Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Cathrin Pfeiffer

Ausgangsfragen
21.03.03 - Rückblick auf Term 2
Teil 3 - Februar bis Mai 2003
24.04.2003 - AT Kearney Influencing Skills Prize
19./20. Juli 2003 International Business School Regatta









19./20. Juli 2003 International Business School Regatta (Isle of Wight)

Die besten Jobs von allen


Noch voll von den Eindrücken des Wochenendes sitze ich wieder im Vorlesungssaal. Ich bin in bester Stimmung, denn das zurückliegende Wochenende war wohl das beste meines ganzen MBA-Jahres. Die Cranfield School of Management organisiert jedes Jahr die International Business School Regatta auf der Isle of Wight. Dieses Jahr nahmen 10 Business Schools aus ganz Europa (u.a. Bocconi und ESADE) mit 17 Booten teil. Dieses Wochenende werde ich wohl nie vergessen und als eines meiner absoluten MBA-Highlights verbuchen. Ich hatte am Samstag morgen noch Vorlesungen und am frühen Nachmittag sind wir dann Richtung Southampton gestartet. Von dort aus gingŽs mit der Fähre nach Cowes und von der Anlegestelle zu Fuss zum Yachthafen. Alleine aus Cranfield hatten 75 MBAs den weiten Weg (2-3 Stunden Autofahrt) auf sich genommen, um während der Regatta vom Spectator Boat aus die Segelboote anzufeuern. Auf meinem Weg über den Steg zum Boot konnte ich einen Schauer fühlen - ein seltsamer Gefühlsmix aus Wehmut ("Oh Gott, das ist so einzigartig und bald ist alles vorbei") und großem Stolz ("Yesss, ich bin ein Cranfield MBA und morgen liefern wir euch allen ein hartes Rennen"). Die MBA-Boote lagen alle neben- und hintereinander am Steg und auf den Booten MBAs aus aller Welt, die alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben und alle ein ganz ähnliches Jahr hinter sich haben!

Nach einem kleinen Plausch mit der Crew vom Samstag verstaute ich meine Tasche und machte mich auf den Weg zum Abendevent. Zuerst gabŽs ein Steak & Lobster BBQ, gefolgt von einem weiteren Auftritt unserer heißgeliebten MBA-Band "23G": Die MBAs rockten !!! (Bei dieser Gelegenheit muss ich natürlich kurz den Ursprung des Namens erklären: Die Studiengebühr betrug für uns schmerzhafte 23.000 Pfund; auf Englisch umgangssprachlich eben "23 grand").

Ich weiss nicht, mit wievielen MBAs ich an diesem Abend gesprochen habe - jedoch sicherlich mit einigen von jeder Business School. Interessant war, dass wir trotz unterschiedlicher Kulturen an den verschiedenen Schulen doch auch vieles gemeinsam haben. Die Atmosphäre war unglaublich offen und herzlich. Und brachte die Erinnerungen der ersten sechs Monate zurück: Die ersten Fragen sind immer: "Where are you from?" (und weil die meisten Lebensläufe geographisch etwas kompliziert sind, gefolgt von der Frage "And where are you from originally?"), "What did you do before you came here?", "What are you planning to do after the MBA?". Um 24 Uhr war die Party zu Ende und es war höchste Zeit, zurück auf`s Boot zu gehen. An Schlafen war aber, zumindest auf unserem Boot, gar nicht zu denken, denn es war viel zu interessant, sich weiter mit den noch wachen MBAs anderer Business Schools zu unterhalten.

Um ein Uhr bin ich dann auf das andere Cranfield Boot "geflüchtet", um wenigstens ein bisschen Schlaf vor dem großen Rennen am nächsten Tag zu bekommen. Der nächste Tag begann wieder mit Frühstück, gemeinsam mit allen anderen Crews. Ich genoss jede Sekunde, denn je näher das Ende meines MBAs rückt (5. September 2003), desto klarer wird mir, dass ich diese einzigartige freundschaftliche Atmosphäre unter Menschen, die sich kaum kennen, so wahrscheinlich nur selten wieder erleben werde.

Im Gegensatz zur anderen Cranfield Crew segelte unser Boot mit einer "high risk strategy": Wir beschlossen, während des Rennens den Spinnacker zu setzen und das, obwohl nur ein Crewmitglied Regattaerfahrung besass. Das brachte uns dann auch, aufgrund der fehlenden Regatta- und Segelerfahrung, alle möglichen Probleme ein. Aber wir verbesserten uns im Verlauf von drei Rennen, angefeuert von den Cranfield MBAs auf dem Spectator Boat, von Platz 13 auf Platz 7! Und feierten dann nach dem Ende der Regatta erst mal ganz zufrieden mit Tee und Fruitcake (und gesponsortem Cobra Beer) an Deck.

Nach der Preisverleihung im Hafen von Port Solent durch Michael "O", unseren Direktor, ging`s dann, voll von den Eindrücken eines unvergesslichen Wochenendes, wieder zurück nach Cranfield...und zurück zur Arbeit...

24.04.2003 - AT Kearney Influencing Skills Prize

Mein Geburtstag fiel auf einen Donnerstag - und ich hatte schon überlegt, wie ich wohl am besten feiern könnte. Die Entscheidung wurde mir dann am Montag abgenommen als ich eine Email von Sally Glover (Careers Office) erhielt: Ich war für den "AT Kearney Influencing Skills Prize" nominiert worden! Der Preis wird für besondere Fähigkeiten verliehen, die eine erfolgreiche Zukunft in einem Unternehmen versprechen. Für AT Kearney sind das:

1. Confident without being arrogant
2. Persuasive
3. Strong presenters
4. Results orientated
5. Effective networkers and relationship builders at all levels
6. Team players.

Die Verleihung des Preises sollte also an meinem Geburtstag stattfinden, im Rahmen einer Sonder-Vorlesung von Professor Malcolm Macdonald, dem Marketing-Guru der School of Management, und anschliessendem Abendessen mit dem Vice President von AT Kearney UK sowie Cranfield Alumni (Ehemaligen), die jetzt bei AT Kearney arbeiten.

