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Danone-Chef pfeift auf Etikette

Von Holger Alich
Danone-Chef Franck Riboud verjüngt den Vorstand und verkündet die neue Strategie des Konzerns ? Gesundheit durch Nahrungsmittel. Respekt und Anerkennung hat sich der Sohn des Danone-Gründers Antoine Riboud auch ohne Maßanzug und persönliche PR-Berater verdient.
Danone-Chef Franck Riboud. Foto: dpa
PARIS. Der Hemdkragen steht meist offen, ein Sakko trägt er selten. Das schütter gewordene angegraute Haar erhebt sich wirr vom Kopf. Doch das Lächeln hat nach elf Jahren Konzernführung den jugendlichen Charme nicht verloren. Gestatten: Franck Riboud, Chef des Lebensmittelriesen Danone.Der 51-Jährige pfeift auf Etikette, nicht nur beim Äußeren. Wenn sein Mobiltelefon in Mikrofonnähe sich während einer Pressekonferenz hörbar in ein neues Netz einwählt, befördert der Top-Manager aufmüpfig das Gerät schon einmal mit einem sanften Fußtritt in die Ecke des Raumes außer Hörweite.

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Respekt und Anerkennung hat sich der Sohn des Danone-Gründers Antoine Riboud auch ohne Maßanzug und persönliche PR-Berater verdient. Unter seiner Führung hat sich der Börsenwert Danones vervierfacht. Den Nahrungsmittelriesen, zu dem bekannte Marken wie das Wasser Evian und der Trinkjoghurt Actimel gehören, hat er konsequent auf Wachstum getrimmt. Jetzt, nach elf Jahren an der Spitze, leitet Riboud die wichtigste strategische Wende seiner Amtszeit ein: den Verkauf der traditionellen Kekssparte LU und den Erwerb des niederländischen Baby-Nahrungsspezialisten Numico. Danone soll ?einer möglichst großen Zahl von Menschen Gesundheit durch Nahrungsmittel bringen?, definiert Riboud seine Strategie. Um den Zukauf zu integrieren und die Führung zu verjüngen, kündigte Danone gestern einen Umbau der Konzernspitze an.Dem Konzern steht künftig ein Triumvirat mit Franck Riboud an der Spitze vor. Unterstützt wird er von zwei Co-Chief Operating Officer: Bernard Hours (51 Jahre), dem alle Geschäftsbereiche inklusive der neu zugekauften Tochter Numico unterstehen. Emmanuel Faber (43) leitet alle spartenübergreifenden Abteilungen wie Finanzen, Personal und Forschung. Er behält ferner seine alte Verantwortung für das Wasser-Geschäft in Asien. Die bisherige Nummer zwei, Jacques Vincent (61), soll Leiter des neu gegründeten Strategie-Komitees werden und Riboud persönlich beraten. In Frankreichs Club der Chefs der CAC-40-Konzerne gilt der Danone-Lenker als Unikum. Statt auf mondäne Diners der Pariser High Society zieht es Riboud lieber auf die Fantribune des Stadiums Parc des Princes, um die Kicker des Hauptstadtclubs Paris Saint-Germain anzufeuern. Locker geht es auch am Konzernsitz am edlen Boulevard Haussmann zu: Das Duzen ist weit verbreitet, die Hierarchien sind flach, Evian-Wasser wird aus der Flasche getrunken.?Persönliche Sympathie ist extrem wichtig für ihn?, meint ein Wegbegleiter. ?Franck spielt mit Ideen Pingpong via E-Mail, denkt laut nach, entscheidet dann aber doch allein?, beschrieb einmal Philippe-Loic Jacob, Mitglied im Executive Committee, seinen Führungsstil.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Danones Probleme in ChinaBei dem von Riboud vorangetriebenen Konzernumbau ? er verkaufte unter anderem die Biertochter Kronenbourg, die Nudelmarke Pazani und die Käse-Tochter Galbani ? hin zum schnell wachsenden Geschäft mit gesundheitsfördernder Nahrung hat er dabei nicht nur das Wohl der Menschheit im Blick. Es gilt auch, die Unabhängigkeit Danones zu bewahren. ?Ich habe den Eindruck, mit der Übernahme-Gefahr aufgewachsen zu sein?, spottete der Danone-Chef einmal darüber.In reger Erinnerung ist noch die Aufregung aus dem Sommer 2005, als Gerüchte um einen bevorstehenden Übernahme-Versuch von Pepsico wochenlang ganz Frankreich in Atem hielten. Die Episode führte gar zu einer Ausweitung der Kompetenzen der französischen Börsenaufsicht, die nun wie in England bei Börsengerüchten den potenziellen Angreifer zwingen kann, seine Absichten zu enthüllen. ?Der beste Schutz gegen Übernahmen sind gute Resultate?, meint lakonisch Riboud. Analysten meinen dagegen, dass Danone auch deshalb stolze 12,3 Mrd. Euro für Numico hinblättert, um weniger attraktiv für einen Angreifer zu werden.Schließlich zahlen die Franzosen das 22-Fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, üblich sind Bewertungen um das 17-Fache. Riboud rechtfertigt den Preis mit der außergewöhnlichen Qualität des Ziels, das ?wie eine kleine Danone? sei. Die steigenden Milchpreise tangieren dagegen Danone weniger; denn die Franzosen kaufen vor allem Flüssigmilch und weniger Trockenmilch, bei der die Preise stark angezogen haben.Stattdessen beschäftigt sich Riboud mit Danones Probleme in China. Seit Monaten leisten sich die Franzosen einen Kleinkrieg mit ihrem chinesischen Partner Wahaha. Danone wirf Wahaha-Chef Zong Qinghou vor, mit den Marken Danones außerhalb des Joint Ventures auf eigene Rechnung glänzende Geschäfte zu machen. Danone hat nun den Druck erhöht und die Gerichte eingeschaltet. Auch über eine gütliche Lösung wird weiter verhandelt.Die französische Politik verfolgt die Ereignisse genau. Schließlich zählt der Konzern zum industriellen Erbe Frankreichs. ?Immer, wenn Danone betroffen ist, bekommt alles enorme Dimensionen?, meint auch Riboud. Das hat er 2001 gemerkt, als seine Pläne für Werksschließungen bei der Kekstochter LU Streiks und Boykott-Aufrufe auslösten. Der jetzt geplante Verkauf von LU ausgerechnet an Kraft Foods hat dagegen kaum noch jemanden aufgeregt.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2007