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Citigroup-Chef feuert drei Top-Manager

Der Citigroup-Chef Charles "Chuck" Prince ist erbost über die vielen Skandale, in die sein Finanzkonzern verwickelt ist. Nun zieht er Konsequenzen aus dem Skandal in Japan.
HB/tmo NEW YORK. Ihr Büro räumen müssen Vize-Chairman Sir Deryck Maughan, Chef des weltweiten Geschäfts außerhalb der USA, Thomas Jones, Chef der Sparte Asset Management und Private Banking, und Peter Scaturro, der unter Jones das Private Banking von Citigroup leitete.Den Entlassungen war eine interne Untersuchung durch den einstigen Chef der nationalen US-Bankenaufsicht, Eugene Ludwig voraus gegangen. Nach Informationen des Wall Street Journals ergab sie, dass alle drei Manager für das Fehlverhalten in Japan verantwortlich sind.

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Die japanische Bankenaufsicht hatte im September sämtliche Private-Banking-Aktivitäten von Citigroup in Japan geschlossen. Die Regulierer werfen dem US-Finanzkonzern vor, jahrelang Geldwäsche über seine Konten geduldet zu haben. Zudem habe Citigroup Kredite vergeben, mit denen Kunden Aktienkurse manipulierten, Risiken seiner Anlageprodukte verschwiegen und Kreditzusagen vom Kauf bestimmter Investments abhängig gemacht.Mit den Entlassungen unterstreicht Prince, dass er die Skandalserie seiner Bank beenden will. Neben Problemen in Japan erzürnte Citigroup kürzlich britische Finanzaufseher mit einer fragwürdigen Anleihespekulation. Citigroup arbeitete auch eng mit Skandalunternehmen wie dem italienischen Nahrungsmittelriesen Parmalat, dem texanischen Energiehändler Enron und dem US-Telekomanbieter Worldcom zusammen.Erst kürzlich hatte Prince die Reparatur des ramponierten Images zur Chefsache erklärt. In den ersten Interviews seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr sagte Prince vor wenigen Wochen, er wolle intern ?mehr über Werte sprechen?. Die Skandale führten zu einer schlechten Entwicklung der Aktie, obwohl der weltgrößte Finanzkonzern unter Prince gute Ergebnisse vorlegte.Der entlassene Sir Deryck Maughan baute das Japangeschäft bei der Investmentbank Salomon Brothers auf, die heute zur Citigroup gehört. Seit 2001 leitete Maughan die neu geschaffene Sparte Citigroup International. Er verantwortete damit das gesamte Geschäft außerhalb der USA. Zuvor hatte Prince bereits den für Japan verantwortlichen Regionalchef entlassen, der Maughan unterstand. In einer zweiten, sachbezogenen Hierarchie-Struktur leitete Asset-Management-Chef Thomas Jones das weltweite Fonds- und Private-Banking-Geschäft der Citigroup. Unter ihm verantwortete Peter Scaturro das globale Private Banking.Analyst Guy Mozkowski von der Investmentbank Merrill Lynch begrüßte den harten Schnitt von Prince. Mozkowski machte die so genannte Matrix-Struktur des Finanzkonzerns mitverantwortlich für den Skandal. Der Begriff bezeichnet die doppelte Hierarchiestruktur bei Citigroup. Danach berichten Manager einerseits an Regionalchefs, aber auch an Vorstände einzelner Geschäftssparten. ?Das Risiko einer Matrix-Organisation liegt darin, dass wichtige Probleme durch das Gitter der beiden Hierarchie-Achsen fallen?, sagt Mozkokwski, ?das ist in Japan offenbar geschehen.? Eine Matrix-Organisation funktioniere nur, wenn man klare Verantwortlichkeiten schaffe. Daher sei die Entlassung der Top-Manager konsequent. Denn die regionale Berichtslinie endete bei Maughan, die Sparten-Verantwortung trugen Scaturro und letztlich Jones.Die Matrix-Organisation bei Citigroup stammt noch aus der Zeit nach der Fusion des Versicherers Travelers mit Citibank zur Citigroup im Jahr 1998.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.10.2004