Jemand muss Malcolm vor der Vorlesung wohl informiert haben, denn zu Beginn seiner Vorlesung forderte er zuerst den gesamten Hörsaal auf, mir ein Geburtstagsständchen zu singen! Nach dem Ständchen überreichte er mir gleich noch sein neuestes, natürlich handsigniertes Buch.

Der mit 1.000 britischen Pfund dotierte Preis wurde mir am Ende zwar nicht verliehen, das konnte meiner Stimmung jedoch keinen Abbruch tun. Eine Nominierung ist schon etwas besonderes und der Gewinner des Preises, wie alle nominierten Studenten, ist eine beeindruckende Persönlichkeit und ein sehr sympathischer Kommilitone noch dazu.

Nach dem offiziellen Teil, einem Abendessen mit AT Kearney im Cranfield Management Development Centre (CMDC), folgte der sehr erfreuliche, inoffizielle Teil meines Geburtstags: Im Pub warteten schon meine Kommilitonen und vom Pub aus gingŽs weiter zum "St. James` Whiskey Club" - eine inzwischen schöne Tradition: Unser bevorzugter Pub schließt spätestens um 24.00 Uhr - das ist definitiv zu früh!. Ein trinkfreudiger Kommilitone und Whiskeyliebhaber ("James") hat für alle Nachtschwärmer in seiner Wohnheimküche den "Whiskey-Club" geschaffen. Dorthin zieht es nach Mitternacht all diejenigen, die weiter feiern oder nach dem Lernen noch entspannen wollen.

Im "Whiskey-Club" habe ich noch zwei Alumni kennengelernt. Einer der beiden hat sich erfolgreich selbständig gemacht, ist Millionär geworden und agiert nun als Venture Capitalist für einen Alumnus, der im letzten Jahr hier studiert hat und nun seine eigene Firma aufbaut. Besser hätte mein Geburtstag gar nicht enden können.

Teil 3 - Februar bis Mai 2003

Eine praktische Frage: Braucht man in Cranfield ein Auto?

Das kommt sicher auf die persönlichen Lebenswohnheiten an. Ich besitze aus finanziellen Gründen kein Auto und habe das bisher auch nicht vermisst. Dafür gibt es vier Gründe:

1. Ich wohne auf dem Campus.
2. Bisher habe ich den Campus meist nur einmal am Freitag verlassen, um einkaufen zu gehen. Für mehr bleibt meistens keine Zeit.
3. Campus Cars: Die Universität bietet ein Car-Sharing-Programm. Ich miete das Auto über's Internet (bis zu fünf Minuten vor der gewünschten Autofahrt), hole den Schlüssel an der Rezeption und dann das Auto auf dem fünf Minuten entfernten Parkplatz ab.
4. Der Flughafen London-Luton ist mit dem Auto nur eine halbe Stunde entfernt und ich konnte bisher freitags immer mit Freunden, die das Wochenende in London verbringen, mitfahren.

Februar 2003

Ladies` Touch Rugby: Cranfield vs. London Business School

Im Oktober hatte ich begonnen, Touch Rugby zu spielen - eine sehr englische Angelegenheit. Run forwards and pass backwards. Es hat einige Zeit gedauert, bis mir das in Fleisch und Blut übergegangen ist. Aber das Training am Freitag und Samstag war eine willkommene Abwechslung zu den endlosen Stunden am Schreibtisch und eine gute Gelegenheit, meine Kommilitoninnen und die Partner der MBAs besser kennenzulernen. Oft haben wir im Regen und Schnee auf dem meist matschigen Rugby-Feld trainiert. Am Mittwoch den 29. Januar hatten wir bei Schneeregen nochmals im Flutlicht trainiert und am 1. Februar wurde es dann ernst: Unser erstes richtiges Spiel am Cranfield vs. London Business School Sportsday! Und gleich gegen den sportlichen Erzrivalen von Cranfield, die London Business School. Weil Cranfield ein einjähriges Programm ist (LBS ist zweijährig) und die Cranfield School of Management etwas kleiner ist als LBS, hatten wir Schwierigkeiten, genügend Spielerinnen aufzustellen. Wir rekrutierten deshalb sieben Partner und eine Angestellte der School of Management.

Um 12 Uhr sahen wir dann die 20 (!) Spielerinnen der London Business School mitsamt Trainer zum ersten Mal. Wir hatten gerade genügend Spielerinnen für ein Spiel und mussten das zweite Spiel mit dem gleichen Team bestreiten! Aber wir waren wild entschlossen zu kämpfen und, wie es sich für MBAs gehört, unsere vorher natürlich genau ausgeklügelten "Moves" anzubringen. Das Spiel war sehr schnell (zu schnell für unsere Moves), hart, aber fair, und obwohl unser Schiedsrichter, ein MBA aus Cranfield, uns, wie wir meinen, unrechtmäßig einen "Try" absprach, haben wir 2:0 gewonnen (dabei hätten wir ihm doch auch so geglaubt, dass er unparteiisch ist)! Das zählte umso mehr, als dieses Jahr zum ersten Mal alle anderen Mannschaften (Fußball, Basketball, Squash, Cricket, Men's Rugby) gegen LBS verloren haben.

Natürlich gab es später eine Siegerehrung und viel Applaus für uns, die erfolgreichen Rugby Ladies.







Der Sports Day war ein wirkliches Highlight in meinem bisherigen Leben als MBA und wurde am Abend gemeinsam mit den LBS MBAs auf unserer Burns Night bei "Haggis, Neeps and Tatties", Whiskey und den traditionellen Gedichten nochmals wunderbar gefeiert. Robert Burns ist ein schottischer Nationalheld: "Scotland's favourite son and champion of the common people". Die schottischen Tänze (ähnlich wie Square Dance) hatten einige von uns zwar - mehr oder weniger - an den vorangegangenen Donnerstag Abenden geübt, leicht beschwipst war die Schrittfolge jedoch plötzlich nicht mehr ganz so klar und so verbrachten wir, gemeinsam mit den LBS-Sportlern, den Abend damit, uns zu verknoten, um dann unsere verknoteten Arme und Beine wieder zu entknoten.

