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Das Zeug zur Kultfigur

Von Christoph Hardt
Elizabeth Corley managt das Europa-Geschäft der Allianz-Vermögensverwaltung ? mit Erfolg. Trotz Finanzkrise hat Allianz Global Investors in Europa Marktanteile gewonnen. In diesem Jahr werden nicht nur die Wachstumszíele erreicht, beim operativen Geschäft werden die Vorgaben des Konzerns noch übertroffen. Nebenher schreibt Elizabeth Corley Krimis.
MÜNCHEN. Als der Name Günther Netzer fällt, muss die elegante Frau für einen Moment passen: Netzer, der Schütze des legendären zwei zu eins für Mönchengladbach gegen Köln im deutschen Fußball-Pokalfinale 1973? Dellings Sparringspartner? Der Mann, der jahrelang den grünen Schal der Dresdner Bank-Fondstochter Dit trug und nun, mit blauem Umhang, für die Allianz Global Investors (AGI) wirbt? "Ich habe ihn noch nicht kennengelernt", sagt Elizabeth Corley.Die Frau im klassischen Kostüm und mit Perlenkette, sie hat es nicht so mit deutschen Fußballern. Corley ist 51, kommt aus Sussex, lebt in London und schreibt in ihrer Freizeit am liebsten Kriminalromane. Vor allem aber ist sie seit April 2005 Europa-Chefin der Firma, für die Netzer in Deutschland den Schal trägt.

Die besten Jobs von allen

Dass die Textilie der deutschen Fußballlegende jetzt blau ist, findet sie völlig normal. Die traditionsreiche Dit heiße jetzt eben auch wie die Allianz, und dann solle sie auch so aussehen. "Wir sind eine Firma mit einem Erscheinungsbild", sagt sie. Dabei wissen Corley wie Netzer, dass die Allianz GI alles andere als ein ganz gewöhnliches Unternehmen ist. Allianz Global Investors gehört mit mehr als 1,3 Bill. Euro Assets weltweit zu den fünf größten aktiven Vermögensverwaltern der Welt.4 600 Mitarbeiter arbeiten für den Vermögensverwalter überall auf dem Globus und sind dabei für weitgehend selbstständig agierende, spezialisierte Investmentgesellschaften tätig. Darunter finden sich die US-Fixed-Income-Spezialisten von Pimco, die traditionsreichen Aktienstrategen von Nicholas Applegate oder die amerikanisch-britische Fondsgesellschaft RCM. Diese Vielfalt der Investmentstile im Europa-Vertrieb an die Banken, Asset-Manager und Finanzberater-Organisationen zu verkaufen, das gehört zu den großen Aufgaben von Corley. Im Moment fällt ihr das relativ leicht. Schließlich hat das, was unter dem Namen Subprime-Krise traurige Berühmtheit erlangt hat, ihrer Firma vergleichsweise wenig zugesetzt. "Wir waren einer der wenigen, die gewarnt hatten vor dem, was da auf uns zukommt".Tatsächlich haben die Allianz, AGI und mit ihr Pimco schon vor Monaten vor der Immobilienblase in den USA gewarnt und für sich die richtigen Schlüsse gezogen. Mit seiner Vorsicht hat sich Pimco -Chef Bill Gross, der von vielen als Investmentlegende bezeichnet wird, zwischenzeitlich eine vergleichsweise schwache Performance eingefahren; dazu hagelte es Kritik in der Presse.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die "Investment-Kultur".Doch seit dem Sommer sind Pimco und damit auch die Allianz Global Investors wieder obenauf. "Wir haben in der Krise Marktanteile gewonnen", sagt Corley. Auch deshalb erreiche AGI in diesem Jahr nicht nur die Wachstumsziele, beim operativen Gewinn übertreffe man sogar die Vorgaben des Konzerns, prophezeit sie.Corley begründet das gute Abschneiden mit der "Investment-Kultur". "Wir verstehen uns als internationale Boutique für Kapitalanlagen", sagt sie. Boutique, das Wort ist in Investmentkreisen ebenso beliebt wie schwammig, als würde man sich um die Frage herumdrücken, was denn jetzt der Kern der Veranstaltung sei. Corley hält das bewusst in der Schwebe. "Die Holding sorgt für die Einhaltung unserer drei vorrangigsten Ziele: Beste Investmentperformance, strikte Kostendisziplin und hohe Kundenzufriedenheit."Es ist, als habe Michael Diekmann gesprochen, der Chef der Allianz. Jedenfalls hat Corley, mögen die Stars von Allianz Global Investors auch in Kalifornien sitzen, auch in ihrem guten alten Europa allerhand zu bieten. Getreu Diekmanns Vorgabe, auch konzernintern von den Besten zu lernen, hat die Fondstochter RCM das deutsche Produkt Allianz -dit Bric Stars, das in Aktien der großen Schwellenländer investiert, an die Anforderungen des britischen Markts angepasst. Und damit einen bemerkenswerten Erfolg erzielt. "Wir haben in diesem Marktsegment in Großbritannien jetzt einen Marktanteil von 64 Prozent beim Neugeschäft", sagt Corley mit einer Portion Stolz.Vor zwei Jahren, als sie zur Allianz ging, hätten einige ihrer Freunde noch gestaunt: "Ein deutscher Versicherer, wie kannst Du das tun". Das habe sich inzwischen erledigt, sagt sie. Viele hatten die Britin unterschätzt und zunächst nur als weibliches Aushängeschild betrachtet. In der Männerwirtschaft des Allianzvorstands jedenfalls fällt sie aus der Reihe. Allerdings ist Allianz GI die wohl vielfältigste Einheit innerhalb des Allianz -Konzerns: im Executive-Committee sitzt mit Marna Whittington eine weitere Frau - als Chief Operating Officer.Mögen ihre Kollegen Fitnesstraining, Golf oder Fliegenfischen bevorzugen, Corley schreibt. Eigentlich redet sie gar nicht gern über das, was sie als ihr "Hobby" bezeichnet. Angefangen hat das alles, als sie ihrer kleinen Tochter selbst erfundene Geschichten erzählte. Während des Studiums hat sie Kurse im kreativen Schreiben besucht, dann kam eine Aufführung von Verdis Requiem in der Saint Paul?s Cathedral. "Als die Sopranistin zu ihrem furiosen Libera me ansetzte, da fragte ich mich, was wäre, wenn sie jetzt ermordet würde".Auch so können Karrieren beginnen; Corley hat in ihrer Heimat bereits vier Krimis veröffentlicht, die auch in deutscher Übersetzung erschienen sind, so der Fall mit dem Schönen Titel "Nachruf auf eine Rose". Ihr Kommissar Fenwick, schreibt die Kritik, habe das Zeug zur Kultfigur. Sie wird auch das getrost abwarten, Fenwicks fünfter Fall ist in der Planung, und die Zahlen ihres Unternehmens erneut rekordverdächtig.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.01.2008