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Cool, lässig, angesagt

Von Stefanie Bilen
Design-Star Michael Michalsky soll Tchibo zu einem exklusiveren Image, zu ein wenig mehr Glamour verhelfen. In den kommenden Tagen kommt die Kollektion unter dem LabelMitch & Co in die Läden des Kaffeerösters. Nach sinkenden Zahlen im vergangenen Geschäftsjahr knüpft Tchibo hohe Erwartungen an die neue Kollektion.
Michael Michalsky war einst Creative Direktor von Adidas. Foto: dpa
BERLIN. Noch die Pressekonferenz im Hamburger Hafenspeicher, dann verabschiedet sich der Modemacher in den Urlaub. Wenn Tchibo am kommenden Mittwoch die Kollektion von Michael Michalsky in seine 1 000 Filialen bringt, entspannt sich der 40-jährige Ex-Adidas-Designchef am Strand von Ibiza. Nicht, weil er, wie er beteuert, vor der Aufregung flüchtet. Der Urlaub sei nur zur Entspannung nach der vielen Arbeit. Wie das Echo auf seine Kollektion ausfallen wird, daran lässt der Designer keinen Zweifel aufkommen: ?Ich bin mir sicher, dass die Resonanz positiv sein wird.?Nicht eben wenige Modeexperten sind der Ansicht, dass Michalsky nach der Generation von Lagerfeld und Joop zu den wichtigsten deutschen Modedesignern gehört. Doch rein äußerlich hat er mit den Genannten wenig gemein. Dass der 1,95-Meter-Hüne, sich eine Zeit lang in London als Türsteher eines angesagten Clubs über Wasser gehalten hat, mag man ihm leicht abnehmen.

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30 Bekleidungsstücke bringt der Hamburger Kaffeeröster unter dem Label Mitch & Co. ? Mi für Michalsky, tch für Tchibo ? kommende Woche in seine Läden: Jogginghosen, Kapuzenpullis, T-Shirts für 9 bis 39 Euro. ?Moderne Basics?, nennt Michalsky die Linie, ?lauter Anziehteile, die man haben sollte?.An die neue Kollektion knüpft Tchibo hohe Erwartungen, denn nach einem Jahrzehnt voller glänzender Zahlen verlor der Umsatz mit Kaffee und Gebrauchsgütern im vergangenen Geschäftsjahr rund zwei Prozent. Noch deutlicher sank der Gewinnbeitrag der Sparte. Nachahmer bei den Discountern hatten Tchibo das Geschäft verhagelt.Zu besseren Ergebnissen soll nun die Konzentration auf Bekleidung statt auf Haushaltsartikel verhelfen. Schon heute gehört Tchibo mit gut einer Mrd. Euro Textilumsatz zu den zehn größten Bekleidungseinzelhändlern in Deutschland, wie das Fachblatt ?Textilwirtschaft? meldet. Erste Filialen des Kaffeerösters sind bereits mit Umkleidekabinen ausgestattet.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die ?persönlichen Vibes? stimmen Tchibo braucht ein exklusiveres Image, ein wenig mehr Glamour, will auch die junge, ausgabefreudige H&M-Kundschaft anlocken. Da kommt Michalsky, der als cooler Typ gilt, als jemand, der sich vieles erlauben darf und nur wenig übel nimmt, gerade recht. Für Tchibo arbeite er, weil die ?persönlichen Vibes? mit dem Vorstand Markus Conrad gleich stimmten und auch dessen Team sich ordentlich ins Zeug gelegt hätte. Natürlich weiß er auch, dass der Kaffeeröster ihm mit seinem großen Filialnetz zu gehöriger Popularität verhelfen kann. Denn wer von Otto Normalverbraucher kennt heute Michalsky?Vor gut einem Jahr war sein Name gerade einmal in Fachkreisen bekannt, heute feiert ihn die Publikumspresse als Vorzeigedesigner aus Deutschland. Der ?Stern? bezeichnet ihn als ?Musterknaben?, das ?Manager Magazin? als ?Alleskönner?. Lässig lümmelt sich der ?Musterknabe? im Stuhl, als beeindrucke ihn das alles wenig. Lebhaft gestikuliert er im Gespräch, lässt seine Armbänder klappern. Auch seine Ohren zieren auffällige Ringe. Seine auf alt getrimmte Jeans hängt auf halb acht, er zupft am sichtbaren Unterhosenbündchen: ?Die Boxershorts von Mitch & Co. sind super. Heute trag ich allerdings eine andere Marke.?Der Designer, der unweit von Hamburg aufwuchs und