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Das trifft sich gut

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Eine Jobmesse kann aufregend sein - vor allem beim ersten Mal. Der größte Anfängerfehler: unvorbereitet ins Messeabenteuer stolpern. Wie Sie für Personaler mehr als ein Gesicht in der Masse werden, weiß Bewerbungsberater Gerhard Winkler.
Nichts ist leichter, als sich für den Besuch einer Jobmesse zu entscheiden: Sie kommen für kleines Geld oder umsonst rein. Die Veranstaltung findet meist in Ihrer Umgebung statt (falls nicht, eröffnet sich Ihnen die nette Möglichkeit einer Kurzreise). Sie treffen an einem Tag jede Menge interessanter Gesprächspartner - mehr, als ein Angestellter dies in Jahren schafft. Und nicht zuletzt: Sie tun was für Ihre Karriere

Weil das alles so einfach ist, stolpern Studenten und Absolventen immer wieder blauäugig in die Messehallen: "Ich lass mich mal überraschen, welche Jobs es so gibt." Wer mit dieser Einstellung kommt, geht garantiert mit der Erkenntnis: "Hat irgendwie nichts gebracht."
Karriereforen sind Trainingsrunden, Bewährungsproben, Kontaktbörsen und Einstiegsorte. Mindestens einmal sollten Sie im Hauptstudium eine große, zentrale Veranstaltung besucht haben, bevor es ernst wird. Unter einer Voraussetzung: Gehen Sie dort niemals unvorbereitet hin.

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So bereiten Sie sich vor
Sobald Sie sich angemeldet haben, sollten Sie Ihre Lieblings-unternehmen auf dem Ausstellerplan suchen und einen Rundweg skizzieren. Ohne Gedächtnisstütze gehen sonst im Messetrubel wichtige Vorhaben unter. Falls Firmen dies ermöglichen, buchen Sie vorab Gesprächstermine, so dass ein Zeitplan Ihren Tag strukturiert. Lassen Sie aber auch Luft für spontane Begegnungen

Recherchieren Sie im Internet alle Infos zu den Unternehmen, die Sie interessieren. Ihr Wissen vor einem Gespräch umfasst, was die Firma über sich selbst und was die Wirtschaftspresse über die Firma sagt. Noch besser, Sie hören mit, was die Branche flüstert. Entscheiden Sie vor dem Messebesuch, was Sie konkret in welcher Funktion leisten können und wohin Sie sich entwickeln wollen. Sensibilisieren Sie sich dafür, Vorschläge, Signale und Bedarfsbekundungen nicht zu überhören. Üben Sie Ihre Geschichte ein: Was genau haben Sie bei wem gelernt? Was haben Sie für wen geleistet? Was wollen Sie konkret tun? Wo möchten Sie landen?

Dann bringen Sie Ihren tabellarischen Lebenslauf in Form. Entwerfen Sie zusätzlich ein einseitiges, auf keinen bestimmten Adressaten bezogenes Anschreiben über Ihre Jobbefähigung: kein chronologischer Abriss, sondern ein Auffächern Ihrer Lernleistungen, von Arbeitserfahrungen, Kenntnissen und praktischen Fähigkeiten. Stellen Sie komplette Mappen mit Lebenslauf, Zeugniskopien, Arbeitsproben, Publikationslisten, Empfehlungsschreiben zusammen. Halten Sie auch die Kurzvariante aus Lebenslauf plus Visitenkarte vor. Kalkulieren Sie den morgendlichen Ansturm und eine Wartezeit an Ticketschalter und Garderobe ein. Kommen Sie früh, wenn Sie einen frühen Termin haben. Am besten machen Sie 50 Minuten vor Feierabend noch einmal die Runde - dort, wo mittags kein Durchkommen war, hat man jetzt vielleicht Zeit für Sie.

So verhalten Sie sich auf der Messe
Als Vorposten und erste Ansprechpartner stehen am Stand smarte Mitarbeiter bereit, die nur wenige Jahre älter sind als Sie. Fragen Sie nach deren Job, Aufgaben und Erfahrungen. Wenn Sie nur erste Schnupperbesuche machen wollen, dann erklären Sie nicht: "Ich suche keinen Job." Sagen Sie: "Ich bin noch im Hauptstudium, möchte aber schon wissen, wo es später langgeht." Soll das Gespräch zielstrebig auf eine feste Stelle zusteuern, sind HR-Senioren und Vertreter der Fachabteilungen die richtigen Ansprechpartner. Sie halten sich meist im Standesinneren auf.