The Press Conference

In der darauffolgenden Woche holte mich dann natürlich sofort der Ernst des MBA-Lebens wieder ein: Personal Communication Skills. Eine einzigartige Einrichtung und wichtiger Teil des MBA-Programms in Cranfield ist die Pressekonferenz mit Journalisten und das Interview mit Peter Hobday, einem aufgrund seiner unerbittlichen Interviews gefürchteten Radiomoderator der BBC. Im Januar hatten wir im Learning Team zum ersten Mal dafür geübt. Das Szenario war folgendes:

Wir, das Learning Team, sind eine Investmentbank, die in ein Biotech-Unternehmen investiert hat. Ein Tochterunternehmen dieser Biotech-Firma hat bei der Forschung an einem neuen Medikament gegen Krebs zufällig eine Hautcreme entdeckt, die angeblich hautstraffende Wirkung hat. Leider erschienen an diesem Morgen in der Sun (das englische Pendant zur Bild) Bilder eines Beagles ("Snuffy"), der über und über mit Hautgeschwüren bedeckt war - angeblich, nachdem das Tochterunternehmen der Biotech-Firma die Hautcreme am Hund getestet hatte.

Nun mussten wir als Vorstand der Investmentbank unser Investment in einer Pressekonferenz gegen sechs echte Journalisten verteidigen. Natürlich hatten wir uns vorher auf unsere Rollen (Finance Director, Managing Director etc.) geeinigt und uns genau überlegt, was wir sagen würden. Das bedeutete leider aber nicht, dass wir für das Feuerwerk an Fragen gewappnet waren, die uns in der Pressekonferenz entgegenflogen ("What has happened to Snuffy? Do you know where Snuffy is now? So where is Snuffy now?"). Und natürlich beschloss ein Mitglied unseres Learning Teams, wahrscheinlich angesichts des immer größer werdenden Drucks durch die Journalisten, plötzlich von unserer Strategie abzuweichen... and there he went: "Yes, we did kill 400 rats and 100 cats and many dogs" (...Moment mal, wir waren doch die Investmentbank, der Journalisten versuchten, etwas in die Schuhe zu schieben und nicht das Biotech-Unternehmen!!!!). "But it is for the benefit of the women who will be using our anti-wrinkle cream". Journalist: "So are you saying it is okay to kill dogs to develop an anti-wrinkle cream?". "Yes, just think of all those unhappy women with wrinkles...". No No No No No! Aber das war nur die Übung. Um solche kleinen Desaster in der "echten" (d.h. bewerteten) Pressekonferenz zu vermeiden, hatte mein Team vorher beschlossen, einfach alles abzustreiten (wir waren diesmal der Vorstand eines Unternehmens, das in Nigeria nach Öl bohrt und angeblich in mehrere Skandale verwickelt war). Aber von unserer Geheimhaltungsstrategie waren leider weder die Journalisten noch unser Dozent begeistert. Und so gab's leider nur 50%. Aber ich habe definitiv gelernt wie ich mich verhalten muss: Aufrichtig. Stick to the truth. And do apologise if necessary!

The WAC - Written Assessment of a Case

Eine weitere Besonderheit des MBA-Studiengangs in Cranfield sind die Written Assessments of a Case (WAC). Im Pflichtteil des Studiums (Term 1 und 2) muss man insgesamt vier WACs schreiben (in Accounting, Mikroökonomie, Makroökonomie und Finance), mit denen Beratungssituationen simuliert werden sollen. Und das funktioniert so: Um 11.30 Uhr an einem Freitag befindet sich im Brieffach eine Case Study. Zur Bearbeitung dieser Fallstudie hat man genau 26,5 Stunden Zeit, und um 14.00 Uhr am Samstag muss man die bearbeitete Fallstudie an der Universitätsrezeption abgeben.

Am Morgen auf dem Weg zum Brieffach hat man das Gefühl, gleich eine Strafarbeit in Empfang nehmen zu müssen. Um 11.30 Uhr holt man die Fallstudie aus dem Briefach und liest sich den Fall zum ersten Mal durch. Danach trifft man sich im Learning Team und spricht erste Lösungsansätze durch, die man dann im "Stream Dump" vorstellt. Im "Stream Dump" treffen sich am Nachmittag alle MBAs eines Streams (je nach Größe des Jahrgangs 40-60 Studenten) und jedes Learning Team stellt seine Lösungsansätze vor. Danach trifft man sich wieder im Learning Team und arbeitet weiter an der Lösung. Mit dem Stream Dump und den Learning Team Meetings am späten Nachmittag nehmen die Lösung und mögliche Empfehlungsansätze dann langsam Gestalt an. Idealerweise geht man dann um 19 Uhr nach Hause und beginnt zu schreiben. Meist die Nacht durch, um dann am nächsten Tag um zehn Minuten vor zwei über's Rugby-Feld zu rennen und die Arbeit noch pünktlich abzugeben.

Der gefürchtete Finance-Case war anspruchsvoll ("Dynashears"). Um 20.00 Uhre saß ich mit meinem Team immer noch im Pig Pen (Arbeitsbereich des Learning Teams), um den Cash Flow zu erstellen. Um 21.00 Uhr saß ich dann in meinem Zimmer vor dem Laptop, hatte Schwierigkeiten, meine Argumentation durch Zahlen in der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und im Cashflow zu belegen, und immer noch kein Wort geschrieben. Zum Glück wohnt Neill, ein erfahrener Accountant (und ebenfalls MBA) nur drei Zimmer weiter. Er hat mir alle meine Fragen beantwortet und es "hat geklickt". Für mich als Geisteswissenschaftlerin ein tolles Erfolgserlebnis. Ich konnte den Case lösen, Empfehlungen abgeben und sogar drei Stunden schlafen!

