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Chef im Schleudersitz

Nirgendwo ist die Fluktuation in den Chefetagen so hoch wie in Deutschland. Jeder zehnte Vorstandsvorsitzende eines Top-Unternehmens musste 2003 seinen Platz räumen, jeder zweite davon wegen schlechter Leistungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie der Managementberatung Booz Allen Hamilton. Damit lag die Entlassungsrate von Spitzenkräften in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt, seit 1995 ist sie um 170 Prozent gestiegen. Und der Erfolgsdruck hält an. Im laufenden Jahr musste bereits Wolfgang Urban wegen dramatischer Gewinnrückgänge den Vorstandsvorsitz beim Essener Handelskonzern KarstadtQuelle abgeben. BMG-Deutschland-Chef Thomas Stein trat nach scharfer Kritik an seinem Führungsstil zurück, Infineon-Chef Ulrich Schumacher wurde vom Aufsichtsrat des Halbleiterkonzerns abgesägt. Besonders gefährdet sind extern rekrutierte und junge CEOs: Sie haben es der Studie zufolge wesentlich schwerer, sich auf dem Chefsessel zu halten, als Hausgewächse oder ältere Konzernlenker.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2004