Die Tischgespräche finden im Hintergrund, aber nicht vor Beobachterblicken abgeschirmt, statt. Jeder kann zuschauen, wie nett man Absolventen behandelt. Verfolgen Sie eine Weile das Gesprächsverhalten. Studieren Sie das Terrain, die Aufstellung, die Spieler. Notieren Sie, was man trägt (meist ein Lächeln). Worin man steckt (wie ist der Unternehmens-Dresscode?). Wie lange sich ein Personaler Zeit nimmt (kaum mehr als in der Arztpraxis).

Bringen Sie Ihre Rolle und Ihr Gesprächsverhalten in Übereinstimmung. Lächeln Sie. Drucksen Sie nicht herum. Schauen Sie Ihre Gesprächspartner an. Nehmen Sie beim Reden die Hände aus dem Gesicht. Unterdrücken Sie Marotten wie rhythmisches Beinewippen, Schaukeln und Nägelkauen. Sprechen Sie laut, klar und auch als Kurpfälzer dialektfrei. Seien Sie begeisterungsfähig. Konzentrieren Sie sich darauf zu erfahren, wen man braucht, und zu vermitteln, wozu Sie taugen

Wenn man Ihren Lebenslauf mustert, fragen Sie nach, ob und was Sie an Ihrer schriftlichen Präsentation noch verbessern könnten. Sie treffen auf Experten der beruflichen Selbstvermarktung. Sobald Ihnen jemand zulächelt, lächeln Sie zurück und sprechen die Person an. Falls keiner Sie bemerkt, gehen Sie von sich aus auf einen Standmitarbeiter zu. Egal auf wen. Die sind alle darauf geeicht, Ihre Exzellenz zu erkennen und Sie weiterzuleiten

Apropos Fragen - hier sind ein paar nützliche: "An welchen Qualifikationen und Kompetenzen ist Ihnen besonders gelegen?" - "Was meinen Sie, wie ich bis zum Examen meine Jobchancen noch verbessern kann?" - "Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei Ihnen genau ab?" - "Wie kann ich bis zum Abschluss meines Studiums mit Ihnen in Kontakt bleiben?" - "Planen Sie in nächster Zukunft Get-togethers oder Info-Veranstaltungen?"- "Wer in Ihrer Fachabteilung könnte sich für meine Spezialgebiete interessieren?

So bleiben Sie in Erinnerung
Sammeln Sie Visitenkarten und machen Sie nach wichtigen Gesprächen in einer stillen Ecke Notizen. Sofern Ihr Gesprächspartner keine Karte mehr hat, halten Sie Name, Position, E-Mail und Durchwahl fest. Sammeln Sie die Werbegeschenke und Prospekte erst am Abend in einer separaten Abschiedstour ein. Für die meisten Besucher ist die Messe damit abgehakt. Nicht für Sie: Machen Sie sich unvergesslich, indem Sie jedem Ihrer Gesprächspartner binnen 24 Stunden eine Dankeschön-Mail schicken. Wenn Sie später Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen einsenden, wird man sich an Sie erinnern. Wetten?

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite jova-nova.com. Was sich Personaler wünschen

"Stellen Sie uns offene Fragen"
Die Entscheidung, ob jemand zu uns passt, treffen wir in den ersten fünf, maximal zehn Minuten. Deshalb ist der persönliche Auftritt auf einer Jobmesse so wichtig. Leider fällt manchen Bewerbern der Kontakt zu uns nicht so leicht. Viele schauen sich an der Jobwand erst mal die Stellenanzeigen an. Eigentlich sollten sie sich dann von den Anzeigen lösen und uns fragen: "Ich habe da eine Stellenausschreibung gesehen, mit wem kann ich darüber sprechen?" Stattdessen trödeln einige ziellos am Stand herum. Dabei tragen wir bewusst ein Namensschild, um den Kontakt zu erleichtern.