Ein "After-WAC" Sonntag in der Lanchester Hall Kitchen

März 2003

Ende des zweiten Terms

Nach vier Exams in drei Tagen fand am Mittwoch, den 19. März zunächst die obligatorische End-Of-Term Party statt. Als Deutsche war ich skeptisch: Eine "Siebziger Jahre"-Party. Trotz Stress bis kurz vor der Party und Report-Deadlines am nächsten Tag hatten sich fast alle große Mühe gegeben und mit Kostümen aus dem Kostümverleih oder Klamotten aus dem Charity Shop versorgt. Unsere MBA-Band "Twenty3G" hatte ihren ersten Auftritt und "das Publikum tobte"!


Die MBA-Band der Cranfield School of Management

Die besten Jobs von allen

Asian Afros















Skifahren in Lac de Tignes

Zwei Tage später flog ich mit 83 MBAs, ihren Partnern und acht Kleinkindern nach Tignes (Frankreich) zum Skifahren. Nach dem zweiten Term und weiteren harten 10 Wochen eine willkommene Erholung und die erste Möglichkeit, viele MBAs auch privat besser kennenzulernen. Denn während des Terms bleibt für lange Unterhaltungen oft keine Zeit. Eine Woche Sonnenschein, Pulverschnee und viel Zeit...

Checking out the Tignes Apres Ski

April/Mai 2003 - Term 3

27. Mail 2003

Die ersten sechs Wochen des dritten Terms sind vorbei und mein Stundenplan besteht jetzt nur noch aus Wahlfächern ("Electives") und Projekten für Unternehmen ("Independent Projects"). Ich habe mich für drei Projekte entschieden:

1. DaimlerChrysler UK Ltd., Milton Keynes
· smart: Untersuchung innovativer Verkaufskanäle (B2B) im britischen Markt (Kundensegmentierung, Critical Success Factors, Erstellung einer Kostenanalyse, Untersuchung der Financial Viability und Analyse der Operating Risks)
2. Lexus GB Ltd., London
· Entwicklung einer Preisstrategie für Lexus basierend auf einer Analyse der Wettbewerbsvorteile, Kernkompetenzen und Markenpositionierung im britischen Marktvergleich
3. Landrover UK Ltd., Warwick
· Entwicklung von Ansätzen für eine CRM-Strategie für Landrover

Zudem lerne ich im Moment noch auf das Postgraduate Diploma in Marketing des Chartered Institute of Marketing.

Die Hoffnung auf einen lockeren Sommer wird sich wohl nicht verwirklichen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Term 3 und 4 mindestens genauso arbeitsreich werden wie Term 1 und 2. Das Arbeitsvolumen und die Auswahl der Electives hängt aber ganz von den eigenen Vorlieben ab. Cranfield ist eine der Business Schools mit dem größten Angebot an Wahlfächern: Finance, Marketing, Project Management oder HR Track sind wohl die beliebtesten Fachrichtungen, mit denen man sich neben dem MBA noch eine Zusatzqualifikation erwerben kann. Wer einen Sommer mit vielen Barbecues bevorzugt und lieber Partys feiert als lernt, kann sich seine Wahlfächer auch danach zusammenstellen. Ich kenne jedoch niemanden, denn zum einen liegt die Investition von 23.000 Pfund in das Studium noch nicht zu lange zurück (and being MBAs we all want value for money). Noch dazu sieht es auf dem Arbeitsmarkt nicht rosig aus, und jeder versucht sich durch die Wahl der Electives und Projects so vorteilhaft wie möglich zu positionieren.

21.03.03 - Rückblick auf Term 2

Ich kann es kaum glauben - die Zeit vergeht viel zu schnell! Nun stehe ich schon am Ende des zweiten Terms, sechs Monate meines einjährigen MBAs sind vorbei und ich habe alle meine Pflichtfächer absolviert. Jetzt freue ich mich auf die Wahlfächer, meine Independent Projects, den Sommer und es bleiben leider (!) nur noch fünf Monate, um die so liebgewonnene und einzigartige Atmosphäre hier in Cranfield zu geniessen. Im Moment blüht es überall auf dem Campus, aus vielen Kommilitonen sind inzwischen liebe Freunde geworden und ich bin jeden Tag froh über meine Entscheidung für Cranfield.

Jetzt heißt es nur noch, die Prüfungsergebnisse der zweiten End-of-Term Exams abwarten. Ich bin jedoch, was die Ergebnisse meiner Prüfungen angeht, ziemlich zuversichtlich, denn auch in den Pflichtfächern des 2. Terms, Project Management, E-Business, Macroeconomics, Human Resources, Finance und Strategy sind die End-of-Term Exams nur ein Teil der Gesamtnote. In Human Resources macht der Group Report, den ich zusammen mit meinem Learning Team verfasst habe, 40% der Gesamtnote aus, in Strategy zählt der Group Report 30%.

Wieder liegen drei aufregende Monate hinter mir, jeder einzelne Tag voll mit Eindrücken und wieder habe ich vieles erreicht, was mir vorher schwierig bis unmöglich schien.

Januar 2003

Learning Teams und Organisational Behaviour

Ein wichtiger Teil der "Cranfield Experience" sind die Learning Teams. Ganz zu Anfang des Studiums in der Orientation Week Anfang Oktober 2002 stellte die Schule Teams von jeweils sechs Teammitgliedern zusammen, mit denen man dann für einen Term (ca. drei Monate) zusammenarbeiten muss.

