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Chinesin hat marode Pandatel im Griff

Die Pandatel AG gehörte einst zu den Profiteuren der großen Aktienblase am Neuen Markt. Nun hat eine junge Managerin aus China, die sich in Kanada mit ihrer Firma Dowslake Microsystems niederließ, den Kommunikationstechnik-Hersteller übernommen. Beide Unternehmen werden jetzt zusammengeführt.
HB HAMBURG. Wie viele der jungen High-Tech-Werte hatte der Hamburger Netzwerkausrüster beim Börsengang reichlich Millionen eingesammelt und sie dann über die Jahre verpulvert, um schließlich Ende 2005 kurz vor der Insolvenz zu stehen, mit bitteren Konsequenzen für Mitarbeiter und Anleger. Etwa 100 Beschäftigte, rund zwei Drittel, mussten gehen.Für die promovierte Physikerin Dan Yang ist es das erste Engagement in Deutschland. Gewöhnungsbedürftig waren vor allem die starke Stellung des Betriebsrats, der auf die Ausarbeitung eines Sozialplans drang, und das komplizierte Arbeitsrecht. ?Als ich in den USA erzählt habe, dass ich in ein Unternehmen in Deutschland investieren will, hat man mich für verrückt erklärt?, erzählt sie.

Die besten Jobs von allen

Eine große Hürde seien auch die kurzen Arbeits- und langen Urlaubszeiten und die vergleichsweise hohen Bezüge der Arbeiter, die weit weniger Unterschiede zum Ingenieurssalär aufwiesen als beispielsweise in den USA.Yang will den kleinen Kern der Pandatel-Forschungs- und Entwicklungsbasis und den europäischen Vertrieb am künftigen Standort in Hannover erhalten. Für die Produktfertigung der Teile sieht sie in Deutschland keine Aussichten. ?Das produzieren wir günstiger in China?, begründet sie die komplette Produktionsverlagerung, die zur Schließung des Hamburger Standortes führt. ?Die Personalkosten sind in Hamburg um gut ein Zehn- bis Zwölffaches höher als in Schanghai.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Nachfrage auch auf dem europäischen markt für Computernetzwerk-Produkte boomtDie Nachfrage auch auf dem europäischen Markt für Computernetzwerk-Produkte boomt. Die deutschen Ingenieure seien erfahren und gut ausgebildet. ?Allerdings gibt es eine Software- Schwäche in Deutschland.? Auch Pandatel habe viel zu langsam auf die Marktveränderungen reagiert, bestätigt die neue Firmenchefin, die jetzt einen kanadischen Pass hat, die Kritik von Analysten.Entwicklungen wurden verschlafen, die Qualitätsprobleme wuchsen, wie aus der langen Liste von Versäumnissen hervorgeht, die in den Protokollen des Aufsichtsrates festgehalten sind. ?Ich habe 15 Jahre alte Produkte vorgefunden?, kritisierte Yang, in der sich rasant wandelnden Kommunikationstechnik sei dies undenkbar. Viel Geld war beim Börsengang auf dem Höhepunkt des Börsen-Booms in die Kassen geflossen, aus denen das häufig wechselnde Management sich reichlich bediente. Zu 22 Euro hatte die Augusta Technologie AG in Frankfurt als Mehrheitsgesellschafter die Aktie 1999 an die Börse gebracht, der Kurs schnellte im März 2000 bis auf 195 Euro empor. Mit anderthalb Milliarden Euro wurde Pandatel damals bewertet. In dem Jahr erzielte das Unternehmen lediglich einen Umsatz von 36,5 Millionen Euro und einen Gewinn von 5,6 Millionen Euro. Zuletzt notierte die Aktie bei 0,98 Euro.Die Versprechungen über weitere Umsatz- und Gewinnsteigerungen wurden niemals erfüllt. ?Falsche Produkte, falsche Konzepte?, zählte Joachim Siemers von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) die Gründe für den Niedergang auf. ?Geld war genügend da.? Seit 2002 rutschte das Unternehmen immer tiefer in die Verlustzone. Zuletzt überstieg der Verlust den Umsatz. ?Das Unternehmen lebte von der Substanz?, erklärte Interims-Finanzchef Thomas Becker, der im Auftrag des damaligen Großaktionärs eine Lösung suchte.In einer turbulenten außerordentlichen Hauptversammlung der Pandatel Anfang der Woche ist ein Kapitalschnitt und die Wiederaufstockung des Kapitals durch Sacheinlage beschlossen worden, obwohl sich noch einige Anleger wehren wollen. Nun bleibt in Deutschland ein kleines Team von 30 bis 40 Mitarbeitern, das weitere Produkte für die Glasfaser- und Netzwerktechnologie entwickelt und für den Europa-Vertrieb zuständig sein wird. Die Träume des einstigen Börsensternchens sind schon lange ausgeträumt.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2006