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Das wird gezahlt: Im Mittelstand

Britta Domke
Foto: Lars Langemeier
"Wir zahlen fix, sonst nix? – dieses alte Vergütungsmotto ist bei dem Remscheider Traditionsunternehmen Edscha passé. 2.000 Mitarbeiter hat der 1870 gegründete Automobilzulieferer in Deutschland. Sie alle sollen mit variablen Leistungszulagen und Belegschaftsaktien auf Trab gebracht werden.
Das Vergütungspaket von Christina Kaulhausen:
Das ist fix: rund 82.000 Mark brutto im Jahr (ab März 2001)
Das ist variabel: 3.220 Mark Leistungszulage (im Jahr 2000)
Das gibt?s dazu: Vermögenswirksame Leistungen, vergünstigte Belegschaftsaktien

"Wir zahlen fix, sonst nix? – dieses alte Vergütungsmotto ist bei dem Remscheider Traditionsunternehmen Edscha passé. 2.000 Mitarbeiter hat der 1870 gegründete Automobilzulieferer in Deutschland. Sie alle sollen mit variablen Leistungszulagen und Belegschaftsaktien auf Trab gebracht werden. Auch deshalb kann Christina Kaulhausen mit dem Bild vom verstaubten Mittelstand wenig anfangen.

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Die Geisteswissenschaftlerin mit Abschluss in Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Marketing ist eine Exotin unter lauter Technikern und Kaufleuten: Zusammen mit ihrer Chefin organisiert sie die Unternehmenskommunikation. Trotzdem gilt für sie wie für alle anderen Angestellten bei Edscha der Tarif der IG Metall. Und der beschert Christina Kaulhausen ab 1. März 2001 ein Fixgehalt von 82.000 Mark im Jahr. Das sind 20.000 Mark mehr als bei ihrem Einstieg vor zwei Jahren. Seitdem gab es für die 27-Jährige drei Gehaltserhöhungen. ?Da ist noch Platz nach oben?, meint sie. ?Aber im Moment bin ich zufrieden.?

Einmal im Jahr kommt die Stunde der Wahrheit: Wer hat sich ganz besonders ins Zeug gelegt, wer soll wie für seinen Einsatz belohnt werden? Das Unternehmen zahlt variable Leistungszulagen, wie im Tarif festgeschrieben. Wenn die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter bewerten, dann fließen Faktoren wie Motivation, selbstständiges Arbeiten, Fachwissen und Arbeitsqualität mit ein. Reich wird mit den Zulagen aber keiner: Acht Prozent des Tarifgehalts sind in Nordrhein-Westfalen bestenfalls drin. Für Christina Kaulhausen sprang im vergangenen Jahr rund ein halbes Monatsgehalt heraus: ?Bei mir war das ein Plus von 5,2 Prozent auf das Tarifgehalt, also 3.220 Mark aufs Jahr gerechnet.?

Dass ihr Einstieg ausgerechnet in den März 1999 fiel, traf sich für die Absolventin gut: ?Ich hatte das Glück, in dem Monat anzufangen, als Edscha an die Börse ging. Damals wurden Belegschaftsaktien ausgegeben?, erinnert sie sich. Für maximal 1.200 Mark durften Mitarbeiter die Unternehmensaktien zum Preis von 10,40 Euro kaufen – bei einem Ausgabekurs von 13 Euro. Auch Christina Kaulhausen griff damals zu. Heute ist eine Aktie 15 Euro wert.

So zieht mit Aktien und Personalentwicklungsgesprächen ein Hauch von New Economy durch das alt eingesessene Unternehmen. Auch bei der Arbeitszeit, die Christina Kaulhausen dank Gleitzeit flexibel gestaltet. Und weil sie 40 Stunden pro Woche arbeitet statt die tariflichen 35 Stunden, bekommt sie am Monatsende einen Gehaltszuschlag.

Doch die Bezahlung ist für die Kommunikationsexpertin nicht alles. Viel wichtiger findet sie, dass Edscha in ihre berufliche Zukunft investiert. Dazu gehören Schulungen in Persönlichkeitsentwicklung und Powerpoint ebenso wie Spanisch-Unterricht.

Christina Kaulhausen, 27, Referentin für Unternehmenskommunikation beim Remscheider Autozulieferer Edscha

E-Mail: ckaulhausen@edscha.com

Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2001