sind im Prinzip für jedermann zugänglich.? Trotzdem wird World-Check von der britischen Datenschutz-Behörde streng beaufsichtigt, und der Zutritt zur Web-Site der Datenbank ist registrierten Nutzern vorbehalten. Zu groß scheint die Gefahr, die Software oder die gesammelten Daten könnten missbraucht werden. Namen seiner Kunden nennt Leppan keine ? sein Geschäft heißt Diskretion. Die Jahresabonnements lassen sich die Banken zwischen 7000 und 250 000 Dollar kosten. Dafür sammeln die Software-Agenten der Datenbank täglich so viele neue Informationen, dass sie auf Papier gedruckt und gestapelt den 157 Meter hohen Kölner Dom überragen würden. Wollte Klaus Zumwinkel heute ein weiteres Konto im Ausland eröffnen ? das Wissen um seinen schlechten Leumund wäre nur einen Mausklick entfernt.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.02.2008