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Christian von Strotha


Welche Schule?
Warwick Business School
Year of Graduation:
Offizielle Graduation Sommer 1996
Heutige Position:
Vice President Mergers & Acquisitions / Investment seit Anfang 2002 (= Leiter Mergers & Acquisitions sowie Beteiligungsmanagement, dabei Geschäftsführer einer internationalen Holding)
Welche Schule?
Warwick Business School

Year of Graduation:
Offizielle Graduation Sommer 1996, tatsächlich fertig Oktober 1995

Die besten Jobs von allen
5

Heutige Position:
Vice President Mergers & Acquisitions / Investment seit Anfang 2002 (= Leiter Mergers & Acquisitions sowie Beteiligungsmanagement, dabei Geschäftsführer einer internationalen Holding)

Bei (Unternehmen):
Siemens Business Services; IT Services Tochter des Siemens Konzerns mit ca. ? 5 Mrd. Umsatz, ca. 34.000 Mitarbeitern und ca. 100 Tochtergesellschaften weltweit.

A. Gehalt und Karriere

1. Rückblickend betrachtet: Wo standen Sie job- / karrieremäßig, als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Vor der Wahl entweder zu promovieren, in Deutschland mein BWL-Studium (unterbrochen wegen einjährigem Master in Management, Economics & Politics in St. Andrews) abzuschließen, oder anfangen zu arbeiten mit, zu der Zeit aus meiner Sicht, nicht wettbewerbsfähigem Abschluss im Vergleich zu abgeschlossenen Diplomkaufleuten.

2a. Hatten Sie vor / bei Antritt des MBA-Studiums eine klare Karriere-Perspektive?
Nur die Vorstellung, dass ich entweder in Richtung Venture Capital, Management oder Consulting wollte, auf jeden Fall Verantwortung übernehmen wollte. Die eigentliche Karriere-Perspektive hat sich mehr während des MBA-Studiums entwickelt.

2b. Hat sich dies dann mit / nach dem MBA auch so entwickelt?
Ja, der erste Job nach dem MBA war im Bereich Investmentbanking als Unternehmensberater für Mergers & Acquisitions.

3. Hat sich der MBA job- / karrieremäßig gelohnt?
Auf jeden Fall! Ohne den MBA hätte ich keinen der mir direkt nach dem MBA angebotenen Jobs bekommen, sowie auch nicht den dann angetretenen Folgejob. Da alle Jobs danach etwas mit dem vorangegangenen Job zu tun hatten, sind diese auch indirekt davon abhängig gewesen.

4a. Wie haben Sie Ihr MBA-Studium finanziert?
Verzehr von Ersparnissen und Schulden bei Eltern und Großmutter

4b. Hat sich die Investition "ausgezahlt"?
Definitiv das beste Investment, das ich je gemacht habe, da ich keinen der mir angebotenen Jobs sonst erhalten hätte und sonst auf wesentlich niedrigerem Niveau hätte anfangen müssen.

B. Alumni-Netzwerk

5. Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk Ihrer Schule für Sie?
Wird meines Erachtens etwas überschätzt, vor allem dann, wenn man im Ausland seinen MBA gemacht und danach wieder zurück in die Heimat zieht. Wäre ich in England geblieben, sähe meine Einschätzung gegebenenfalls anders aus. Aber man gewinnt einen sehr internationalen Freundeskreis, der auch heute noch funktioniert und mir sehr wertvoll ist.

6. Wie nützlich sind diese Kontakte für Sie beruflich?
Ich habe selber bisher keinen Nutzen daraus gehabt, bemühe mich aber für angehende MBA Studenten aus meiner Business School Türen zu öffnen beziehúngsweise Kontakte herzustellen bezüglich Consulting Projekten oder Jobmöglichkeiten, wenn diese mich darum bitten.

C. Rückblickend betrachtet, was haben Sie in Ihrem MBA-Studium gelernt, was in Ihrem heutigen Job von Bedeutung ist?

7. An Fachwissen:
Zum damaligen Zeitpunkt eine Menge an Tools und Fachwissen, dass in vielen Teilen heute noch aktuell und aktiv ist, in vielen anderen Fällen etwas verschüttet ist (aber meine Ordner von damals stehen jederzeit für einen Blick darin bereit) und zum geringsten Teil heute veraltet ist. Außerdem die Fähigkeit, Themen sowohl aus der Hubschrauberperspektive als Generalist sowie im Detail als Spezialist zu betrachten.

