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Campus mit Gerüchteküche

Eva Backhaus
Fotos: Thorsten Krüger, Alciro Theodoro da Silva / Tourist-Information Göttingen
Die Stadt ist klein, hat gerade mal 133.000 Einwohner. Der Uni-Campus stellt sich als idealer Umschlagplatz für Tratschereien dar. Das sollte jeder bedenken, der damit liebäugelt, an der Georg August Universität zu studieren.
Die Stadt ist klein, hat gerade mal 133.000 Einwohner. Einkaufen, bummeln, kaffeetrinken, feiern: Das ganze Leben spielt sich rund um das Gänseliesel ab, den Brunnen auf dem Kornmarkt im Stadtzentrum. Somit ist der kleinstädtische Bürger Göttingens stets über seine dicksten Freunde und ärgsten Feinde informiert. Und will das auch sein, denn der Göttinger im allgemeinen ist ein interessierter und aufgeschlossener Mensch. Er lässt auch gerne andere an seinem eigenen Wissensstand teilhaben. Und so stellt sich in der Studentenstadt natürlich der Uni-Campus als der größte Umschlagplatz von Tratschereien dar. Das sollte jeder bedenken, der damit liebäugelt, an der Georg August Universität zu studieren.

Fensterlos studieren

Die Universität Göttingen gliedert sich in zwei Teile: Einerseits gibt es den zentral gelegenen Bereich der Geisteswissenschaftler, BWLer und Juristen. Andererseits ist da die für Göttinger Verhältnisse weit draußen, aber idyllisch gelegene Nord-Uni der Naturwissenschaftler. Aber ehrlich gesagt: Auch die Naturwissenschaftler sind mit dem Rad in acht Minuten im Hörsaal

Die besten Jobs von allen


Zwar ist die Lage des Zentralen Hörsaalgebäudes der Geisteswissenschaftler am "Platz der Göttinger Sieben" geradezu traumhaft, die äußere Gestaltung dieses Unikomplexes allerdings ist das genaue Gegenteil. Wer sich unter dem Universitätsgelände der altehrwürdigen Georg August Universität auch äußerlich eine Traditionsuniversität vorgestellt hat, wird herb enttäuscht: Der Campus ist ein von Bäumen umstelltes Schotterquadrat. Die wenigen Grünflecken - mit Gras bewachsene Stufen, die sich etwas angeberisch "Rasenterassen" nennen - werden im Sommer von den Studenten bevölkert. Bei den Gebäuden, die sich rund um dieses Quadrat präsentieren, handelt es sich um die wahrscheinlich kostengünstigste Variante des Häuserbaus seit der Erfindung des Betons. Aber was eigentlich braucht ein Gebäude mehr als Türen und Wände? In den Hörsälen wurde deshalb auf die Fenster verzichtet. Somit wird die Konzentration geschickt auf den Professor gelenkt - denn welcher Student hat schon Lust, sich intensiv mit dem braun-grünen 60iger Jahre Ambiente des Hörsaals zu beschäftigen? Der wirklich positive Aspekt bei der Vernachlässigung solcher Äußerlichkeiten: Die Unichefs haben ihre ganze Energie auf die wirklich wichtigen Dinge gerichtet. In Göttingen geschieht dies derzeit vor allem bei den Bemühungen um eine internationale und interdisziplinäre Ausrichtung der Studienangebote. Gerade in den letzten Jahren sind zahlreiche neue Studiengänge eingeführt worden. Informationen hierzu gibt es auf der Uni- Website www.uni-goettingen.de.

Zur Ehrenrettung des Göttinger Geschmacks ist zu guter Letzt doch noch eine architektonische Ausnahmeerscheinung zu loben: Auf dem "Platz der Göttinger Sieben" prunkt das neue Gebäude der hervorragend ausgestatteten Staats- und Unibibliothek. Ein heller Glasbau, bestückt mit ausreichend vielen Arbeitsplätzen. Und wer beim Lernen gern die Nacht zum Tag macht, hat rund um die Uhr die Möglichkeit, Lernplätze im Klinikum an der Nord-Uni zu nutzen. Einziges Manko: Die Leselampe muss man sich selber mitbringen.

Von italienisch bis gut bürgerlich

Für die wohlverdiente Mittagspause sollte unbedingt das Mensaangebot genutzt werden. Die fünf Mensen und neun Caféterien Göttingens bieten eine derartig große Auswahl an Essensmöglichkeit, dass es hierfür sogar eine eigene Zeitschrift gibt! Das Mensaspezial-Heft erscheint alle drei Wochen und fasst den Essensplan der kommenden Tage zusammen. So kann man schon zuhause planen, ob man in der Mensa Italia italienisch isst oder ob es einen vielleicht doch mehr nach den Speisen der in der Innenstadt gelegenen alten "Willi-Mensa" gelüstet.
Eine sehr gute und günstige Einrichtung, um sich abends zu entspannen ist das Unikino. Vier Mal pro Woche werden für 3 Mark 50 sowohl neue Streifen gezeigt, die gerade in den Kinos ausgelaufen sind, als auch Klassiker und Kultiges. Außerdem wird an der Uni gerne kräftig gefeiert, besonders zu Semesterbeginn: Hier lernt man - gerade als Erstsemester - auch viele neue Leute kennen. Feten und Feiern

Groß ist die Kneipenauswahl in Göttingen schon, aber nicht bunt gemischt. Während die BWLer und Juristen in der "Villa Cuba" oder "Schukan" einkehren, halten sich SoWis und Naturwissenschaftler lieber im "Nautilus" oder "GroMo" auf. Nur in wenigen Locations wird diese strikte Trennung nach Fachbereichen durchbrochen, zum Beispiel im Irish Pub oder im "trou", einem alten Gewölbekeller.