Mein Learning Team im 1. Term bestand aus Paul (32, Engländer, zuvor "Accountant" bei PriceWaterhouseCoopers), Andrew (38, Australier, zweifacher Familienvater, der mit seiner Familie für den MBA von Papua Neuguinea nach England gezogen ist), Quan (30, Vietnamese, seine Frau erwartet im April das erste Kind), Dan (33, Engländer mit Frau und Haus in London) und Victor (31, Ingenieur aus Spanien mit Frau in Barcelona). Mit dem Learning Team bereitet man sich auf Vorlesungen vor, bespricht Fragen, bearbeitet Case Studies und schreibt Group Reports, die in vielen Fächern Teil der Gesamtnote sind.

Die Rolle des Learning Teams veränderte sich im Laufe des ersten Terms zunehmend. Zu Anfang des ersten Terms stand die Vorbereitung der Vorlesungen im Vordergrund und die Learning Team Meetings waren Bestandteil des "Three Day Cycles": Für die Vorbereitung der Vorlesungen am Mittwoch liest man zum Beispiel am Montag abend das Hintergrundmaterial im Course Book und Case Pack sowie die Case Studies. Am Dienstag nachmittag, nach den Vorlesungen am Morgen, trifft sich das Team, spricht die Case Studies und offene Fragen für die Vorlesungen am Mittwoch durch, erklärt den Teammitgliedern, die etwas nicht verstanden haben, das Thema und bereitet gegebenfalls Präsentationen vor. Am Mittwoch wird das vorbereitete Thema dann in der Vorlesung sozusagen abschliessend behandelt. Dies stellt sicher, dass das Wissen und die Erfahrung beim Studenten auch gut verankert sind. Am Dienstag abend liest man dann für die Vorlesung am Donnerstag etc., so dass ein Tag jeweils aus Vorlesungen am Morgen, Gruppenarbeit am Nachmittag und individueller Vorbereitung am Abend besteht. Je näher jedoch das Ende des ersten Terms rückte, desto größer war der Druck, der auf dem Team lastete, denn die Fristen für unsere Group Reports rückten immer näher, es gab mehr und mehr Case Studies zur Bearbeitung und die Arbeitsbelastung wurde zunehmend größer. Das Learning Team muss die umfangreichen Group Reports gemeinsam verfassen und die Bewertung des Group Reports gilt für alle gleichermaßen. Hier liegt natürlich die Schwierigkeit: Sechs erwachsene Menschen aus drei, vier oder sogar fünf verschiedenen Kontinenten mit völlig unterschiedlicher Berufserfahrung müssen sich auf ein Thema und einen Wortlaut einigen!

Circa 10 Learning Teams haben ihre "Pig Pens" (wörtliche Übersetzung: "Schweinestall", d.h. ein mit Stellwänden abgetrennter Arbeitsbereich, ausgestattet mit Flip Charts und Whiteboards) in einem großen Raum, ähnlich einem Großraumbüro. Nicht selten konnte man (natürlich nur bei anderen Teams J) Konflikte, kleinere Wutausbrüche und Walk Outs beobachten. Begleitet wurde dieser manchmal schwierige und langwierige Prozess der Teambildung im 1. Term durch ein Pflichtfach, "Organisational Behaviour" (OB). Im OB-Kurs werden theoretische Modelle aus der Psychologie und Soziologie vorgestellt und vom Studenten auf das Individuum, die Gruppe und schließlich das Unternehmen angewandt. Mindestens zweimal pro Woche muss jedes Teammitglied ein QOIT-Formular (Quick Outline of Interpersonal Interaction Tool) ausfüllen. Im QOIT wendet man die erlernten Modelle an und analysiert damit die Interaktionen und Ereignisse im Team. Was als lästige Übung mit schwer erkennbarem Nutzen begann (Wer lies wen nicht ausreden? Wer war dominant? Warum schaltet ein Teammitglied nach 10 Minuten Teamarbeit einfach ab? Wer bildet Allianzen mit wem?), ist für mich im Nachhinein ein grundlegender Bestandteil der "Cranfield Experience". Die Arbeit im Team war zu Beginn manchmal schwierig. Lern- und Arbeitsstile sind oft nicht kompatibel und die Zusammenarbeit schien in vielen Fällen fast unmöglich. Warum will Dan immer endlose Diskussionen? Warum kann Victor keine Entscheidung treffen, ohne vorher Berge von Informationsmaterial durchforstet und ein Excel Sheet erstellt zu haben? Warum ist Quan in unseren Teamdiskussionen immer so zurückhaltend? Und warum erregt mein "typisch deutsches" Effizienzstreben manchmal den Unmut meiner Teammitglieder? Viele Kommilitonen bestätigen meine Erfahrung: OB hat uns toleranter und geduldiger gemacht, weil wir uns unserer Aktionen und Reaktionen bewußter sind. "Touchy-feely stuff" (von vielen im Economics Department auch "Tree-hugging" genannt), aber sicherlich von immensem Nutzen im späteren Berufsleben.

Project Management

Term 2 (6.1.-21.3.2003) begann mit einem neuen Team und einer sehr intensiven Woche des Project Managements. Mein Learning Team besteht dieses Mal aus sieben MBAs: Yemisi (33, Investmentbankerin aus Nigeria, die mit ihren zwei kleinen Kindern und einer Nanny hier ist), Guillermo (33, Chilene, verheiratet, ein zweijähriger Sohn), Andy (37, Brite), Bin (27, Chinese), Chris (26, Amerikaner) und Nilesh (27, Brite mit indischen Eltern). Gleich am Montag morgen begann die Woche mit Vorlesungen und Gruppenarbeit zu Projektplanung, Risk Management, Work Breakdown Structures und Gantt Charts.

