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Das Multitalent Ingenieur

Dominik Schöneberg
Was sind die Aufgaben eines Produktmanagers? Was muss ein Konstrukteur können? Das Wichtigste zu den Berufsprofilen kurz und knapp.
Forschung und Entwicklung
Konstruktion
Einkauf
Produktion
Montage/Inbetriebnahme
Produktmanagement
Qualitätsmanagement
Logistik
Vertrieb
Forschung und Entwicklung

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E) sind der Innovationsmotor in den Unternehmen. Sie entscheiden in Zusammenarbeit mit den Marketingabteilungen, welche neuen Produkte entwickelt werden sollen. Dabei muss auch immer die Marktsituation berücksichtigt werden ? ohne Käufer hat schließlich nicht einmal das beste Produkt Erfolg. Je nach Fachrichtung können F&Eler unterschiedliche Bauteile eines neuen Produktes entwickeln: Während der Mikroelektroniker Mikrochips für die Steuerung entwickelt, sucht der Werkstofftechniker nach geeigneten Materialien. In manchen Unternehmen sind Forschungs- und Entwicklungsabteilung getrennt, in den meisten bilden sie aber eine Einheit. Forscher bearbeiten grundlegende Probleme und erproben ihre Lösungen in Experimenten. Danach machen sie Vorschläge, wie ihre Forschungsergebnisse für Produkte oder Dienstleistungen genutzt werden können. Entwicklungsingenieure verarbeiten die Ergebnisse ihrer Forscherkollegen zu Produkten und stellen zum Beispiel Prototypen her: Dabei müssen sie eine Lösung finden, die nicht nur funktioniert, sondern außerdem noch günstig und umweltschonend ist. Die Entwickler dürfen dabei aber nie die Bedürfnisse der Kunden aus den Augen verlieren. Da die Mitarbeiter über viel theoretisches Fachwissen und wenn möglich über Forschungserfahrung verfügen sollten, ist bei einer Bewerbung in einer F&E-Abteilung ein Doktor-Titel von Vorteil.

Konstruktion

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Konstrukteure sind die Designer unter den Ingenieuren. Sie entwerfen neue Produkte oder einzelne Bauteile: Dabei müssen sie die Vorgaben aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung erfüllen. Gleichzeitig bleiben sie ständig in Kontakt mit der Fertigung, um eine kostengünstige Herstellung sicherzustellen. Konstrukteure entwerfen jedoch nicht nur Neu-Entwicklungen, sondern verbessern und überarbeiten auch bestehende Produkte. Wenn Einzelkomponenten eingekauft werden, achten Konstrukteure darauf, dass die Lieferanten alle Anforderungen erfüllen. Unerlässliches Handwerkszeug der Konstruktions-Ingenieure sind CAD-Rechner (CAD: Computer Aided Design). Auch den richtigen Umgang mit ISO- oder DIN-Normen muss ein Konstrukteur beherrschen. Arbeitgeber setzen das nötige Know-How voraus; ein Studienabschluss mit dem Schwerpunkt Konstruktionstechnik ist daher ein Plus.

Einkauf

Damit die Räder nie still stehen, müssen in Produktionshallen immer genügend Rohstoffe, Materialien und Bauteile vorrätig sein. Einkäufer sorgen dafür, dass der Nachschub nicht ausgeht. Wenn bei der Produktion ein bestimmtes Bauteil gebraucht wird, erstellen die Einkäufer eine Kostenanalyse: Ist es billiger die Komponente selber herzustellen oder sie einzukaufen? Auf der Suche nach dem günstigsten Angebot verhandeln Einkäufer mit Lieferanten auf der ganzen Welt. Danach kümmern sie sich darum, dass die Zulieferer die Qualitätsvorgaben und Lieferzeiten einhalten. Bei bestehenden Verträgen müssen Einkäufer regelmäßig überprüfen, ob es nicht inzwischen günstigere Alternativen gibt. Ingenieure, die im Einkauf arbeiten wollen, müssen sowohl über technisches als auch betriebswirtschaftliches Wissen verfügen; Wirtschaftsingenieure sind also für diese Tätigkeit hervorragend geeignet. Neben fachlichem Wissen sollten Einkäufer über eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick verfügen. Da potentielle Zulieferer überall auf der Welt beheimatet sind, sollten sie auch vor weiten Reisen nicht zurückschrecken. Um auch im Ausland sicher auftreten zu können, sind für Einkäufer sehr gute Fremdsprachenkenntnisse Pflicht.

