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Daniel Roever

Teil 1: Die Ausgangsfragen
Teil 2: Das politische Umfeld
Teil 3: Die Jobsuche
Liebe Leserinnen und Leser,
Es freut mich, dass Ihr den Weg auf meine bescheidene Tagebuchseite gefunden habt und dass ich Euch moeglicherweise dadurch ein wenig bei Euren Nachforschungen fuer ein potenzielles MBA Studium unterstuetzen kann. Bevor Ihr in meine Erlebnisse eintaucht, habe ich allerdings eine kleine Bitte: Wenngleich diese Zeilen ein wenig von Hilfe sein moegen, seht sie als meine subjektiven Erfahrungen. Jeder macht den MBA aus unterschiedlichen Gruenden und entsprechend hat jeder eigene Kriterien, die er bei der Suche nach dem Sinn oder Unsinn des MBA und der geeigneten Business School beachten sollte. Falls Ihr irgendwelche Fragen zum Thema NYU Stern, dem Bewerbungsprozess oder allgemeines Feedback habt, freue ich mich natuerlich ueber eine e-Mail: dpr222@stern.nyu.edu

Teil 3: Die Jobsuche

Wie schon in der Einleitung erwähnt, nimmt die Jobsuche hier einen gehörigen Teil Zeit in Anspruch. Glück für den, der von seinem Arbeitgeber gesponsert ist, und sich somit den ganzen Aufwand sparen kann. Allerdings muss ich sagen, dass, unabhängig vom Ausgang, der Bewerbungsprozess eine super Erfahrung ist. Abgesehen davon, dass man trotz des schwierigen Marktumfeldes die Möglichkeit bekommt, mit großen Nahmen wie McKinsey oder Morgan Stanley zu interviewen, ist hier oftmals der Weg das Ziel. Nachdem ich in Deutschland bereits in der Beratung gearbeitet hatte und mir die Arbeitskultur und Arbeitsplatzunsicherheit im Investment Banking nicht gerade zusagte, war es dennoch sehr interessant diesen Prozess mitzumachen. Ich habe in der Einleitung ebenfalls erwähnt, dass man sich sicher sein sollte, wo man sich beruflich hinentwickeln will, um den Bewerbungsaufwand auf ein Minimum zu reduzieren.

Die besten Jobs von allen


Ich spreche aus Erfahrung: auch wenn ich mich inhaltlich bereits auf Finance festgelegt hatte, hatte ich kaum konkrete Vorstellung in welcher Funktion (Berater, Banker etc.) ich diese ausüben wollte. Daher ist der in den USA überdimensionierte Prozess eben so wichtig. Zwar dienen die diversen Veranstaltungen bei denen Hundertschaften von Bankern und Beratern auf den Campus kommen, primär der, mit Verlaub, gegenseitigen Einschleimerei, allerdings kommen dabei oftmals wirklich gute Gespräche mit sehr erfahrenen Leuten zustande. Dabei kann man dann sehr gut feststellen, ob denn außer der guten Bezahlung noch irgendetwas Anderes an diesem Beruf verlockend ist. Da ich mich im ersten der zwei MBA Jahre befand, ging es für mich ja zunächst nur um ein (i.d.R. sehr gut bezahltes) ?Summer Internship'. Allerdings haben die Firmen hierbei schon dieselben Ansprüche wie bei einer Vollzeitanstellung. Schließlich dient das Praktikum normalerweise als Sprungbrett für ein Vollzeitangebot.

So bin ich schließlich wie die Jungfrau zum Kind an meine Sommerposition gelangt: Ich werde das ?Portfolio' eines Venture Philanthropen (~Venture Capital für Non-Profits) analysieren. Die Organisation unterstützt mit einem Budget von ca. $60 Mio. p.a. etwa 120 Non-Profit Organisationen in New York mit Kapital und gestifteten Professional Services von befreundeten Unternehmen wie McKinsey oder A.T. Kearney. Auch wenn der Aufnahme einer Organisation in das ?Portfolio' eine gründliche Due Dilligence vorausgeht, sind, da es sich um Non-Profits handelt, einige bilanztechnische Dinge nicht immer ganz klar. Meine Aufgabe wird es sein, die ?Kapitalisierung' der Organisationen zu bewerten und wie nachhaltig ihr ?Business' ist. Im Prinzip ähnelt die Arbeit also der von Investmentbankern, nur dass es sich eben um Non-Profits handelt und man nicht so einfach von Begriffen wie ?Kapitalisierung', ?Efficienz' etc. sprechen kann. Ich erhoffe mir einen äußerst interessanten Sommer.

