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Coach Roger Lemerre - der distanzierte Nordfranzose

Mit Roger Lemerre ist nicht gut Kirschen essen. Grundsätzlich hält Frankreichs Nationaltrainer Journalisten für die Ursache aller Probleme innerhalb einer Mannschaft.
sid PARIS. Lemerre spielte 444-mal in der Premiere Division, bestritt in den 60er Jahren einige Länderspiele als Libero, war Trainer bei RC Lens sowie Racing Straßburg und übernahm danach im französischen Verband die Militärmannschaft. Mit der Soldaten-Truppe stand der Nordfranzose lange im Schatten der anderen Auswahlteams, bis seine Elf 1995 die Militär-Weltmeisterschaft im Iran gewann. Sein zweiter Titel sollte Frankreichs EM-Triumph vor zwei Jahren bei der Euro in Belgien und den Niederlanden werden.Im Winter 1997 hatte Lemerre sich beim Verband unbezahlten Urlaub genommen, um seinen ans Tabellenende gerutschten Heimatverein Lens vor dem Erstliga-Abstieg zu retten. Das gelang ihm zwar, das Angebot, zu bleiben, lehnte er jedoch ab. Im Januar 1998 machte ihn Frankreichs damaliger Nationalcoach Aime Jacquet überraschend zu seinem Assistenten für die bevorstehende WM-Endrunde im eigenen Land mit der Begründung, er brauche noch einen loyalen Partner im Betreuer-Team.

Die besten Jobs von allen

Als Assistent war Lemerre lebenslustig und immer für einen Witz gut, doch seit er nach Frankreichs WM-Titelgewinn vom zurückgetretenen Jacquet die Chefrolle übernommen hat, ist der Coach spürbar auf Distanz zu den Spielern seines Starensembles gegangen.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.04.2002