Produktion

Forscher, Entwickler und Konstrukteure entwerfen innovative Produkte: Produktionsingenieure müssen daraufhin den Fertigungsprozess planen. Sie suchen ein Verfahren, mit dem die Konstruktionspläne möglichst wirtschaftlich umzusetzen sind. Läuft die Produktion, müssen die Ingenieure die Abläufe überwachen: Werden Termin- und Kostenvorgaben eingehalten? Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine? Werden alle Umweltschutz- und Sicherheitsrichtlinien eingehalten? Ziel dieser Überlegungen ist es, die Produktion immer weiter zu optimieren. Bei Störungen müssen die Fehler analysiert und behoben werden. Produktionsingenieure arbeiten sehr praxisorientiert. Fachhochschul-Absolventen haben in diesem Bereich daher gute Chancen. Ein Studienschwerpunkt im Bereich Produktionstechnik ist bei Bewerbungen von Vorteil.
Montage-Ingenieure arbeiten auf Baustellen in der ganzen Welt. Quelle: Linde AG

Montage/Inbetriebnahme

Sie sind auf allen Kontinenten zu Hause: Montage-Ingenieure arbeiten auf den Baustellen dieser Welt. Sie installieren einzelne Bauteile oder auch ganze Produktionsanlagen. Auf Großbaustellen verantworten sie zum Beispiel die Stromversorgung. Die Ingenieure planen, steuern und überwachen die Montage und führen erste Tests durch. Weit weg von der Unternehmenszentrale tragen sie dabei viel Verantwortung und müssen die meisten Entscheidungen im Alleingang treffen. Da bis zur Realisierung der Projekte viel Zeit vergeht, sind Montage-Ingenieure oft lange Zeit unterwegs. Viele Aufträge führen sie auch ins Ausland. Daher sollten sie weltoffen sein und mehrere Fremdsprachen beherrschen.

Produktmanagement

Es ist nicht immer leicht es allen recht zu machen: Produktmanager müssen die Bedürfnisse von Entwicklern, Produktionsfachleuten, Vertrieblern und Kunden berücksichtigen. Sie sind das Bindeglied zwischen Unternehmen und Kunden und koordinieren die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen. Sie begleiten ein Produkt von der Entwicklung bis zum Vertrieb. Indem Produktmanager mit Kunden sprechen und den Markt beobachten, bestimmen sie die Anforderungen für ihr Produkt. Zusammen mit der Entwicklungsabteilung setzt sie diese in eine Neu- oder Weiterentwicklung um. Bei Entwicklung und Produktion müssen die Produktmanager darauf achten, dass sowohl der Kosten- als auch der Zeitplan eingehalten wird. Betriebswirtschaftliches Know-How ist neben einer fundierten technischen Ausbildung die wichtigste Voraussetzung, um als Produktmanager arbeiten zu können.

Qualitätsmanagement

Qualitätsmanager sind in Industrieunternehmen die Anwälte der Kunden. Sie sind für eine hohe Qualität der Produkte und Serviceleistungen verantwortlich. Dazu untersuchen die Qualitätsmanager den Fertigungsprozess auf Schwachstellen. Dann entwickeln sie Strategien, um die Probleme zu lösen und die Fertigung zu optimieren. Damit Mängel erst gar nicht auftreten, arbeiten die Qualitäts-Wächter schon bei der Entwicklung eines neuen Produktes mit. Um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen, braucht ein Unternehmen Regeln, an die sich alle Mitarbeiter bei ihrer Arbeit halten. Qualitätsmanager entwickeln solche Richtlinien und vermitteln sie ihren Kollegen. Es ist jedoch auch notwendig, nach außen zu zeigen, dass ein Unternehmen die Qualität seiner Produkte wirkungsvoll überwacht. Eine Zertifizierung nach ISO-Normen zeugt auch bei Kunden und Partnern dafür, das objektive Maßstäbe eingehalten werden. Damit ein Unternehmen zertifiziert werden kann, müssen Qualitätsmanager ein Managementsystem aufbauen, dass den Anforderungen der ISO-Normen entspricht. Danach muss die Qualitätssicherung ständig gepflegt werden, damit das Zertifikat nicht gefährdet wird. Da Qualitätsmanager mit Mitarbeitern aus allen Abteilungen zusammenarbeiten müssen, sollten sie interdisziplinär gebildet, kommunikativ und teamfähig sein. Außerdem ist es hilfreich, wenn sich Bewerber schon während des Studiums ausführlich mit dem Thema Qualität beschäftigt haben.
Ob mit dem Schiff, dem Flugzeug oder dem LKW: Logistik-Fachleute sorgen dafür, dass jede Lieferung pünktlich ankommt. Quelle: dpa