Die Kneipen- und Discoszene lernen Erstsemester am besten während der Orientierungsphase (kurz: O-Phase) kennen: So heißen die Tage für Uni-Neulinge, die die Fachschaften immer zu Semesterbeginn anbieten. Die Organisatoren informieren einen zwar auch über Studienrelevantes, aber mindestens genauso ausgiebig über das Göttinger Nachtleben. Zwei Tage O-Phase und wer völlig fremd in Göttingen war, wird ein Duzend neue Bekannte gefunden haben. Bummelt man nach einigen Wochen durch die Innenstadt, bemerkt man sehr bald, dass hier fast jeder jeden kennt, zumindest vom Sehen. Die Stadtzeitung "Trends and Fun" trägt das ihre dazu bei: Klatsch und Tratsch, die neusten Partyfotos und natürlich die Event-Highlights des jeweiligen Monats. Der am sozialen Leben interessierte Student wird sich in Göttingen schnell wohl fühlen. Bevorzugt man jedoch die Anonymität der Großstadt, so ist man hier fehl am Platz.

Um sich die nächtlichen Ausflüge zu finanzieren, stehen einem drei Möglichkeiten offen: 1. Job am Lehrstuhl, 2. Kellnern in einer Kneipe, 3. Telefondienst für das Marktforschungsinstitut Emnid oder den Privatsender Premiere. Einen Job zu finden, sollte somit kein Problem sein. Und wenn doch: Auch das Arbeitsamt vermittelt Teilzeitjobs. Gute Aussichten für die Wohnungssuche

Die Wohnungslage in Göttingen ist durchweg positiv: Es gibt rund 5.000 Plätze in 54 Studentenwohnheimen sowie eine sehr große Auswahl an Wohnungen in und um die Innenstadt. Bemüht man sich frühzeitig, sollte es kein Problem sein, eine Wohnung im Zentrum oder im Umkreis von zehn Minuten zu Fuß zu finden. Die Angebote rund um die Nord-Uni scheinen selbst zu Semsterbeginn nicht zu schrumpfen. Viele ziehen zunächst diese kostengünstigere Wohnlage vor, doch auf Dauer kann kaum einer der Versuchung widerstehen, so nah wie möglich an das Innenstadtleben Göttingens heranzukommen. Diese innenstadtnahe Variante ist zwar etwas teurer, spart aber auch die Taxikosten oder aber die lästigen Fahrradtouren bei Nacht. (Achtung!!! Die Polizei liebt es, auch den Alkoholpegel der Radfahrer zu überprüfen!!).

Preislich gilt in Göttingen: je größer die Wohnung desto billiger die Quadratmetermiete. Während man für eine Einzimmerwohnung ab 30qm in günstiger Lage zwischen 240 und 350 Euro warm rechnen muss, kann man im besten Fall in einer großen WG bereits ein Zimmer ab 180 Euro Warmmiete ergattern

Die günstigsten Wohnungsangebote findet man in den wenigen Hochhauskomplexen in Innenstadtnähe. Zwar sind die Wohnungen meist sehr schön und neu renoviert, jedoch kann das soziale Umfeld dieser Wohnungen einen behütetet aufgewachsenen Studenten durchaus überfordern. Sehr beliebt, aber für die wenigsten bezahlbar, sind in Göttingen die Altbauwohnungen im Ostviertel, das an die beliebte Parkanlage Schillerwiesen grenzt. Die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in dieser Lage verlangt viel Geduld und Motivation.

Wer auf Wohnungssuche ist, sollte sich die Samstagsausgabe vom Göttinger Tageblatt (GT) besorgen. Diese kann man sich bei dem GT direkt bestellen und nach Hause schicken lassen. Außerdem vermittelt das Studentenwerk für eine Gebühr von 5 ? im Monat die Anschriften von Vermietern von Privatzimmern, -wohnungen und -appartments. Um einen Platz im Studentenwohnheim zu bekommen, muss man bei der Zimmer- und Wohnungsvermittlung in der Zetralmensa, Ebene 0, ein Antragsformular ausfüllen. Bei der Such nach einem WG-Zimmer ist ein Blick auf das Schwarze Brett - am besten im zentralen Hörsaalgebäude - besonders erfolgversprechend

Fragen zur Uni-Stadt Göttingen? Mail to: Eva Backhaus

Linktipps:

www.uni-goettingen.de - Universität

www.pfh-goettingen.de - Private Fachhochschule Göttingen

www.jura.uni-goettingen.de - Juristische Fakultät

www.wiwi.uni-goettingen.de - Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

www.mi.med.uni-goettingen.de - Medizinische Fakultät

www.asta.stud.uni-goettingen.de - Asta in Göttingen

www.sport.uni-goettingen.de - Sportzentrum der Univerität

www.studentenwerk-goettingen.de


www.goettingen.de - Stadt Göttingen mit ausführlicher E-Mailliste und weiterführenden Links

www.goettinger-tageblatt.de - Online-Ausgabe vom Göttinger Tageblatt

http://natec.hawk-hhg.de- Technische Fakultät der FH Göttingen
Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2005