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Daimler will Schrempp an der Spitze halten

Der Aufsichtsrat des Autobauers Daimler-Chrysler will offenbar Konzernchef Jürgen Schrempp zu einer Verlängerung seiner Amtszeit bewegen. ?Ich bin in Topform?, sagte Schrempp zu den Spekulationen über eine mögliche Verlängerung seines Vertrags.
Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp, Foto: dpa
HB STUTTGART. ?Die Stimmung unter den Aufsichtsratsmitgliedern tendiert in diese Richtung?, hieß es am Mittwoch in Kreisen des Gremiums. Der langjährige Daimler-Chrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper sagte dem ?Wall Street Journal Europe?, er spüre ?sanften Druck im Aufsichtsrat, Jürgen (Schrempp) dahin zu beeinflussen, länger zu bleiben?. Auch Schrempp denkt offenbar noch nicht ans Aufhören: ?Wenn der Aufsichtsrat mich fragt, dann werde ich darüber nachdenken müssen. (...) Ich bin in Top-Form. Was ich tue, tue ich gern. Das ist mein Leben?, sagte er. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher sagte, das Unternehmen könne sich zu den Entscheidungen des Aufsichtsrats nicht äußern.Formell kann der Aufsichtsrat frühestens ein Jahr vor Ablauf der Amtszeit über eine Vertragsverlängerung entscheiden, also nach der Hauptversammlung 2004. Auch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sprachen sich dem Zeitungsbericht zufolge für einen Verbleib Schrempps aus, der 1995 an die Spitze des damaligen Daimler-Benz-Konzerns rückte und nach der Fusion mit Chrysler 1998 auch Vorstandschef der Daimler-Chrysler AG blieb. In der Konzernzentrale war trotz der öffentlichen Kritik an der Strategie Schrempps, durch die Fusion mit Chrysler und den Einstieg bei Mitsubishi Motors einen weltweit und in allen Modellklassen vertretenen Autokonzern zu schaffen, nicht mit einem vorzeitigen Abschied des Vorstandschefs gerechnet worden.

Die besten Jobs von allen

Eine volle Amtsperiode von fünf Jahren wird Schrempp, der 2004 60 Jahre alt wird, aber wohl nicht absolvieren. Ende vergangenen Jahres hatte der Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat eine neue Regelung eingeführt, nach der Verträge von Vorständen nach dem 60. Lebensjahr in der Regel jeweils nur um ein Jahr verlängert werden. Das stünde aber etwa einem Zweijahresvertrag für Schrempp nicht im Wege, hieß es in Unternehmenskreisen.Branchenkenner gehen davon aus, dass sich der Aufsichtsrat nach der Hauptversammlung 2004 rasch mit der Personalie Schrempp beschäftigt. Denn erst nach der Entscheidung über den Chefposten soll der Nachfolger für Mercedes-Chef Jürgen Hubbert ausgewählt werden, der im April 2005 mit dann 65 Jahren definitiv in den Ruhestand geht. Beide Positionen - die Schrempps und Hubberts - gleichzeitig neu zu besetzen, wäre dem Aufsichtsrat ohnedies zu risikoreich, auch das sei ein Argument für eine Vertragsverlängerung Schrempps, heißt es in der Branche.Warum die potenziellen Schrempp-Nachfolger noch gut beschäftigt sind, lesen Sie auf der folgenden Seite ... Einen Favoriten für die Führungsposition bei Mercedes-Benz gibt es noch nicht, auch wenn der bei Chrysler für das Tagesgeschäft verantwortliche Chief Operating Officer (COO) Wolfgang Bernhard immer wieder ins Spiel gebracht wird. ?Daimler-Chrysler ist immer für Überraschungen gut?, heißt es in Unternehmenskreisen. Sicher scheint, dass der Nachfolger aus der etwa aus zehn Managern bestehenden Riege von Nachwuchskräften kommt, die Schrempp über Jahre hinweg aufgebaut hat. Mit Bodo Uebber, dem Finanzchef der Dienstleistungs-Sparte, rückt ein weiterer von ihnen im Dezember in den Vorstand ein.Die beiden potenziellen Nachfolgekandidaten für Schrempp, Chrysler-Chef Jürgen Zetsche und Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes, sind beide noch gut beschäftigt, heißt es im Konzern. Sprich: Die Zeit für einen der beiden ist noch nicht reif. Zetsche hat mit dem Dauerpatienten Chrysler länger zu tun als geplant. In einem Vortrag in Boston sagte er jetzt, in den nächsten drei Jahren wolle Chrysler 25 neue Modelle auf den Markt bringen, allein 2004 sollen es neun sein. Das dürfte seine höchste Konzentration in Detroit erfordern. Bis Chrysler zu den Besten in Sachen Qualität und Produktivität aufgeschlossen habe, werde es bis 2007 dauern, meinte Zetsche. Cordes muss nach Ansicht von Beobachtern schauen, dass der größte Lkw- und Busbauer der Welt auf dem zukunftsträchtigen asiatischen Markt richtig aufgestellt ist.Als Schrempp im Sommer 2002 Ambitionen erkennen ließ, weiter zu machen, sah die Welt für den Autokonzern noch rosiger aus und es schien, als könne er die Erfolge seiner Strategie genießen. Nach dem 1-Milliarde-Dollar-Verlust bei Chrysler im zweiten Quartal 2002 und anhaltenden Problemen beim japanischen Kooperationspartner Mitsubishi muss Schrempp beweisen, dass der vor fünf Jahren begonnene Plan, einen weltumspannenden Autokonzern zu schmieden, richtig war. Viele Analysten haben Zweifel, so am Mittwoch Pia Hellbach von Union Investment im ?Wall Street Journal?: ?Ich sehe keinen Hinweis, dass es funktioniert.?
Dieser Artikel ist erschienen am 08.10.2003