8. An sonstigen Fähigkeiten (soft skills etc.):
Den Umgang mit einem immensen, quantitativen Leistungsdruck, arbeiten in Teams, das Bewegen innerhalb und Leben mit anderen Kulturen, die Fähigkeit, die Heimat einerseits kritisch und anderseits mit besonderer Zuneigung zu betrachten - gibt nichts schöneres als einen bayerischen Biergarten!

9. Jedes MBA-Programm, das auf sich hält, verspricht, für eine General Management-Position fit zu machen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Ja, solange der generalistische Ansatz beibehalten wird. In Warwick war dies eindeutig der Fall. Andere Schulen bieten als Differenzierung einen speziellen MBA für Marketing oder Finance an. In meinen Augen ein krasser Widerspruch zur Idee eines MBA Studiums.

10. Fühlten Sie sich nach / mit dem MBA für "höhere" Aufgaben besser gewappnet? Und waren Sie es - aus der Distanz betrachtet - auch tatsächlich?
Ja! Die Frage müßte eher lauten, war ich es vielleicht schon vorher und habe es nur nicht gemerkt!?! Klingt arrogant, aber ich denke, genau darauf wurde ich in meinen Interviews für Warwick untersucht. Bei den Kommilitonen gab es auch nur sehr wenige, bei denen ich den Eindruck hatte, dass sie nicht das Potential dazu hatten. Außerdem, bei Präsentationen vor den Kommilitonen wird man gnadenlos auf Schwachstellen getestet. In den Teams muss man seine Teammembers für seine Ideen begeistern und gegebenenfalls das ganze Team führen - alles ein hervorragendes Training.

D. Die menschliche Erfahrung

11. Welche Bedeutung hat das MBA-Studium für Ihre persönliche Entwicklung?
Es hat dem Selbstbewusstsein sicher nicht geschadet ;-)
Nachdem man diese Quälerei überstanden hatte, glaubte man, dass nichts einen mehr erschüttern konnte. Zum Teil stimmt das auch heute noch. Es hat in einem das Verständnis geweckt, dass es landesspezifische Charakteristika gibt, die ihre guten und schlechten Seiten haben, man es aber einfach nur wissen muss, um damit umgehen zu können. Die Erfahrung, dass man dennoch nicht alles über einen Kamm scheren darf. Zusätzlich die Erfahrung, dass man in der Sache hart diskutieren kann und dennoch gut befreundet sein kann; dass man selbst unter größtem Wettbewerbsdruck Spaß haben und eine Vielzahl enger Freunde gewinnen kann; dass neben all der Arbeit immer Zeit für eine Party ist. Außerdem bekommt man soviel Feedback, dass man danach durchaus ein detailliertes Bild über die eigenen Stärken und Schwächen sowie auch über die Wirkung, die man nach außen abgibt, erhält

12. Ein Punkt, nach dem ich Sie nicht gefragt habe, der Ihnen aber wichtig ist...
Würde ich es wieder machen? Ja sofort, aber nur an einer der Topschulen, nur im Ausland und kein zweijähriges Programm. Würde ich noch mehr Schulden dafür machen, ja unter der obigen Voraussetzung.

13. Ein Ratschlag für jeden, der sich für einen MBA interessiert?
Die Schule nicht nach dem Preis auswählen, sprich nicht sparen; auf MBA-Fairs gehen und am besten Menschen ausquetschen, die bereits an einer interessanten Schule waren; nicht auf eine Schule gehen, an der entweder zu viele Deutsche oder zu viele Einheimische (maximal 50 Prozent) sind - das internationale Flair ist wichtig für den Lern- und Spaßfaktor. Selbstbewusst auftreten, deutsche Kandidaten sind oft sowohl mit ihrem akademischen, beruflichen und privaten (Lebenserfahrung) Hintergrund ihren Kommilitonen gegenüber oft deutlich im Vorteil; an der Lockerheit fehlt es manchmal.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.09.2004