Mit einem nicht zu festen, nicht zu leichten Händedruck kann ein Bewerber gleich Sympathiepunkte machen. Dann sollte er sich vorstellen und kurz und sachlich beschreiben, was er mit uns besprechen möchte. Mein Tipp: Stellen Sie offene Fragen, auf die wir nicht nur mit Ja oder Nein antworten können. Ein guter Einstieg könnte so aussehen: "Guten Tag, Frau Böttcher, mein Name ist Carola Schmidt. Ich interessiere mich für das Traineeprogramm Quantitative Finance. Können Sie mir dazu mehr erzählen?" Der erste Kontakt ist auch deshalb wichtig, weil wir die so genannten weichen Faktoren in einem Feedbackbogen bewerten. Da müssen Auftreten, Kommunikation, Auffassung und Zielstrebigkeit einfach stimmen

Eva-Miriam Böttcher, Leiterin Personalmarketing, WestLB

"Manche zeigen mehr Interesse an Geschenken als an uns"
Es kommt darauf an, in welcher Phase ihres Studiums die Kandidaten zu uns kommen: Bei den jüngeren Semestern ist es völlig in Ordnung, wenn sie noch relativ unbedarft an unseren Messestand treten und sich generell über Jobperspektiven informieren möchten. Dann ist auch ein Satz wie "Ich studiere Elektrotechnik, weiß aber noch nicht, welchen Schwerpunkt ich wählen soll" völlig in Ordnung. Anders sieht es bei Studenten kurz vor dem Abschluss und bei Absolventen aus. Von denen erwarten wir, dass sie wissen, was sie wollen, und über die Marktsituation in der Branche informiert sind. Sehr schön finde ich es, wenn sich jemand bei seiner Bewerbung auf eine Messe bezieht, auf der wir ins Gespräch gekommen sind. War es eine richtig interessante Unterhaltung, dann kann ich mich an manchen Kandidaten sogar noch erinnern. Beim Verhalten am Stand hapert es leider bei einigen Bewerbern: Es hinterlässt nicht den besten Eindruck, wenn jemand mehr Interesse an den Werbegeschenken zeigt als an Linde. Während unserer Gespräche auf der Messe füllen wir für jeden einen Notizbogen aus. Den legen wir den Bewerbungsunterlagen bei, die wir von den Leuten erhalten. Erfahrungsgemäß sind etwa zehn Prozent Top-Kandidaten, weitere 30 Prozent kommen in die engere Auswahl.

Sabine Braun, Personalreferentin Hochschulmarketing, Linde

"Die Bewerber könnten kritischer sein"
Wenn Bewerber besser vorbereitet wären, könnten wir die wertvolle Zeit auf der Jobmesse besser nutzen. Das ist aber leider selten. Auf dem letzten Absolventenkongress wurde ich bestimmt 100 Mal sehr allgemein gefragt: "Welche Angebote hat Eon denn für Hochschulabsolventen?" Ich muss dann allgemeine Infos geben, statt mit den Leuten individuell ins Gespräch zu kommen. So bleiben mir meist nur Bewerber im Gedächtnis, die besonders gut informiert waren und Fachfragen zu konkreten Jobangeboten stellen konnten. Dabei ist es doch so einfach, sich über das Unternehmen zu erkundigen: Zum Beispiel, indem man an der Jobwand schaut, welche Stellen wir ausgeschrieben haben. Oder indem man unsere Internet-Terminals nutzt. Ich wünsche mir Bewerber, die sich in der kurzen Zeit möglichst gut verkaufen können. Dabei sollten sie aber bitte auf dem Boden bleiben: Fragen nach einer Vorstandsassistenz führen bei uns eher zu Heiterkeit. Das heißt aber nicht, dass wir weichgespülte Bewerber wollen. Im Gegenteil: Ich finde es fast schade, dass die Kandidaten oft so lieb sind. Da kommt nie eine kritische Frage zum Thema Energie. Dabei hätte ich gar nichts dagegen - das zeigt wenigstens, dass sich jemand mit der Branche auseinander gesetzt hat. Wenn Kritik gut gemacht ist, kann sie sogar ein Pluspunkt sein.

