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Das geliftete Sparschwein

Caspar Dohmen
Von wegen verstaubter Laden für Omas Sparbuch - die große Stadtsparkasse Köln gilt in der Branche als besonders innovativ. Fürs Internet-Banking und das Börsengeschäft brauchen die Kölner neue Leute.
Stadtsparkasse Köln
Hahnenstraße 57
50667 Köln
Postfach 10 35 44
50475 Köln
Telefon: 0221/226-1
E-Mail: kontakt@sk-koeln.de
Internet: www.sk-koeln.de

Rechtsform: Anstalt des öffentlichen Rechts

Die besten Jobs von allen


Geschäftsfeld: universelles Kreditinstitut

Standort: Köln

Geschäftsvolumen: 40,4 Mrd. DM (2000)

Jahresüberschuss: 117,6 Mill. DM (2000)

Mitarbeiterzahl: 3.977

Ansprechpartner für Bewerber: Beate Zimmermann, Telefon: -29 14, Fax: -20 68

Bedarf an Hochschulabsolventen 2001: ca. 40

Bedarf an Young Professionals 2001: ca. 50

Auswahlverfahren: Interviews und/oder Assessment Center

Qualifikationen erfolgreicher Bewerber: neben fachlichen Qualifikationen insbesondere persönliche Kompetenzen

Einstieg: Direkteinstieg, Traineeprogramm über 15 Monate

Einstiegsgehalt: individuell zu vereinbaren

Variabler Anteil am Gehalt: abhängig von der Vertragsgestaltung und der Funktion

Unterstützung bei Promotion/MBA: in Einzelfällen; bei Promotion abhängig vom Thema; Vergütung in Einzelfällen

Praktikum: mindestens sechs Wochen, Vergütung in Einzelfällen

Diplomarbeiten: vier bis sechs Monate, keine Vergütung
Kamera läuft. ?Wie bewerten Sie die Entwicklung der Telekom-Aktie“, fragt der Tagesschau-Reporter. ?Bei der Hauptversammlung erwarte ich Turbulenzen”, antwortet Heinz Rother. Der Mann ist in seinem Element. Eben noch hat er nervös an seinem Jackett gezupft, jetzt steht der 38-jährige Aktienexperte der Kölner Stadtsparkasse cool vor dem Mikro.

Die Kamera schwenkt hoch hinauf durch die lichte, fünf Stockwerke hohe Haupthalle – einst Kulisse für einen Kinofilm mit Til Schweiger. Noch ein Zoom durch die Glasfassade auf den kaskadenartigen Wasserwall vor der Zentrale der Stadtsparkasse am Rudolfplatz. Und Schnitt.

?Live ist mir viel lieber”, sagt Rother nach der Fernsehaufzeichnung. Im vergangenen Jahr ist er 15 Mal nach Mainz gefahren, um am Freitagabend in der 3Sat-Börse Aktientipps zu geben.

Von der Telekom wachgeküsst
Ausgelacht hätte er jeden, der ihm vor acht Jahren gesagt hätte, er würde einmal als Aktienexperte im Fernsehen auftreten – und dann auch noch für ein Institut der Sparkassenorganisation, die lange ein mausgraues Image hatte. Damals lernte Rother während seiner Ausbildung zum Sparkassenkaufmann die ersten Lektionen des Börsen-Einmaleins. Die Abteilung Aktienresearch der Stadtsparkasse Köln hatte zu der Zeit nur zwei Mitarbeiter. Das änderte sich, als die Deutsche Telekom im November 1996 zur Volksaktie avancierte und der Neue Markt rasant zulegte.

Zunächst wühlte sich Rother durch Länder-, Branchen- und Aktieneinschätzungen anderer Banken, betreute drei Jahre lang im ?Sekundärresearch“ die Aktienmärkte Großbritannien und Schweiz: Rother wertete Berichte anderer Analysten aus, um eigene zu erstellen. Kundenkontakt hatte er wenig, die meiste Zeit verbrachte er in seinem Büro mit Recherchen. Heute führt er das zehnköpfige Researchteam, darunter sieben Analysten. Er selbst ist für die Telekommunikationsbranche zuständig.

Rother bezeichnet sich als beruflichen Spätstarter. ?Mit 27 Jahren begann ich überhaupt erst meine Ausbildung.“ Vorher hatte König Fußball seinen Alltag bestimmt. Höhepunkt war die Saison 1985/86 beim 1. FC Köln, bei dem er als Profifußballer ein Bundesligaspiel absolvierte, später kickte er als bezahlter Vertragsamateur.

Statt Fußball zu spielen, muss er nun Überstunden machen. Zwar ist für die Sparkassen immer noch der öffentliche Auftrag charakteristisch – im Gegensatz zu den Privatbanken, die auf Gewinnmaximierung aus sind. Doch der technologische Wandel und der zunehmende Wettbewerbsdruck zwingen auch die Sparkassen, sich weiterzuentwickeln und auf veränderte Kundenwünsche einzugehen: Das klassische Sparbuch ist out, Aktien und Investmentfonds sind in.

Keine Chance für Headhunter
?Bei der Stadtsparkasse mache ich als Analyst keine andere Arbeit als meine Kollegen bei einer Großbank“, sagt Rother. Headhunter haben schon oft bei ihm angefragt. ?Um eine große Nummer zu werden, müsste ich aber nach Frankfurt gehen. Als überzeugtem Kölner würde mir das schwer fallen. Außerdem habe ich bereits meinen Traumjob – ich bin verantwortlich für die Aktienstrategie einer Bank, was will ich mehr? Und bei einer großen Privat- oder Investmentbank wäre ich doch erst einmal einer von vielen Analysten.”