Teil 2: Das politische Umfeld

Auch wenn uns von Anfang an geraten wurde, politische Themen möglichst nicht innerhalb der Stern anzusprechen, so war das in diesem politisch hochbrisanten Jahr kaum möglich. Da war erst einmal der Jahrestag der Anschläge vom 11. September. Die Studenten im zweiten Jahr wollen oft ungern an diesen Tag erinnert werden, zu tief sitzt der Schmerz. Viele wohnten damals in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers und haben, wie es ein Kommilitone ausdrückt, immer noch die Bilder des Grauens vor Augen und das Geschrei der Leute in den Ohren. Zudem sind damals viele Ehemalige der Stern School ums Leben gekommen. Da die Stern in der Finanzwelt besonders stark vertreten ist, waren viele Alumni und Freunde der Stern Community im WTC tätig.

Noch drei Tage vor dem Jahrestag war in New York alles ganz ruhig. Keiner wollte an diesen grauenhaften Tag erinnert werden und fast jeder schien die unvermeidlichen Gedenkveranstaltungen zu ignorieren. Doch plötzlich gab es in der Stadt nur noch eine Frage die sich jeder stellte: Where will you be? - Es fanden unzählbar viele Veranstaltungen statt (auch an der NYU) und vielen Arbeitnehmern war es freigestellt an diesem Tag zur Arbeit zu gehen. Die Atmosphäre, die in diesen Tagen über der Stadt hing war sehr unangenehm, da man ja auch vor erneuten Anschlägen gewarnt hatte.

Für mich war diese Atmosphäre besonders spürbar, da ich direkt gegenüber von dem Hauptgebäude der Vereinten Nationen wohne. In dieser Woche war die gesamte Gegend um die U.N. abgeriegelt und ich konnte nur durch Vorlage meines Personalausweises und Mietvertrages (!) meine Wohnung erreichen. Die Aufregung hatte allerdings neben dem Jahrestag einen anderen Grund: in dieser Woche war die U.N. Vollversammlung, auf der auch Präsident Bush sprach.

Am darauffolgenden Wochenende bin ich dann mit Freunden nach Long Island gefahren, um ein wenig auszuspannen und den aufgebauten Druck abzulassen. Mittlerweile nehme ich die Sicherheitsaspekte wesentlich gelassener. New York ist meines Erachtens eine der sichersten Städte der Welt. Was mögliche Anschläge angeht braucht man, glaube ich, kaum Angst zu haben. Und was die generelle Sicherheit auf der Strasse angeht so fühle ich mich sicherer als in meiner Heimatstadt München, da man in "the city that never sleeps" niemals allein auf der Strasse ist.

Der Irak-Krieg wurde hier sehr kontrovers diskutiert. Schließlich hat man sich allerdings von allzu breiten Debatten ferngehalten und festgehalten, dass, wie sollte man es auch anders erwarten, die überwiegende Mehrheit der Amerikaner mehr oder weniger für den Krieg war und die meisten ausländischen Studenten dagegen.

Im Umfeld einer Business School kam natürlich immer wieder die Frage der wirtschaftlichen Motivation und Folgen des Krieges auf. Daraufhin habe ich als ?Officer' der ?Emerging Markets Association' ein Diskussionsforum zu dem Thema organisiert. Trotz einer konkurrierenden Veranstaltung zu gleichen Zeit, auf der es freies Essen und jede Menge Bier gab, kamen etwa 140 Studenten in den hoffnungslos überfüllten Vorlesungsraum. Neben dem Direktor der ?Oil & Gas Group' bei der Rating Agentur Standard & Poors, kam auch Niall Fergusson - der wohl bekannteste Finanzhistoriker der Welt und verglich den Angriff und die Motivation der Amerikaner mit früheren Kriegen bei denen es nicht nur um ?(Iraqui) Freedom' ging sondern vornehmlich um Geld und Macht. Da ich die Veranstaltung anmoderierte, werde ich noch heute von sowohl ausländischen als auch amerikanischen Studenten und Professoren angesprochen und gelobt, dass wir dieses Thema so kontrovers diskutiert haben. Eine US-kritische politische Debatte scheint also, wenn auch im Rahmen, auch an einer US Business School möglich.

