Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Commerzbank baut Vorstand um

Bei der Commerzbank bahnt sich ein vorzeitiger Führungswechsel an. Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller will einem Medienbericht zufolge bereits 2008 seinen Posten räumen und in den Aufsichtsrat wechseln. Als Nachfolger wird sein Vorstandskollege Martin Blessing gehandelt.
Müller plane, 2008 in den Aufsichtsrat zu wechseln, denn dann erreicht der bisherige Oberaufseher des Instituts, Martin Kohlhaussen, die Altersgrenze. Als Nachfolger für Müller wird vor allem sein für das Mittelstandsgeschäft zuständiger Vorstandskollege Martin Blessing favorisiert, hieß es in Finanzkreisen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallenEin Banksprecher wollte die Meldung nicht kommentieren und bezeichnete sie als Spekulation. Er verwies außerdem auf die Äußerungen Müllers von Mitte Februar auf der Bilanzpressekonferenz des Kreditinstituts. Damals hatte Müller betont, sein Vertrag laufe bis 2010, und die Frage nach einem Wechsel in den Aufsichtsrat stehe nicht auf der Tagesordnung.

Die besten Jobs von allen

Seit langem wird spekuliert, dass Blessing Müller eines Tages nachfolgen werde. Dass dies nun möglicherweise bereits 2008 geschehen soll, ist eine Überraschung. Müller, der die Bank aus der schweren Krise 2003 und tiefroten Zahlen wieder zu einer respektierten und profitablen Bank gemacht hat, wirkte zuletzt nicht amtsmüde. Allerdings drängt eine Entscheidung, würde er im Mai 2008 Kohlhaussen im Amt des Aufsichtsratschefs beerben wollen.Die Weichen dazu müsste man in diesem Jahr stellen. Zuletzt hatte Müller offen gelassen, ob er dieses Amt anstrebt. Auf den Hinweis, dass diese lange übliche Art des Postenwechsels derzeit verpönt sei, wandte er ein, dass es gerade im Bankgewerbe schwer sei, qualifizierte Aufsichtsräte zu finden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der potenzielle Nachfolger kennt die Bank bestens.Auch ein Wechsel in die Politik gilt nach Aussagen von Weggefährten als durchaus mögliche Option für Müller. Er gilt als sehr politischer Mensch; dem CDU-Mitglied werden beste Kontakte zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nachgesagt. Sollte der 62-Jährige in die Politik wechseln, träte er in die Fußstapfen seines Vater, der Oberbürgermeister von Düsseldorf war.Der als dynamisch geltende Blessing kennt die Bank bestens. Bis zum Jahr 2004 hat der 43-Jährige das Privatkundengeschäft verantwortet. Damit deckt er zwei von drei Kernfeldern der Bank ab, im fehlt nur die wichtige Immobiliensparte. Für den gebürtigen Bremer ist Banking Familiensache. Großvater Karl stand von 1958 bis 1969 der Bundesbank vor, Vater Werner saß im Vorstand der Deutschen Bank, sein Frau ist Investmentbankerin.Neben Blessing machen sich aber möglicherweise auch noch andere Hoffnung auf die Müller-Nachfolge. Seit die ?gelbe Bank? vor kurzem Europas größten Immobilienfinanzierer, die Eurohypo, übernommen hat, werden auch deren Chef Bernd Knobloch Ambitionen nachgesagt. Schließlich sah sich der 56-Jährige 2006 mit der Eurohypo schon selbstständig an der Börse und als Vorstand eines Dax-Unternehmens. Genannt wird zuletzt auch immer wieder Privatkundenvorstand Achim Kassow. Der 40-Jährige trimmt die Bank mit der Expansion in seinem Sektor gerade auf Wachstum .
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2007