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Das Wunderkind ist pleite

Er galt einst als "Bill Gates" der deutschen Wirtschaft: Lars Windhorst. Als Minderjähriger gründete er sein erstes Unternehmen, danach baute er einen internationalen Konzern auf. Jetzt muss der 27-Jährige für seine letzen drei Unternehmen Insolvenz anmelden.
HB BERLIN. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigte einen entsprechenden Bericht des ?Westfalen-Blatts" aus Bielefeld. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen das einstige ?Wunderkind? wegen Betrugs in Millionenhöhe. Dabei geht es um ein Darlehen, das Windhorst nicht zurückgezahlt haben soll.Der heute 27-Jährige hatte in den 90er Jahren für Aufsehen gesorgt. Mit 16 Jahren gründete er seine erste Firma, ein Unternehmen für Computerzubehör aus Fernost. Daraus wurde schnell ein verzweigter Konzern mit einem Umsatz von umgerechnet rund 90 Mill. Euro. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nahm Windhorst in seiner Delegation ins Ausland mit. ?Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn?, sagte Kohl damals.

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In den vergangenen Jahren geriet Windhorst jedoch mehr und mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Bereits im Mai 2003 legte er als Privatmann einen Offenbarungseid ab. Bei den jetzt insolventen Firmen handelt es sich nach Angaben einer Justizsprecherin um die Windhorst AG, die Windhorst Electronics GmbH (zuletzt: AEMA Trading GmbH) sowie die Windhorst Capital Holding GmbH. Alle Firmen haben ihren Sitz in Berlin. Insgesamt soll Windhorst mehr als 60 Mill. Euro Schulden gemacht haben.Während für die Electronics GmbH das Insolvenzverfahren bereits eröffnet wurde, steht die AG zur Sicherung vorhandener Forderungen unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Die Bankkonten der AG seien beschlagnahmt und die geschäftigen Aktivitäten unter Überwachung gestellt, so das ?Westfalen-Blatt?. Nach Angaben der Justizsprecherin ist über den Insolvenzvertrag der Capital Holding GmbH noch nicht entschieden.Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht es darum, ob Windhorst ein Darlehen des Klinikunternehmers Ulrich Marseille über zehn Millionen Euro von Beginn an nicht vereinbarungsgemäß zurückzahlen wollte. Die Ermittlungen laufen bereits seit mehreren Monaten. Zum Stand wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht näher äußern.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.08.2004