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Chance für Talente

Knapp ein Jahr nach der Beinahe-Pleite bietet der Handelskonzern KarstadtQuelle seinem Führungsnachwuchs wieder Perspektiven. Nachdem die Entwicklungsprogramme in der Sanierungsphase auf Sparflamme gedreht wurden, hat KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff der Nachwuchspflege nun höchste Priorität eingeräumt.
?Er treibt das Thema deutlich stärker persönlich voran als frühere Vorstände?, schwärmt Ursula Sessinghaus, zuständig für die Führungskräfteentwicklung bei der Karstadt Warenhaus GmbH. Gegenwärtig lässt Matthias Bellmann, Personalvorstand in der Holding, die bestehenden Programme der Warenhaus- und Versandsparte einer Generalinventur unterziehen. Vorbild ist das Management-Learning-Programm, mit dem im vergangenen Jahr erstmals ein konzernübergreifendes Entwicklungstool für die Toptalente geschaffen wurde

Die gesamte Nachwuchspflege des Konzerns soll künftig in einer Karstadt-Academy gebündelt werden, an deren Konzept die hauseigene Unternehmensberatung gegenwärtig bastelt. Dass den Jungmanagern durch die Förderprogramme keine falschen Hoffnungen gemacht werden, zeigen die Karrieresprünge von Harald Gutschie und Bernhard Oppenrieder: Die beiden letztjährigen Teilnehmer des Management-Learning-Programms berief Middelhoff kurz darauf in die Geschäftsführung der Versandhandelstochter Neckermann.de

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Beim Umbau des angeschlagenen Konzerns setzt der Karstadt-Sanierer auf neue Gesichter. Vom alten Vorstand der Konzernholding blieb nur einer übrig, bei der Versandhandelssparte gingen fünf von neun Vorständen, bei der Warenhaussparte zwei von fünf, verriet Middelhoff bei der karriere-Aktion ?Chef zu gewinnen?. Damit bieten sich Chancen für ambitionierte Führungskräfte wie den 43-jährigen Versandhandelschef Marc Oliver Sommer, den Middelhoff bei seinem Ex-Arbeitgeber Bertelsmann abwarb, und seinen neuen Finanzchef Michael Krause (29): Der ?Karriere des Jahres?-Preisträger wechselte kürzlich von Siemens zum Handelskonzern. ?Wir zeigen dem Nachwuchs: Wir investieren in euch, und es bieten sich auch Perspektiven?, sagt Ursula Sessinghaus. Wie wichtig die Pflege vorhandener Talente ist, zeigt eine aktuelle Studie des Personalberaters Hewitt. Bereits heute haben 59 Prozent der Unternehmen ?große Schwierigkeiten bei der Besetzung von Schlüsselfunktionen?, 92 Prozent erwarten Probleme in naher Zukunft. Über 85 Prozent der 140 befragten Konzerne betreiben laut Hewitt kein ?individuelles Personalmanagement?

(pnd/bor)
Dieser Artikel ist erschienen am 04.04.2006