Teil 1: Die Ausgangsfragen

Wie kam ich zum MBA?

Als Sohn Deutsch/Schwedischer Eltern wuchs ich in München auf, hatte allerdings das Glück einen Teil meiner Kindheit in den USA zu verbringen. Die dabei erlernte Zweisprachigkeit veranlasste mich sowohl ein deutsches Gymnasium als auch eine internationale Schule zu besuchen. Danach bot sich mir die Möglichkeit an die London School of Economics (LSE) zu gehen, wo ich 1998 schließlich mit einem Bachelor of Science im Bereich Management Sciences abschloss. Mein Berufstart machte ich daraufhin bei Fontin & Company, eine Münchner Strategieberatung, da mir die Arbeit nicht nur Beratungserfahrung und Einblicke in verschiedene Industrien bot, sondern auch die Möglichkeit am Wachstum einer jungen Beratung teilzuhaben und somit unternehmerische Erfahrungen zu sammeln. Trotz der zahlreichen Erfahrungen die ich in der Beratung sammeln konnte, war mir doch klar, dass ein Bachelor Degree für meine Karriereambitionen nicht ausreichend sein würde. Neben einer generellen Erweiterung meines betriebswirtschaftlichen Wissens wollte ich mich außerdem besonders im Bereich der Finanzen weiterbilden. Durch mein Interesse an der Finanzwelt und meiner, seit frühester Kindheit bestehenden, Faszination für die Stadt New York bot sich an der NYU Stern School of Business eine optimale Gelegenheit.

Meine ersten Eindrücke vom MBA?

Die Entscheidung ein MBA Studium aufzunehmen ist keine leichte und sollte wohlüberlegt sein. Bevor man mit dem Bewerbungsprozess richtig loslegt sollte man - meines Erachtens - folgende Dinge für sich selbst klären: Reicht die gesammelte Berufserfahrung aus? Wie hoch sind die direkten und indirekten Kosten des MBA's? Wie aufwendig ist der Bewerbungsprozess wirklich und wann muss ich damit anfangen? (GMAT, Research, Referenzen einholen, Essays schreiben, Interviews vor Ort etc.: dauert mindestens 2-3 Monate.). Die direkten Kosten belaufen sich auf ca. $120.000 (davon $65.000 Tuition) - mit ein wenig Glück kann man diese durch ein gut bezahltes Praktikum im Sommer (bis zu $20.000) oder Arbeiten an der Uni (ca. $4.000/Semester) kürzen. Stipendien hingegen sind für Europäer eher rar (höchstens durch den DAAD).

Als das Studium nach diesem ewigen Prozess für mich letzten August endlich anfing, wusste ich schnell, dass sich all der Aufwand und die Kosten gelohnt hatten. Ausgezeichnete Professoren, sehr freundschaftliche und hochgebildete Kommilitonen und eine Stadt, die ihres gleichen sucht. Was den generellen Aufbau des Studiums angeht, unterscheiden sich die verschiedenen Business Schools wahrscheinlich kaum und deswegen möchte ich nicht das wiedergeben, was einige meiner Kollegen in ihren Tagebüchern schreiben werden. Stattdessen möchte ich potenziellen MBA Aspiranten folgende drei Punkte ans Herz legen:
1. Mach Dich darauf gefasst, dass, besonders im ersten Semester, die Jobsuche Dein Hauptfach ist. Versuche also vorher in etwa zu wissen, wohin Du dich entwickeln willst, damit Du den Aufwand für die Bewerbungen auf ein Minimum reduzieren kannst. Ob Du zu einem Interview eingeladen wirst oder nicht hängt oft vom Namen und der Spezialisierung deiner Business School ab.
2. Versuch, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vor dem Studium zu sammeln und suche die Business Schools an denen Du Dich bewirbst unter anderem nach diesem Kriterium aus, damit Du nicht der Einzige bist, der schon mal richtig gearbeitet hat - die Vorlesungen sind sehr interaktiv und ihr Wert hängt sehr stark von den Beiträgen der Studenten ab.
3. Such Dir eine Business School in einer Stadt oder in einem Umfeld aus, in dem Du Dich wohlfühlst - schließlich wirst Du dort zwei Deiner intensivsten Lebensjahre verbringen.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.01.2003