am renommierten London College of Fashion studierte, soll es richten. ?Michael Michalsky ist unbestritten einer der kreativsten deutschen Köpfe in der internationalen Modeszene?, begründet Thomas Vollmoeller, Vorstand der Tchibo GmbH, das Engagement. So wie H&M regelmäßig mit prominenten Gastdesignern zusammenarbeitet, darunter Karl Lagerfeld und Madonna, soll Michalsky künftig regelmäßig Kaffeehaus-Mode machen.Branchenkenner halten Mitch & Co. für eine gute Idee. ?Michalsky ist ein guter Mann. Keiner, der am Markt vorbeiarbeitet?, sagt Peter Littmann, einst Vorstandschef von Hugo Boss und heute als Berater selbstständig. Tchibo brauche ein wenig Glanz. Littmann betont, dass für beide Akteure viel von der Aktion abhänge: Tchibo benötige eine längst überfällige Trendwende, Michalsky den Erfolg für sein Standing als selbstständiger Designer.Der Kreative hat Anfang des Jahres seine eigene Kollektion herausgebracht. Die Kleidungsstücke sind mehr als zehnmal so teuer wie die Mitch-&-Co.-Stücke ? einen Widerspruch in seiner Arbeit sieht er dabei nicht. ?Kein Mensch trägt heute ausschließlich Designermode. Alles wird mit allem kombiniert.? So ergänze sich Massenmode wunderbar mit den eigenen Marken Michalsky und der Jeansmarke M67, die im Juli in den Handel kommen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Ich will nicht in Schönheit sterben.? Neben einer gehörigen Portion Eitelkeit ? es befriedigt ihn, wenn er Menschen in ?seinen? Entwürfen auf der Straße sieht ? treibt ihn auch die Einsicht an, seinen Traum einer eigenen Kollektion finanzieren zu müssen. ?Ich will nicht in Schönheit sterben.?Zurzeit finanziert er sein 18 Mann starkes Unternehmen mit Sitz auf der Berliner Charlottenstraße aus eigener Tasche. Die Zusammenarbeit mit seinem Investor Markus Höfels, die er erst vorigen Juli bekannt gegeben und über alle Maße gepriesen hat, beendete er schon ein halbes Jahr später, wie er dem Handelsblatt jetzt verriet. Über die Gründe will er nicht sprechen ? man hat sich nicht im Guten getrennt. Die Rechtsanwälte haben Stillschweigen vereinbart. Nun benötigt Michalsky mittelfristig einen neuen Investor. Zwischenzeitlich bringen ihn das Tchibo-Engagement, das nach seinen Angaben ?sehr, sehr fair? entlohnt wird, und seine Designarbeit für die Taschenmarke MCM über die Runden.Eigene Kollektionen will er hier zu Lande ab Juli an vier Dutzend namhafte Einzelhändler ausliefern. Seinen Umsatz sieht er schon in drei Jahren in dreistelliger Millionenhöhe. ?Ich bin sehr, sehr zufrieden mit der Resonanz?, sagt Michalsky.Seine Pläne für eigene Kollektionen stufen manche Experten als hochtrabend oder gar ein wenig größenwahnsinnig ein: In Kürze soll mit Sportmode noch eine dritte Linie hinzukommen. Zudem will er ins Ausland verkaufen und möglichst jede Saison ein bis zwei Märkte hinzugewinnen. Als Erstes stehen Italien und Großbritannien an.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Michael Michalsky ? eine kurze Biografie 1967Michael Michalsky wird im Februar in Bad Oldesloe unweit von Hamburg geboren.1992Nach dem Abitur studiert er bis 1992 am renommierten London College of Fashion. Als Türsteher der In-Clubs hält er sich über Wasser. Seine Karriere beginnt er beim Jeanshersteller Levi's, wo er schnell zum Chefdesigner aufsteigt.1994Michalsky wechselt zu Adidas nach Herzogenaurach, wo er die Sportmarke in ein erfolgreiches Lifestyleprodukt verwandelt. Zudem fädelt er die Zusammenarbeit mit bekannten Designern wie Yohji Yamamoto und Stella McCartney ein.2000 Als Global Creative Director führt er ein Team weltweit von 185 Gestaltern.2006Seit Februar arbeitet er selbstständig.2007Der Designer präsentiert eigene Kollektionen ? darunter Mitch & Co für Tchibo.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2007