Klein ist die Stadtsparkasse Köln nun auch gerade nicht. Mit einer Bilanzsumme von 39,35 Milliarden Mark ist das Institut nicht nur die größte öffentlich-rechtliche Sparkasse in Deutschland. Sie gilt in der Branche zudem als besonders innovativ: Ob beim Internet-Banking – erster Platz unter 1.000 Kreditinstituten vor Hypo-Vereinsbank und Deutscher Bank in einer Untersuchung der Universität Regensburg – oder bei ihrem Engagement bei Börsengängen. 1999 betitelte die Financial Times in London das Kölner Institut sogar als ?Candidate for the title of best bank in Germany“.

Die Medienbank
Eine Schlüsselrolle spielt sie beim Ausbau der Domstadt als Medienstandort. So räumte sie als Hausbank von RTL kurzerhand ein Verwaltungsgebäude, als der benachbarte Sender Platzbedarf anmeldete und überlegte, zum rheinischen Konkurrenten Düsseldorf überzusiedeln. Engagiert hat sich die Stadtsparkasse auch für Vox und den Kölner Mediapark. Brainpool TV und den Musikkanal Viva brachte sie an die Börse.

Stadtsparkassenchef Gustav Adolf Schröder hat seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren viele überholte Traditionen über Bord gekippt. Schon lange ist der behördenartige Muff entwichen. Vorbei ist die Zeit, als man die Stellung eines Mitarbeiters auf Anhieb an der Gardinenlänge in seinem Büro erkennen konnte: Je länger die Gardinen waren, desto höher rangierte der Mitarbeiter. Schröder strich die Hierarchiestufen von acht auf fünf zusammen und beseitigte das starre Prinzip, nach dem die Mitarbeiter die Karriereleiter Stufe um Stufe erklommen.

Seitdem packen die Kölner gut zu – egal ob es sich um das von vielen Sparkassen vernachlässigte Geschäft mit vermögenden Privatkunden oder Mergers & Acquisitions – Fusionen und Übernahmen – handelt. Eine Wagniskapitalgesellschaft, gegründet mit der befreundeten Düsseldorfer Sparkasse, soll das gesamte Rheinland umgraben. 100 Millionen Mark stehen zur Verfügung.

Streichen wollen die Kölner allerdings auch: In zehn Jahren soll es nur noch 80 statt 100 Geschäftsstellen in der Domstadt geben, viele davon automatisiert.

Mittelständler löchern
Im Kreditgeschäft der Stadtsparkasse Köln arbeitet der 31-jährige Thomas Salz. ?Ich mache fast den Job eines Journalisten“, sagt Salz und lächelt. ?Ich führe Gespräche und Interviews mit mittelständischen Unternehmern. Schließlich ist es sehr schwer, herauszufinden, wie es einem Unternehmen wirklich geht.“ Nur selten treffen ihn die Kollegen an seinem Arbeitsplatz, bei seinem vierköpfigen Team im abgetrennten Bereich eines Großraumbüros. Vertriebsdirektor für Firmenkunden steht auf Salz’ Visitenkarte.

?Ursprünglich wollte ich Mathematik studieren“, sagt er. Dann habe er sich doch zu einer kaufmännischen Ausbildung entschlossen. Und fortan ging es geradlinig vorwärts: Ausbildung zum Sparkassenkaufmann, achtsemestriges Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln.

?Doktorarbeit, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder Bank hießen für mich nach dem Studium die Alternativen.“ Dann entschied er sich, als Trainee bei der Stadtsparkasse Köln einzusteigen. ?Einige Mitstudenten haben mich belächelt, doch ich habe es nicht bereut. Und den Nachweis, dass sie woanders mehr verdienen, sind mir meine Kommilitonen bis heute schuldig geblieben.“ Als Trainee durchlief er 26 Monate lang das gesamte Haus, angefangen von der Kunden- und Unternehmensberatung über das Referat Grundsatzfragen Aktivgeschäft bis hin zur Bilanzrevision. Heute wickelt er das Firmenkundengeschäft ab und diskutiert mit Unternehmern wie Bauträgern oder Hoteliers über Projektfinanzierungen und Förderprogramme.

?Ich betreue meine Kunden von vorne bis hinten“, meint Salz. Und er knüpft Kontakte zwischen ihnen. ?Ich habe einen Kunden, der Ärztekongresse veranstaltet, und einen anderen mit einer Geschäftsidee für Ärzte. Zwischen beiden habe ich einen Kontakt hergestellt. Daran verdiene ich zwar kein Geld, aber beide Kunden sehen, dass ich auch über das normale Geschäft hinaus an sie denke.“

Treu auch in der Krise
Oft ist er auch erster Ansprechpartner, wenn ein mittelständischer Unternehmer seine Firma verkaufen will. Zwar endet der Wirkungskreis von Salz & Co. grundsätzlich an der Kölner Stadtgrenze. Denn laut Sparkassengesetz dürfen die Institute nur im Gebiet ihres öffentlichen Eigentümers tätig sein.

Salz findet die öffentlich-rechtliche Bankenkultur aber erhaltenswert. ?Sparkassen agieren anders als die privaten Banken. Das erlebe ich in meinem Job. Sie halten ihren mittelständischen Kunden in Krisenzeiten eher die Treue.“ Eine Privatisierung der Sparkassen hätte gravierende Konsequenzen, meint der Vertriebsdirektor. ?Dann würde hier die Orientierung am Shareholder Value Einzug halten. Das Wichtigste bei uns ist aber immer noch Gemeinnützigkeit.“
Dieser Artikel ist erschienen am 19.06.2001