Die Aufgabe: Bau eines Lagerhauses. Wie viele Kräne und wieviel Material werden wann gebraucht? Und wie beeinflusst unsere Planung den Cash Flow? Wie können wir Schwierigkeiten, wie unberechenbare Lieferzeiten für einige Teile sowie Arbeiter, die Dienst nach Vorschrift machen und deshalb zu langsam arbeiten, umgehen? Das neue Team musste ohne Eingewöhnungszeit sofort funktionieren. Schnell zeigte sich jedoch, dass die kulturellen Unterschiede im neuen Team sehr groß waren. Trotz jeweils 12 Stunden Arbeit und langen Diskussionen am Montag und Dienstag waren die Ergebnisse unserer Planung bis Dienstag Abend sehr mager. What was wrong? And how could we make the team work? Wir konnten uns nur schwer auf Lösungsansätze einigen, diskutierten viel zu lange über Einzelheiten und konnten keine Entscheidungen treffen. Jetzt war das Wissen aus unseren OB-Vorlesungen gefragt. Noch am Dienstag Abend entschieden wir uns für eine klarere Rollenverteilung: Jeweils einen Verantwortlichen für Material- und Krandisposition, "Gantt Chart"-Verwaltung und Finance.

Wir ernannten Yemisi zur Projektmanagerin und gaben ihr volle Entscheidungsgewalt im Streitfall. Bin hatte eine geniale Idee für den Kran- und Materialeinsatz, die zunächst keiner verstand und deshalb eine weitere Stunde der Erklärungen und Diskussionen erforderte. Aber unsere Geduld und der Willen zur Zusammenarbeit machten sich bezahlt: Wir erwirtschafteten den zweitbesten Gewinn in der Projektsimulation am Donnerstag und Freitag - und das, obwohl Nilesh, unser Finance Director, zu Beginn des Projekts ein Neuling in Sachen Finance war und uns ein gravierender Fehler bei der Personaldisposition unterlief! Die Woche endete nach der Präsentation unserer Planung und Ergebnisse mit Wein und Snacks, um die Erfolge einer anstrengenden Woche zu feiern.

Man hatte uns gesagt, dass Term 2 mindestens genauso anstrengend werden würde wie Term 1 und die erste Januarwoche hatte genau das bestätigt: Also weitere drei Monate mit wenig Schlaf, noch weniger Freizeit und langen Nächten in der Pig Pen...

International Week

...und trotzdem blieb noch Zeit für viel Spaß und "Socialising"! Die International Week hat in Cranfield schon Tradition. Eine Woche lang tragen Studenten in den Vorlesungen ihre nationale Tracht, und an den Abenden gibt es Ländervorträge, Veranstaltungen und ein internationales Buffet. Die deutschen MBAs tischten deutschen Kuchen, Flädlesuppe, selbstgebrannten Schnaps, Pumpernickel, Salami und Bier auf, und unsere Kommilitonen waren begeistert! Die Begeisterung war für mich überhaupt das beste an der International Week. Jeden Abend kam ein Großteil der Studenten zurück an die Uni, nahm an Vorträgen teil und verkostete mit großer Freude nationale Spezialitäten. Mit soviel Interesse hatte ich nicht gerechnet: Wir tauschten Rezepte und natürlich zahlreiche Komplimente für kulinarische Genüsse aus. (Und aufgrund der großen Nachfrage wird in unserer Küche wohl demnächst ein deutscher Back-Kurs stattfinden)

Die Cranfield School of Management und ihr neuer Direktor Seit Januar hat die Cranfield School of Management übrigens einen neuen Direktor, Michael Osbaldeston (und weil der Name so schwer auszusprechen ist, ab dem zweiten Tag für alle nur noch Michael "O"). "The MBA Career Guide" veröffentlichte in der letzten Ausgabe ein interessantes Interview mit Michael "O" zum Thema "Personal development - the key differentiator of the Cranfield MBA" (der Artikel wurde mir freundlicherweise von www.topmba.com zur Verfügung gestellt). Die Web-Adress der Cranfield School of Management lautet: www.cranfield.ac.uk/som/mba . Bei Fragen zur Bewerbung steht das Admissions-Büro gerne Rede und Antwort. Tel.: +44-1234-75 44 31, Email: MBAadmissions@cranfield.ac.uk. Alle anderen Fragen beantwort ich gerne unter cathrin.pfeiffer.ftmba.02@cranfield.ac.uk.

Mein Rückblick auf Februar und März 2003 folgt demnächst - so watch this space!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Jetzt bin ich also eingetaucht in den Kosmos Cranfields mit seinen WACs, QOITs und 3-day cycles. Der erste dreimonatige Term (von vieren) ist überstanden und es ist Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen, Akronyme zu erklären und die interessierte "Real World" an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

In meinem Leben vor Cranfield war ich selbständige Simultandolmetscherin. Ich habe an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, der Thames-Valley-University in London (UK) und der Universidad de Valencia (Spanien) Dolmetschen studiert (mit Volkswirtschaft im Nebenfach) und mich nach meinem Diplom als Konferenzdolmetscherin für Englisch und Spanisch selbständig gemacht.

Zwischen 1998 und 2002 habe ich mir einen guten Ruf im deutschen Dolmetschmarkt erarbeitet und mich auf die Verdolmetschung von Verhandlungen, Konferenzen und Symposia im Bereich Automobil spezialisiert. Nach vier Jahren intensiver Arbeit am Aufbau meines kleinen Unternehmens war ich 2001 gut im deutschen Markt etabliert, hatte einen ansehnlichen Kundenstamm und sehr viel mehr Arbeit als ich alleine bewältigen konnte. Nachdem ich vier Jahre mit Unternehmen unterschiedlicher Größe und in sehr unterschiedlichen Industriebereichen zusammengearbeitet hatte, war ich jedoch überzeugt, dass der Dolmetschmarkt langfristig schrumpfen würde. Gleichzeitig hatte ich mich an das Arbeiten unter Druck im internationalen Umfeld gewöhnt und stellte fest, dass mir der kaufmännische Teil meiner Arbeit schließlich mehr Freude bereitete als das Dolmetschen selbst.

Ich beschloss, meine bis dahin eher intuitive kaufmännische Erfahrung durch eine formale betriebswirtschaftliche Ausbildung zu ergänzen.

Warum ein MBA?

