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Dankbarkeit

Dorothee Echter
Als Führungsperson verdanken Sie Ihre Erfolge immer vielen Menschen. Wenn Sie diesen Dank aussprechen, erkennen Sie an, daß Ihre Erfolge viele Ursachen haben und ihrerseits Bausteine für Erfolge Anderer sind; so fördern Sie eine ganzheitliche Sichtweise.
Erinnern Sie sich daran, wie Sie das letzte Mal jemandem dankbar waren? Vielleicht hatte jemand ein Versprechen eingelöst; Ihre Karriere gefördert; Ihnen wurde in einer schwierigen Situation geholfen; jemand stand zu Ihnen, gegen alle Vernunft? Erinnern Sie sich an Ihre emotionale Berührtheit, an das Gefühl der Verbundenheit, daran, wie ungeahnte Visionen und Kräfte in Ihnen wuchsen?Als Führungsperson verdanken Sie Ihre Erfolge immer vielen Menschen. Wenn Sie diesen Dank aussprechen, erkennen Sie an, daß Ihre Erfolge viele Ursachen haben und ihrerseits Bausteine für Erfolge Anderer sind; so fördern Sie eine ganzheitliche Sichtweise.

Die besten Jobs von allen

In Zukunft werden individuelle Dankbarkeitsrituale Zauberformeln für erfolgreiche Menschen sein. Sie bringen Intensität und persönliches Profil in die Wüstenei flacher, austauschbarer technischer Kommunikation.Das Erstaunlichste: Wenn wir danken, sorgen wir auch für die Motivation der Adressaten. Denn Dankbarkeit lässt das Gefühl von Zugehörigkeit wachsen (Stichwort emotionale Kompetenz) verdeutlicht Wertschätzung, erleichtert Konsens zwischen uns und unseren Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Kunden (Soziale Kompetenz) zeigt Respekt für kulturelle, soziale, Macht- und Kompetenzunterschiede (Management von Verschiedenheiten) erleichtert Trennungen, etwa von liebgewordenen Strukturen und Gewohnheiten (Unternehmensfusion) unterstützt die Bewältigung von neuen Herausforderungen (Veränderungsbereitschaft) wirkt im Unternehmen professionell, souverän, großzügig (Eigenmarketing).Dankbarkeit ist überraschend unentdeckt, man könnte fast von einem Tabu, einem Geheimnis, sprechen. Viele Manager wissen gar nicht, welche enormen Motivationspotenziale sie ungenutzt lassen, wenn sie pausenlos über sich selbst, ihre Leistungen und Ideen sprechen oder abgrenzend gegen Andere sagen: "Ich bin ein Mensch, der ...", "Ich halte nicht viel davon, wenn ..." Dankbarkeit schließt die Anderen ein. Welches Repertoire sollten Sie sich aneignen, damit sie als Führungsperson mit Dankbarkeit noch erfolgreicher werden? Welche kleinen Rituale bieten sich für Ihren Führungsalltag an?Schreiben Sie täglich eine kleine Dankeschön-Karte an jemanden, der an Sie gedacht oder etwas für Sie getan hat. Laden Sie statt zum Business Diner zum "Thank-you-Diner" ein.Bedanken Sie sich für Zuhören, Ideen, Argumente, Informationen, Zeit, die man Ihnen schenkt. Senden Sie einen Erfolgsbericht mit Dank, wenn aus einem Tipp ein Geschäft geworden, wenn durch einen "Türöffner" ein nützlicher Kontakt entstanden ist.Danken Sie zeitnah, nicht Wochen später. Versetzen Sie sich in die seelische Lage des Anderen: Keiner hört gern "Danke für Ihr Verständnis", wenn er kein Verständnis aufbringen möchte.Sprechen Sie Ihren Dank möglichst differenziert aus, also nicht "Danke für Ihr Kommen", sondern "Danke, daß Sie Ihre Teilnahme zu so ungewöhnlich später Zeit möglich gemacht haben."Versenden Sie lieber eine individuell formulierte Karte als eine Standard-Flasche Wein. Bevor Sie mit Ihren Mitarbeitern etwas Neues beginnen, würdigen Sie das Alte in einer Dankesfeier. Wenn Sie in eine wichtige Position berufen werden, danken Sie Ihren Mentoren und Förderern, auch denen aus der Vergangenheit.Scheuen Sie sich niemals, auch sehr hochgestellten Persönlichkeiten oder Prominenten einen persönlichen Dank zu senden - Ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden ebenso wie dem Oberbürgermeister... ... nur: Danken Sie niemals ohne Grund
Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001