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Dann geht das schon

Wenn ich groß bin, dann möchte ich in einem Traumhaus wohnen! Und so soll es aussehen.? Ich weiß nicht, wie oft ich so in meiner Kindheit mit einem bunten Blatt Papier in Händen zu meinen Eltern gerannt bin. Architektin wollte ich werden, noch bevor ich das Wort richtig aussprechen konnte.
Jennifer Nötges, 21 Jahre: Traumberuf Architektin

?Wenn ich groß bin, dann möchte ich in einem Traumhaus wohnen! Und so soll es aussehen.? Ich weiß nicht, wie oft ich so in meiner Kindheit mit einem bunten Blatt Papier in Händen zu meinen Eltern gerannt bin. Architektin wollte ich werden, noch bevor ich das Wort richtig aussprechen konnte. So nah wie heute aber bin ich meinem Traumjob noch nie gekommen.
Ausbildung: Studium an Uni oder FH
Gehalt: 2400 Euro/Monat (Einstiegsgehalt laut unverbindlicher Gehaltsempfehlung des Arbeitgeberverbands deutscher Architekten und Ingenieure), der Berufsstart ist jedoch oft nur über unbezahlte Praktika möglich
Chancen: Mies. Die Baubranche hat ihre goldenen Zeiten hinter sich und das wird sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
Ich sitze im Düsseldorfer Büro von HPP, so wird das Büro Hentrich-Petschnigg & Partner KG abgekürzt, und starre überwältigt auf die Baupläne und Entwürfe, die Architekt Werner Sübai vor mir ausbreitet

?Viele verzweifeln früher oder später an der Komplexität unseres Berufes. Das muss man einfach lieben.? Das glaube ich Werner Sübai aufs Wort. So ein Architekt ist nämlich einiges mehr als ein bloßer Häuslebauer: Er ist sowohl visionärer Künstler, als auch wirtschaftlicher Planer, muss den Nutzen genau so im Blick haben, wie die Schönheit und vor allem auch die Kosten seines Projektes. ?Das ist unser Leidensdruck?, sagt Werner Sübai und lächelt. Er ist gern Architekt, auch wenn die goldenen Jahre längst vorbei sind und die Branche derzeit eher rückläufig als expansiv scheint. ?Deutschland wächst nicht mehr?, sagt er, ?deshalb ist es für junge Architekten heute wichtig, dass sie sich global orientieren und den Blick auf Asien und Amerika richten.?

Und er befolgt seinen eigenen Rat: Werner Sübai ist für HPP viel in China unterwegs. Die Freiheit, meint er, sei das Beste an seinem Beruf: ?Als ich hier anfing, hatte ich noch lange Haare und die Ohren voller Ringe. Das hat aber niemanden gestört, als Architekt darf ich Individuum sein.? Diese Freiheit spiegelt sich auch in seinen Arbeitszeiten wider: ?Ich arbeite etwa 55 bis 60 flexible Stunden pro Woche.?

Was bedeutet, schon mal um halb zehn aufstehen dürfen, aber dann auch die Nacht oder das Wochenende durcharbeiten. Idealismus, Risikofreude, künstlerisches Talent und ein gutes Auge für Realität und Machbarkeit ? das zeichne einen guten Architekten aus, sagt Sübai auf meine Frage, was man für den Job wohl mitbringen sollte. Hohe Anforderungen, finde ich und bin ein bisschen abgeschreckt. Aber er zwinkert nur und sagt: ?Wenn du es wirklich willst, dann geht das schon.?

Die besten Jobs von allen
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Dieser Artikel ist erschienen am 05.09.2005