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Das neue Gesicht von Loewe

Joachim Hofer
Frieder Löhrer führt jetzt die Luxusmarke aus Kronach. Er treibt beim Fernsehgerätehersteller vor allem das Auslandsgeschäft voran. Er muss damit klarkommen, dass ihn sein Vorgänger Rainer Hecker als Aufsichtsratschef kontrolliert.
Rainer Hecker führte Loewe 18 Jahre lang. Foto: dpa
MÜNCHEN. Was denn die größte Schwäche von Loewe sei, will ein Reporter vom neuen Vorstandschef Frieder Löhrer wissen. Eine Fangfrage, sitzt doch mit Rainer Hecker jener Mann direkt neben Löhrer, der den fränkischen TV-Gerätehersteller 18 Jahre lang geführt hat. Doch der gebürtige Aachener zieht sich beim Pressegespräch vor der gestrigen Hauptversammlung geschickt aus der Affäre: Der schwerwiegendste Fehler der Nobelmarke sei, dass sie noch so viel ungenutztes Potenzial habe.Eine diplomatische Antwort, die ein Lächeln über Heckers Gesicht huschen lässt. Dass Löhrer seinen Vorgänger nicht kritisieren würde, war klar. Denn der Ex-Chef der Möbelmarke Rolf Benz wird auch in Zukunft an dem 64-jährigen Elsässer nicht vorbeikommen: Hecker hat mit Ablauf der Hauptversammlung den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. In das Kontrollgremium ziehe er nicht nur ein, weil er das Unternehmen wie seine Westentasche kenne, sagt Hecker: "Ich wechsle als einer der größten Gesellschafter." Er und seine Familie halten knapp 14 Prozent der Aktien. Seinen Nachfolger lobt Hecker in den höchsten Tönen: "Er hat Erfahrung in der strategischen Markenführung und im internationalen Geschäft."

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Ein Strategieschwenk ist nicht zu erwarten. "Ich stehe für Kontinuität. Zum eingeschlagenen Weg gibt es keine Alternativen", sagte der 52-jährige Löhrer. Für einen Kurswechsel gibt es momentan keinen Grund. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um zehn Prozent auf 90 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um knapp ein Drittel auf 6,3 Millionen Euro. Ganz anders dagegen der Rivale Bang & Olufsen. Dort brach der Vorsteuergewinn zu Jahresbeginn um 78 Prozent auf 3,5 Millionen Euro ein. Im Januar musste bereits der Vorstandschef abtreten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er spielt zahlreiche Musikinstrumente Mit solchen Problemen muss sich Löhrer, der in Aachen Maschinenbau studierte, nicht herumschlagen. Der Musikliebhaber, er selbst spielt zahlreiche Instrumente, verspricht den Aktionären eine höhere Rendite. Vergangenes Jahr ist die Ebit-Marge bereits von 3,9 Prozent auf 5,7 Prozent geklettert - doch Löhrer hält auch sieben Prozent und mehr für möglich.Wie viel Zeit er dafür braucht? Löhrer plant langfristig und ist dafür bereit, seinen Wohnsitz in München aufzugeben und sich in der Nähe des Loewe-Hauptquartiers in Oberfranken niederzulassen. "Ich werde mit der Familie im Sommer 2009 nach Kronach ziehen," sagte der verheiratete Vater von vier Kindern. An der Kreisstadt im Norden Bayerns schätzt er vor allem die Bodenständigkeit und die Kompetenz der Mitarbeiter.Auf die weite Welt muss er trotzdem nicht verzichten: Ganz oben auf seiner Agenda steht das Ausland. So soll der Umsatzanteil aus dem Export von 50 auf 60 Prozent steigen.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.06.2008