Während meiner Arbeit als Dolmetscherin habe ich zahlreiche Projekte im Bereich Operations Management in der Automobilindustrie begleitet. Thematik und Industrie faszinieren mich. Die einjährigen britischen MBAs sind meist so angelegt, dass die ersten zwei Terms (sechs Monate) allgemeine betriebswirtschaftliche Fächer abdecken (in Cranfield sind das: Accounting, Finance, HR, Economics, Strategy, Operations Management, Quantitative Methods, Marketing), während die letzten sechs Monate der Spezialisierung und Vertiefung dienen. Ein MBA bietet mir die Möglichkeit, mich mit den Fächern auch auf akademischer Ebene vertraut zu machen, um dann die richtigen Entscheidungen für meine zukünftige Karriere zu treffen.

Warum Cranfield?

Meine Selbständigkeit aufzugeben, um eine Karriere in einem internationalen Unternehmen anzustreben, stellt natürlich ein bedeutendes, wenn auch nicht unkalkuliertes Risiko dar.

Nachdem ich einige Monate recherchiert hatte, wurde klar, dass ich an eine renommierte Business School wollte, nicht nur, um eine wirklich fundierte betriebswirtschaftliche und quantitativ anspruchsvolle Ausbildung zu erhalten, sondern auch, weil ich daran gewöhnt war, mich schnell in neue Bereiche einzuarbeiten und deshalb eine Business School mit einem hohen Tempo brauchte, um mich nicht zu langweilen.

Bei meiner Auswahl der Schule habe ich folgende Kriterien angewandt:

Großbritannien
Ich wollte in einem englischsprachigen Land studieren. Mit der Entscheidung für Großbritannien habe ich mir meinen persönlichen Traum erfüllt, an einer renommierten englischen Universität zu studieren, die auch weltweit einen guten Ruf geniesst. Ich habe mich gegen die USA und für Großbritannien entschieden, weil die meisten amerikanischen Programme zweijährig sind. Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter der Studenten an vielen britischen Business Schools höher als an amerikanischen Business Schools und entsprach damit eher meinem Alter (31 Jahre). Da ich plane, nach meinem MBA in Europa zu arbeiten, sprach außerdem die stark amerikanische Ausrichtung der US-Business Schools gegen ein Studium in den USA.

Strenge Auswahlkriterien der Schule (Berufserfahrung, TOEFL und GMAT)
Wendet die Schule strenge Auswahlkriterien an, so ist dies ein Indikator dafür, dass die zukünftigen Kommilitonen über interessante Berufserfahrung, ausreichende Englischkenntnisse und ein mathematisch-logisches Grundverständnis verfügen, um beim schnellen Tempo an der Business School mitzuhalten und in den Diskussionen in angemessener Zeit wertvolle Beiträge zu liefern.

Ranking
Business Week, Financial Times und seit diesem Jahr auch der Economist veröffentlichen die international wohl einflussreichsten Rankings. Die MBA-Rankings zu lesen, ist eine Wissenschaft für sich. Wie bei allen Statistiken muss man sich fragen, welche Methodik und welche Kriterien dem Ranking zugrunde liegen. Viele amerikanischen Business Schools werden hoch eingestuft, weil der Einkommenszuwachs nach dem MBA als eines der wichtigsten Kriterien gewichtet wird. Dabei verzeichnen junge Studenten mit vergleichsweise wenig Berufserfahrung nach dem MBA natürlich in der Regel einen höheren Einkommenszuwachs als Studenten mit mehr Berufserfahrung. Ein guter Platz im Ranking sagt jedoch oft nichts über andere wichtige Faktoren aus, wie z.B. die Zufriedenheit der Studenten mit dem Programm ("Value for money"). Trotzdem sind Rankings wichtig, denn, ob objektiv oder nicht, sie beeinflussen das Ansehen einer Business School und damit das Ansehen des MBAs, den man später erhält.

Einjähriges Programm
Nachdem fest stand, dass ich nach Großbritannien wollte, habe ich mich über die britischen Schulen informiert, die in den internationalen Rankings (Business Week, Financial Times) an 1. - 8. Stelle stehen. Das Programm der London Business School ist, wie die meisten amerikanischen Programme, zweijährig und schied u.a. aus diesem Grund aus (LBS bietet außerdem Finance als Schwerpunkt und kam auch deshalb nicht in Frage). Ich strebe einen "Career Change" an. Das bedeutet, ich habe meine bisherige Berufserfahrung in einem völlig anderen Bereich gesammelt. Ich habe mich deshalb für ein intensives einjähriges Programm entschieden, um dann innerhalb kürzester Zeit wieder ins Berufsleben einsteigen zu können.

Teaching Excellence
Währed des Preview Days, einem "Schnuppertag", an dem Cranfield neuen Bewerbern seine Türen öffnet, war ich beeindruckt von der Qualität der Vorlesungen. Die "Lectures" in Cranfield sind spannend und interessant - meist das Highlight eines langen Tages. Da die Vorlesungen anspruchsvoll und der Stoffumfang beachtlich ist, hängt viel von der Qualität der Vorlesung ab. Ich habe sehr viel Geld bezahlt, also möchte ich mich während der Vorlesungen nicht langweilen.

"Gut Feeling"
Ich habe drei britische Schulen besucht und hatte beim ersten Besuch gleich den Eindruck, dass Cranfield die richtige Schule ist. Die Bewerber, die ich beim Preview Day und am Interview Day kennengelernt habe, waren überdurchschnittlich intelligent, erfahren, aber nicht arrogant. Die Atmosphäre ist persönlich, offen und freundlich und Cranfield hat mich schon während des Bewerbungsprozesses durch seine "Kundenfreundlichkeit" und außerordentlich gute Organisation beeindruckt - genau so, wie man es von einer Business School erwarten sollte.

Rückblickend gibt es einige Faktoren, die ich bei der Auswahl der Schule nicht beachtet habe, die aber jetzt von großer Bedeutung sind.

