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Das Stehaufmännchen aus dem Silicon Valley

Von Axel Postinett
Steve Jobs gilt als das wohl schillerndste Stehaufmännchen der Computergeschichte. Sein Karrieretief in den 90er-Jahren hat der Apple-Gründer erfolgreich überwunden. Heute ist er wieder ganz oben und hält nun als größter Einzelaktionär von Walt Disney einen triumphalen Einzug in Hollywood.
DÜSSELDORF. Der ?One-Dollar-Man? hat ein sehr gutes Gedächtnis. Vor allem für Kränkungen. Vor acht Jahren hatte Michael Dell auf einer Analystentagung eher nebenbei gesagt, er würde Steve Jobs empfehlen ?den Laden? ? also Apple ? ?dicht zu machen?. Als Apple vor wenigen Tagen im Börsenwert erstmals Dell übertrumpfte, kam prompt die Retourkutsche. Ganz so toll sei es um die Prognosefähigkeiten von Dell ja nun auch nicht mehr bestellt, ließ Jobs seine Mitarbeiter per E-Mail wissen.Vor acht Jahren war Jobs gerade erst zu Apple zurückgekehrt und hatte wenig später für einen symbolischen Dollar Gehalt wieder die Führung des schwer angeschlagenen Computerbauers übernommen. Apple hatte Jobs zusammen mit seiner abgehalfterten Neugründung ?Next? mehr oder weniger freiwillig wieder übernommen; den Next-Vorstand hatte Jobs mit den Worten verabschiedet: ?jeder hier im Raum kann gehen ? außer mir?, wie Alan Deutschmann in seinem Buch ?Das unglaubliche Comeback des Steve Jobs? kolportiert.

Die besten Jobs von allen

Tatsächlich ist Jobs das wohl schillerndste Stehaufmännchen der Computergeschichte. Nach dem Tiefpunkt mit Next ist er heute wieder ganz oben, sein Musikplayer iPod eine Legende, und ein Rekordergebnis jagt das nächste. Jetzt hat Jobs noch das geschafft, was Bill Gates, erfolgreichster Widersacher aus alten Tagen im Silicon Valley, bislang verwehrt blieb: Als größter Einzelaktionär von Walt Disney hält er nach dem Verkauf des Computerfilm-Studios Pixar jetzt triumphalen Einzug in Hollywood.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Jobs wusste, dass Disney ohne Pixar schweren Zeiten entgegensehen würde.Jobs hatte im Kampf der Egos erst am Sturz des Disney-Königs Michael Eisner mitgewirkt (?Ich arbeitet nur mit Disney, wenn Eisner weg ist?) und dann mit dessen Nachfolger Robert Iger hart gepokert. Er wusste, dass Disney ohne Pixar schweren Zeiten entgegensehen würde.Ironie des Schicksals: Pixar war eher eine Zufallsinvestition aus besseren Tagen. Sie wurde zum richtigen Zeitpunkt reif, der Börsengang spülte Geld in die Kassen und ermöglichte sein neues Engagement bei Apple. Der Rest der Aktien hievt ihn nun in einen Chefsessel in Hollywood. Ob Jobs aber oft bei den rauschenden Oscar-Nächten oder in den Nobel-Restaurants in Beverly Hills auftauchen wird, ist fraglich. Denn neben dem Choleriker der alten Zeit, der Mitarbeiter schon für Nichtigkeiten feuerte, gibt es den neuen Steve, der erst kürzlich den Krebs besiegt hat.Ruhig, fast bedächtig tritt er heute bei Presseterminen auf, sagt Sätze wie ?Es gibt Wichtigeres im Leben, als Bedienungsanleitungen für High-Tech-Spielzeug zu lesen? und verschwindet lieber durch die Hintertür, als sich dem Blitzlichgewitter zu stellen. Nur bei der Jugend fühlt er sich so richtig wohl. Studienabgängern der Stanford Universität rät er als Erfolgsrezept: ?Bleibt hungrig, bleibt töricht.? Und das nimmt man dem ewigen Querdenker auch ab.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.01.2006