Frank Gieth, Referent Management Development, Eon

"Fachdiskussionen machen Spaß"
Gute Vorbereitung ist das A und O auf jeder Jobmesse. Wer an unseren Stand kommt, sollte wissen, was für ein Unternehmen Bayer ist, welche Produkte wir herstellen und welche Fachrichtungen wir suchen. Die meisten Bewerber haben sich bereits auf unseren Internetseiten schlau gemacht. Aber ich bin auch schon gefragt worden: Welche Möglichkeiten habe ich denn bei der BASF? So was ist natürlich nicht gerade ein Volltreffer. Aber gut - in der Aufregung kann das schon mal passieren. Viel wichtiger ist mir, dass die Kandidaten fachlich und menschlich zu uns passen. Die ersten Sätze sind immer schwierig. Da kommen gerne so Formulierungen wie: "Ich hab mal 'ne Frage ...", "Wie sieht's denn aus mit dem Stellenmarkt bei Bayer?" oder "Ich habe BWL studiert. Besteht die Möglichkeit, in Ihrem Unternehmen ...?" Das ist nicht besonders geschickt. Von Vorteil ist es, wenn die Leute genau wissen, wo sie beruflich hin wollen und zielgerichtet Fragen stellen, etwa so: "Ich habe in Ihrem Internet-portal zwei Stellenausschreibungen für Chemiker in der organischen und anorganischen Chemie gesehen. Gibt es solche Möglichkeiten bei Ihnen auch im Marketing, stellen Sie dort produktspezifisch Fachleute ein?" Mit solchen Bewerbern komme ich schnell in eine richtige Fachdiskussion, die beiden Seiten Spaß macht

Dr. Georg Hartmann, Leiter Sourcing & Hiring, Bayer

"Bitte kein Standardprogramm"
Was wir uns von Bewerbern wünschen, ist sehr einfach zu erfüllen: Natürlich und authentisch sollen sie auftreten und uns individuelle Fragen zum Unternehmen und zu den Jobs stellen. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In letzter Zeit fallen uns zunehmend Bewerber auf - oft solche, die von Business Schools kommen -, die offenbar alle das gleiche Training durchlaufen haben. Sie kommen zum Stand und spulen ihr Standardprogramm ab: Fester Händedruck, Vorstellung mit den immer gleichen Worten, und zum Schluss der Satz: "Ich möchte bei Ihnen ins Management." Das zeigt schon, dass sie sehr unrealistische Vorstellungen über den Jobeinstieg bei uns haben. Ein Direkteinstieg ins Management ist allgemein unüblich, außerdem suchen wir vor allem Naturwissenschaftler. Auf Jobmessen nehmen wir nur vollständige Bewerbungsmappen an: mit Lebenslauf, Zeugnissen und am besten einem individuell zugeschnittenen Anschreiben. Die Nachfolgerin für meine vorige Stelle im Unternehmen habe ich 2005 direkt auf dem Absolventenkongress rekrutiert: Sie war top-vorbereitet, erfüllte alle gesuchten Qualifikationen und war so flexibel, dass sie auch noch am Ball geblieben ist, als wir ihren Gesprächstermin zum dritten Mal verschieben mussten. Eine Traum-Bewerberin!

Katinka Heppekausen, Leiterin Recruitment und Marketing, Sanofi-Aventis

"Wir möchten nicht Teil eines Gießkannenverfahrens sein"
Die meisten Studenten unterschätzen den ersten Eindruck, den sie bei uns hinterlassen. Offenbar denken sie: Hier im Messegewühl kann sich hinterher sowieso niemand an mich erinnern. Das stimmt nicht. Wir machen uns Notizen zu jedem, mit dem wir sprechen. Gerade mal zehn Prozent bereiten sich akribisch auf den Besuch bei uns vor, haben unseren Internetauftritt studiert und wissen genau, in welchem Bereich sie arbeiten möchten. Die Leute fallen uns positiv auf und deren Namen notieren wir uns. Auf der Messe nehmen wir keine Bewerbungsunterlagen entgegen, weil wir nicht Teil eines Gießkannenverfahrens sein wollen.
Oft bringen die Leute 30 Mappen auf die Messe mit und geben an jedem Stand eine ab. Das möchten wir nicht. Wir wünschen uns eine ganz gezielte Bewerbung mit einem personalisierten Anschreiben. Darin kann zum Beispiel stehen, was dem Bewerber am Unternehmen gefällt und warum er ausgerechnet zu uns möchte. Am schlimmsten finde ich, wenn jemand seinen Lebenslauf herunterbetet und dann fragt: Was können Sie mir bieten? Bei der großen Anzahl der Absolventen müsste die Frage wohl eher andersherum gestellt werden. Die wirklich guten Kandidaten fragen so etwas erst gar nicht

