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Das Überfall-Kommando

Katja Stricker
Foto: Bob Heinemann
Überraaaaaschung! Wenn Sie ohne Termin im Unternehmen aufkreuzen, lernen Sie mit ein bisschen Glück Ihren künftigen Chef kennen.
"Hallo, ich wollte mich mal kurz vorstellen." Bewerber, die "einfach so" mit ihrer Mappe unterm Arm vorbeispazieren, zeigen Mut, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen. Eigenschaften, die bei Personalern gut ankommen. Dennoch ist der Überraschungsbesuch keine Strategie für jedermann. "Wer sich spontan bis zum Personalchef durchkämpfen will, sollte selbstbewusst und charmant sein, und wissen, dass er sympathisch rüberkommt", sagt Andrea Erdmann, Personalberaterin aus Bergheim bei Köln

Auch eine gehörige Portion Überredungskunst gehört dazu, denn schließlich versuchen Pförtner und Sekretärinnen, unangemeldete Besucher abzuwimmeln. Um so beeindruckender, wenn der Bewerber es trotzdem schafft

Die besten Jobs von allen


"Besonders für einen Job im Marketing, bei den Medien oder im Vertrieb kann so ein Auftritt ein echter Türöffner sein", weiß Beraterin Erdmann. Gute Chancen auf Erfolg hat die Hallo-da-bin-ich-Methode auch bei kleinen Unternehmen wie Kanzleien, Architektur- und Ingenieurbüros oder in Familienbetrieben, wo der Chef alles selbst entscheidet. Auch Studenten auf der Suche nach einem Praktikum oder Ferienjob sollten auf den persönlichen Auftritt setzen. Wer dagegen als Controller oder Finanzfachmann arbeiten will, sollte die Finger von der Überfall-Methode lassen. In Konzernen werden allzu dynamische Bewerber eher auf Granit beißen. Denn dort kommt man ohne Code und Personalkarte gar nicht ins Haus, geschweige denn zum Personalchef

Wichtig: Der unangemeldete Besuch muss gut vorbereitet sein. Denn der erste Eindruck zählt. Daher unbedingt auf die richtige Kleidung achten, wie bei einem offiziellen Vorstellungsgespräch. Und sich von einer Abfuhr nicht nervös machen lassen. "Bleiben Sie höflich, auch wenn man versucht, Sie abzuwimmeln. Denn damit müssen Sie rechnen", rät Erdmann. Hat niemand Zeit, sollte der Bewerber die Unterlagen da lassen, Name und Telefonnummer des zuständigen Personalers erfragen und einige Tage später telefonisch nachhören

Gute Alternative zum Spontan-Besuch im Büro: bei Jobmessen, Kongressen oder nach Vorträgen auf die Recruiting-Leute der Unternehmen zugehen. Das kommt quer durch alle Branchen gut an. "Ich finde es klasse, wenn mich ein interessanter und gut vorbereiteter Bewerber direkt anspricht", erzählt Inka Wittmann, Personalchefin der Werbeagentur Jung von Matt. "Landet später seine Bewerbung auf meinem Tisch, verbinde ich damit gleich ein Gesicht und das vorangegangene Gespräch - und das kann natürlich ein Bonus sein."
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2003