Logistik

Lieferung just in time ? das Ideal eines jeden Logistikers: Bauteile sollen am besten genau dann in der Fabrik eintreffen, wenn sie gebraucht werden. Eine aufwändige Lagerhaltung ist dann nicht mehr erforderlich. Der Alptraum eines Logistikers ist dagegen ein Produktionsstopp, weil kein Material mehr vorrätig ist. Eine unpünktliche Lieferung kostet ein Unternehmen fast immer Geld. Um Kosten einzusparen, optimieren Logistiker die Warenströme und verwalten die Rohstoff- und Materialvorräte. Sie müssen dabei ständig Kontakt mit der Fertigung halten, um bei Bedarf nachbestellen oder Lieferungen stornieren zu können. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, müssen die Lieferwege immer wieder überprüft werden: Ist der Transport mit dem Schiff sinnvoller als mit dem Flugzeug? Während das Flugzeug schnell liefern kann, ist der Transport mit dem Schiff billiger und schont zudem die Umwelt. Ohne moderne Informationstechnik (IT) geht inzwischen nichts mehr: Logistiker können mit Computersystemen Lagerbestände und Materialverbrauch komfortabel überwachen und gegebenenfalls schnell eingreifen. Logistik-Dienstleister übernehmen für immer mehr Unternehmen die Planung und Realisierung solcher IT-Systeme oder sogar die gesamte Logistik. Egal ob bei einem Logistikspezialisten oder in der Fachabteilung in einem Unternehmen, gute IT-Kenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung für Logistikingenieure. Praktische Erfahrungen und eine praxisnahe Ausbildung spielen außerdem eine große Rolle: Unternehmen bevorzugen für Jobs im Bereich Logistik deshalb häufig Fachhochschul- und Berufsakademieabsolventen.

Vertrieb

Vertriebler sind die Klinkenputzer unter den Ingenieuren. Sie pflegen Kundenkontakte und suchen neue Käufer für die Produkte des Unternehmens. Die Vertriebsingenieure müssen sich sehr gut in den Kunden-Unternehmen auskennen. Sie sollten zum Beispiel den Fertigungsprozess genau kennen, wenn sie sich als Zulieferer anbieten. Andererseits wollen Vertriebler natürlich auch möglichst viel verkaufen. Dabei ist es von Vorteil, wenn man weiß, wer die Entscheidungen trifft. Inzwischen kommt der Anstoß für neue Produktentwicklungen häufig aus der Vertriebsabteilung. Schließlich kennen Vertriebler die Bedürfnisse der Kunden besser als die Ingenieure in den Entwicklungslabors. Gerade bei Geschäftskunden müssen die Produktlösungen häufig den Wünschen der Käufer angepasst werden. Vertriebsingenieure ermitteln deren Anforderungen und geben sie an die Entwicklungs- und Fertigungsabteilungen weiter. Sie sind also der Mittler zwischen Kunden und Unternehmen. Ohne betriebswirtschaftliches Wissen kommt ein Vertriebsingenieur nicht aus. Mindestens genau so wichtig ist aber auch die fachliche Kompetenz: Wer ein Produkt verkaufen möchte, dessen technische Details er nicht versteht, fliegt schnell auf. Besonders wichtig für Vertriebler sind Softskills wie Kontaktfreudigkeit und Verhandlungsgeschick. Außerdem sollten sie möglichst mehrere Fremdsprachen fließend sprechen

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Weiterführende Links:

Ausführliche Information zu den Berufsprofilen von Ingenieuren finden Sie auch auf den Karriereseiten des VDI:
http://www.ingenieurkarriere.de/bewerberservice/beratung/berufsprofile/start.asp

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Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2004