Ein Jahrgang besteht in Cranfield aus durchschnittlich 240 Studenten. Je größer der Jahrgang ist, desto größer ist der Pool an Erfahrung, auf den man während der Vorlesung und in den Learning Teams zurückgreifen kann. Da man sich während der Zeit an der Business School ein Netzwerk an Freunden aufbaut, ist eine größere Anzahl von Kommilitonen sicher von Vorteil.

Cranfield ist eine "Campus University". Das bedeutet, ein Großteil der Studenten wohnt auf dem Campus oder in der unmittelbaren Umgebung. Dadurch wird der Zusammenhalt zwischen den Studenten stark gefördert. Wir haben großes Interesse daran, uns gegenseitig kennenzulernen und unsere knapp bemessene Freizeit miteinander zu verbringen.

Gleich am zweiten Tag in Cranfield wurden wir mit einem "Cranfield-ready" Laptop ausgestattet. Ich wohne auf dem Campus und bin über einen LAN-Anschluss mit dem Intranet der Schule verbunden. Das erleichtert die Kommunikation, den Zugang zu wichtigen Medien, wie Online-Tutorials, und erspart Computer- und Kompatibilitätsprobleme, für deren Lösung man oft gar keine Zeit hätte.

Was hat mich überrascht?

Bevor ich hierher kam, war ich überzeugt, dass meine "Soft Skills" gut entwickelt seien und der Erwerb von betriebswirtschaftlichem Fachwissen für mich im Vordergrund stehen würde. Inzwischen habe ich erkannt, dass Wissen zwar einen wichtigen Teil des MBAs ausmacht (insbesondere für mich als "Fachfremde"), jedoch nur ein kleiner Teil des Gesamtpakets ist!

Ich hätte nicht erwartet, dass der MBA eine Herausforderung auf so vielen Ebenen darstellt und damit meine persönliche Entwicklung "multi-dimensional" fördert. In Cranfield wird sehr viel Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Der Jahrgang wird in 4 "Streams" (Gruppen) unterteilt, die jeweils gemeinsam die Vorlesungen besuchen. Innerhalb des Streams ist man während des gesamten Terms Mitglied eines sechsköpfigen "Learning Teams", mit dem man sich auf die Vorlesungen vorbereitet, Case Studies durcharbeitet und Präsentationen schreibt. Man kann das Learning Team nicht wechseln und muss lernen, mit den Mitgliedern zurechtzukommen. Das kann zur großen Herausforderung werden, denn die Arbeitsbelastung ist hoch, die Teams sind multi-kulturell und die Arbeitsstile oft wenig kompatibel. Das ganze wird im ersten Term durch Vorlesungen in Organisational Behaviour begleitet, in denen man viel über unterschiedliche Charaktereigenschaften, Lernstile und Teamarbeit erfährt. Man schreibt wöchentlich 2-3 QOITs (Quick Outline of Interpersonal Interaction Tool), in denen man die Interaktion der Teammitglieder mit Hilfe eines psychologischen oder soziologischen Modells analysiert. Es war sehr interessant zu sehen, wie dieses komplexe System aus Vorlesungen, Feedback-Sessions und Berichten die Teamfähigkeit vieler Studenten verbessert hat. Gleichzeitig habe ich nie zuvor in meinem Leben in so kurzer Zeit so viel über mich selbst gelernt. Hierauf bauen jetzt die Karriereberatung und die Vorlesungen über Human Resource Management und Leadership auf.

Schon während der Orientation Week Anfang Oktober 2002, die für alle Pflicht ist und von den Studenten des vergangenen Jahres organisiert wurde, stand die Teambildung im Vordergrund. Während der Woche hatte ich mich nach dem Sinn von Ball- und Hüpfspielen gefragt und wollte mich nicht kritiklos der Teamdynamik hingeben. Doch am Ende der Woche standen wir im Forum der Universität und waren fast traurig, dass wir uns ins Wochenende verabschieden mussten. O-Week hat die Basis für die Teamarbeit gelegt, die jetzt für alle so wertvoll ist.

Um die Kollegialität innerhalb der Streams weiter zu fördern, werden unsere Noten normalisiert. Das bedeutet, nicht die Mitglieder eines Streams, sondern nur die vier Streams selbst stehen gegeneinander im Wettbewerb. Dadurch hat sich ein starker Teamgeist entwickelt, die Hilfsbereitschaft unter uns ist enorm und Informationen werden bereitwillig an alle weitergeleitet.

Immer wieder betonen Dozenten, dass Cranfield ein "risk-free environment" ist. Wir werden fast täglich ermutigt, unsere Grenzen auszutesten und Neues auszuprobieren. Die Universität schafft dabei den organisatorischen Rahmen und unterstützt unsere Initiativen. Alle Dozenten haben eine "open-door policy", geben bereitwillig ihre E-Mail-Adresse und oft sogar ihre Handynummer an Studenten weiter.

Was mich angesichts meines "exotischen" Erststudiums (Dolmetschen und Übersetzen) nach Ende des ersten Terms natürlich besonders freut, ist die Tatsache, dass ich mit meinen Leistungen in den Exams und Präsentationen durchaus mit Kommilitonen konkurrieren kann, die zuvor in Deutschland Betriebswirtschaft studiert haben. Damit ist es mir gelungen eine Frage zu beantworten, die mir zuvor sehr viele Leute gestellt haben: Wie willst du das schaffen ohne BWL- oder Ingenieurstudium? Fairerweise muss man hinzufügen, dass es nur noch eine andere Kommilitonin gibt, die zuvor Sprachen studiert hat und dass ich, da für mich wirklich alles neu ist, sicher noch ein Stückchen härter arbeiten muss als 95% meiner Kommilitonen. Aber dafür bekomme ich unglaublich viel für meine 23.000 Pfund Studiengebühren. Ich kann kaum glauben, was ich in den letzten drei Monaten alles gelernt habe!
Dieser Artikel ist erschienen am 15.01.2003