Stefanie Saga, Projektleiterin Personalmarketing, Peek & Cloppenburg

"In Erinnerung zu bleiben - das ist die Kür"
Wenn ein interessanter Kandidat zu mir an den Stand kommt, frage ich ihn immer: Haben Sie Ihre Unterlagen dabei? Für uns ist es eine große Hilfe, wenn wir eine komplette Bewerbungsmappe bekommen: kurzes Anschreiben, Lebenslauf und gerne auch schon die Zeugnisse. Das geht natürlich nicht, wenn die Absolventen wahllos 20 Unternehmen ansteuern. Deshalb empfehle ich, sich schon vor der Jobmesse zu überlegen, auf welche Unternehmen das eigene Profil passt und welche man als potenziellen Arbeitgeber interessant findet. Auf diese sollte man sich gründlich vorbereiten. Idealerweise haben Absolventen ihr Anschreiben auch schon passgenau auf diese Arbeitgeber zugeschnitten.
Daran erkenne ich: Dem ist es ernst mit seiner Bewerbung. Für solche Kandidaten nehme ich mir auch gerne ein bisschen mehr Zeit. Ein ausführliches Gespräch am Stand kann durchaus schon den ersten Recruiting-Schritt - das telefonische Interview - ersetzen. Auch dabei habe ich gerne eine Bewerbungsmappe vor mir liegen. Manche Kandidaten rufen uns im Vorfeld der Messe an und bitten schon mal um einen Gesprächstermin am Stand. Einen angemessenen Weg finden, um in Erinnerung zu bleiben - das ist die Kür beim Bewerben. Denn es geht generell darum, sich aus der Masse abzuheben.

Simone Spacke, Leiterin Personalmarketing, Accenture

"Ich erwarte den Helikopterblick"
Mich hat auf einer Jobmesse tatsächlich mal ein Bewerber gefragt: "Was macht eigentlich die Deutsche Bank?" Das war sicher ein Extremfall, aber ganz oft hören wir auch Fragen wie: "Ich studiere XY, was können Sie mir denn anbieten?" oder "Bieten Sie Praktika oder andere Formen des Einstiegs an?" Natürlich bieten wir solche Möglichkeiten, unzählige sogar. Hier erwarte ich mir von Bewerbern schon, dass sie sich bereits informiert und eine Art Helikopterblick über die Deutsche Bank erarbeitet haben. Es ist doch viel spannender, wenn wir dann gleich tiefer ins Gespräch einsteigen können. Gut finde ich zum Beispiel einen Gesprächsbeginn wie diesen: "Ich interessiere mich für den Einstieg im XY-Bereich.
Ich habe darüber schon einiges auf Ihrer Webseite gelesen, aber ich hätte da noch ein paar Detailfragen." Bewerbungsunterlagen nehmen wir am Messestand nicht entgegen, sondern weisen auf unser Online-Bewerbungssystem hin. Aber wir bieten an, über den Lebenslauf zu schauen, ob er formal in Ordnung ist. Ich habe immer ein Büchlein dabei, in dem ich mir Namen und Kontaktdaten notiere. Um uns Personalverantwortlichen im Gedächtnis zu bleiben, sollten Bewerber ganz gezielte Fragen stellen, so dass wir merken: Da interessiert sich jemand ernsthaft für uns

Anne Tilmann, Teamleiterin Graduate Recruitment, Deutsche Bank

"Sauber ist nicht zu viel verlangt"
Airbus ist auf einer Vielzahl von Absolventenmessen und Universitätsveranstaltungen vertreten. Neben einer guten Vorbereitung erwarten wir dort auch eine angemessene Erscheinung. Was wir da in punkto Kleidung erleben, gleicht oft einem ziemlich bunten Blumenstrauß. Offenbar kommen manche Studenten direkt aus dem Hörsaal oder aus dem Beach-club auf die Firmenkontaktmesse - und so sehen einige auch aus. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der in abgerissenen Hosen und mit einer Bierdose in der Hand an unseren Stand kam. Andere tragen abgeschnittene Bundeswehrhosen und einen Bundeswehrrucksack, die Damen gerne auch mal bauchfreie Tops. Wir sind zwar keine Bank und erwarten weder Anzug noch Kostüm, noch nicht einmal ein Sakko. Aber wir erwarten zumindest saubere und heile Kleidung. Ein gebügeltes Hemd und eine ordentliche Hose reichen da schon aus.
Oft habe ich den Eindruck, dass Studenten plan- und ziellos über die Messe schlendern. Man erkennt sie schon an den üblichen Standardfragen und der fehlenden Recherche. So sollte man sich eben auch erkundigen, welche Profile ein Unternehmen sucht. Bei uns sind das überwiegend Ingenieure oder Ausbildungen mit technischem Hintergrund - das sollte einem BWL-Studenten bewusst sein

Maike Zapf, Personalreferentin, Airbus

Dieser Artikel ist erschienen am 02.01.2007