Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Cleared for take off

In Deutschland gibt es 15 lizenzierte Flugschulen, die für diverse Fluglinien ausbilden, vor allem für den boomenden Business-Charter-Markt. Wer die besucht, bezahlt einen größeren Teil seiner Ausbildung aus eigener Tasche und hat keine Beschäftigungsgarantie in dem sehr angespannten Arbeitsmarkt für Piloten.
In Deutschland gibt es 15 lizenzierte Flugschulen, die für diverse Fluglinien ausbilden, vor allem für den boomenden Business-Charter-Markt. Wer die besucht, bezahlt einen größeren Teil seiner Ausbildung aus eigener Tasche und hat keine Beschäftigungsgarantie in dem sehr angespannten Arbeitsmarkt für Piloten. Pro Jahr werden ungefähr 3.000 Leute fertig. Nur ein Drittel davon findet einen Arbeitsplatz. In den Kategorien des Arbeitsamtes ist ein Pilot ein angelernter Hilfsarbeiter, weil keine staatliche Ausbildung existiert.

Die Pilotenausbildung der Lufthansa dauert 23 Monate, 1.300 Theorie- und 320 Flugstunden in vier Phasen: 5 Monate Theorie in Bremen, 6 Monate Theorie und Praxis auf der Piper PA28 und der Beech F33 in Phoenix, 5 Monate Theorie in Bremen, 7 Monate Praxis in Bremen auf der Piper PA42 und im Simulator.

Die besten Jobs von allen


Die Ausbildung kostet, abgesehen von Lebenshaltungskosten, zunächst nichts. Nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrags mit einer LH-Konzerngesellschaft trägt der Pilot einen Eigenanteil an den Schulungskosten von 40.903 Euro. Die zahlt er über 8 bis 10 Jahre zurück.

Die Grundschulung schließt mit der ATPL- Lizenz (Verkehrsflugzeugführer) ab. Danach erwerben die LH-Piloten die Musterberechtigung für einen be-stimmten Flugzeugtyp, meist die Boeing 737 oder Airbus 320.

Die Chancen für Bewerber sind derzeit sehr günstig, denn allein acht neu bestellte Airbus 340 erfordern 200 Piloten zusätzlich. In diesem und in den nächsten Jahren wird die LH weit mehr Piloten benötigen, als sie zurzeit ausbildet. Rund 300 Schüler werden dieses Jahr neu aufgenommen.

Die Zugangsvoraussetzungen sind: Hochschulreife, Deutsch und Englisch fließend, 19 bis 27 Jahre, gute körperliche Konstitution, Körpergröße 1,65 bis 1,95 Meter, Sehvermögen besser als +/- 3 Dioptrien, Wehr-dienst abgeleistet oder befreit, EU-Bürger. Außerdem ein zweistufiges, fünftägiges Auswahl-verfahren, das nur 5 bis 10 Prozent der Bewerber überstehen. Für den ATPL-Lehrgang braucht man nur den ersten Teil des Tests, die Berufsgrunduntersuchung, hat dann aber keine ?Firmenqualifikation" für die LH.

Das Gehalt des First Officer nach Abschluss der Linienausbildung liegt bei rund 56.000 Euro. Nach 8 bis 12 Jahren wird man Kapitän und bekommt 110.000 Euro in der Einstiegsstufe. Piloten gehen mit 55 in Ruhestand, demnächst eventuell mit 60.

Auch Lufthansa-Cityline, die 71 Ziele in Europa anfliegt, braucht bis zum Jahr 2003 500 neue Piloten. Vorteil: In drei Jahren kann man hier Kapitän werden.

Als Alternative zur normalen Pilotenausbildung bietet die Lufthansa gemeinsam mit der Hochschule Bremen eine Kombi aus Ingenieurstudium und Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer. Ziel des achtsemestrigen Studiengangs für Luftfahrtsystemtechnik und -management (ILST) ist der Abschluss als Diplom-Ingenieur (FH) und die Airline Transport Pilot License ATPL. Zulassungsvoraussetzung: FH-Reife.

Deutsche Lufthansa AG, Pilot Recruitment, BRE NT/A, Verkehrsfliegerschule, Postfach 28 61 36, 28361 Bremen
Tel.: 0 18 03.5 47 45 68, Internet: www.lufthansa-pilot.de

Info zum Test: Internet: www.vcockpit.de/ausbildungfaq.php
Buchtipp: Der Pilotentest, Hesse/Schrader, Eichborn, 54 Euro.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.06.2002