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Bye-bye, Ebay!

Von Jens Eckhardt
Meg Whitman will sich von der Spitze des Auktionshauses Ebay zurückziehen. Damit hält sich Whitman mit ihrem Rückzug an ihr eigenes Motto, wonach kein Vorstandschef länger als zehn Jahre an der Spitze eines Unternehmens stehen sollte. John Donahoe gilt als aussichtsreicher Nachfolger.
Nicht mehr lange Chefin bei Ebay: Meg Whitman. Foto: ap
PORTLAND. Die Reporter wollen es genau wissen: "Sind Sie in zehn Jahren noch bei Ebay?" Aber Meg Whitman legt sich nicht fest. "Wenn ein Journalist fragt, wie lange man den Job machen wird, gibt man besser keine Antwort." Das sagt die Ebay -Chefin im vergangenen November dem "Stern".Jetzt wird klar, warum sich die amerikanische Milliardärin alles offen gehalten hat: Die Frau, die je nach Quelle 50 oder 51 Jahre alt ist, will sich in den kommenden Wochen von der Spitze des weltgrößten Internetauktionshauses zurückziehen. Das berichtet das "Wall Street Journal". Als aussichtsreichster Nachfolger wird John Donahoe, 47, gehandelt, den Whitman im Jahr 2005 zu Ebay holte

Die besten Jobs von allen

.Außerdem hält sich Whitman mit ihrem Rückzug an ihr eigenes Motto, wonach kein Vorstandschef länger als zehn Jahre an der Spitze eines Unternehmens stehen sollte, um Ermüdung durch Routine zu vermeiden. Im März hätte sie ihr zehnjähriges Jubiläum.Whitman, die vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" einst als mächtigste Frau der neuen Wirtschaft gekürt wurde, gehört zu den Pionieren des Internet-Zeitalters. Nur Jeff Bezos, Chef und Gründer des Internet-Versandhändlers Amazon, steht länger ununterbrochen an der Spitze einer Internet-Firma.Für Ebay wäre das Ausscheiden von Meg Whitman Schock und Chance zugleich. Denn nach Jahren des rasanten Wachstums und der internationalen Expansion stagniert das Kerngeschäft. Im dritten Quartal 2007 fielen die Auktionsangebote um drei Prozent. Gutes Wachstum verzeichnen noch der Internet-Bezahldienst Paypal und einige Auslandsmärkte, darunter Deutschland. Die Umrechnungsgewinne in den schwachen Dollar verschönerten in den vergangenen Jahren zusätzlich die Ergebnisse. Am heutigen Mittwoch werden die Zahlen für das vierte Quartal erwartet, und die Prognosen sind keineswegs rosig.Überdies hat der europäische Internet-Telefondienst Skype, für den Ebay 2005 rund 2,6 Milliarden Dollar zahlte, die Erwartungen - die im übrigen nie klar formuliert wurden - nicht erfüllt. Im vergangenen Jahr schrieb Ebay für die Skype -Übernahme 1,4 Milliarden Dollar ab.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nach dem Fiasko mit Skype gibt es einen neuen HoffnungsträgerEin Wechsel an der Spitze könnte dem Auktionshaus neue Perspektiven eröffnen und notwendige Reformen einleiten. Donahoe ist Chef des Kernbereiches Internetauktionen. Er kam von der Beratungsfirma Bain & Co., bei der er Jahre vorher mit Whitman zusammen arbeitete. Sollte er Whitmans Nachfolger werden, müsste er nicht nur das Auktionsgeschäft antreiben, sondern auch ein Antwort finden auf die wachsende Konkurrenz von Warenanbietern im Internet, von Amazon über Google bis zur Craigs-list, und neue Erlösquellen erschließen. Nach dem Fiasko mit Skype ruhen die Hoffnungen unter anderem auf einem wachsenden Werbegeschäft im Zusammenhang mit Auktionsangeboten.Nach den ersten Jahren mit drei-stelligen Zuwachsraten, als immer mehr Haushalte Internetanschluss bekamen und Ebay als globalen Trödelmarkt entdeckten, hat sich das Wachstum jüngst deutlich abge-flacht. Schuld daran sind auch Beschwerden über Betrügereien, gegen die Ebay viel zu lange viel zu halbherzig vorging.Meg Whitman war es, die Ebay zur Erfolgsgeschichte machte. Als der Firmengründer Pierre Omidyar 1998 die unscheinbar wirkende Frau ins Unternehmen holte, hatte das Auktionshaus 30 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von 86 Millionen Dollar. Heute erwirtschaftet das Unternehmen mit etwa 15000 Angestellten einen Jahresumsatz von knapp sechs Milliarden Dollar.Whitman brachte den ursprünglichen Internet-Flohmarkt Ende 1998 erfolgreich an die Börse und baute das Geschäft durch Akquisitionen im In- und Ausland stetig aus. In Deutschland übernahm Ebay das Internet-Auktionshaus Alando. Eine der erfolgreichsten Ergänzungen war die Übernahme des Bezahldienstes Paypal. Wie bei Hightech-Firmen üblich, wurde Whitman für ihre Dienste in erster Linie mit Aktienoptionen entlohnt, die sie zur Milliardärin machten. Trotz des schwächelnden Kurses schätzt Forbes ihr Privatvermögen auf 1,4 Milliarden Dollar. Trotzdem blieb sie sparsam. Sie verriet einmal, dass sie auf ihrer kleinen Ranch in Colorado "einen alten Schuppen leer geräumt und den ganzen Kram bei Ebay verkauft" habe.Die Frau, die im Auftreten unscheinbar wirkt, stand im Jahr 2005 bei Ebay schon einmal kurz vor dem Absprung zu ihrem alten Arbeitgeber. Walt Disney suchte einen Nachfolger für ihren zunehmend umstrittenen Boss Michael Eisner. Der Unterhaltungsriese verhandelte auch mit Whitman. Sie zog ihre Kandidatur jedoch zurück, weil sie fürchtete, dass Eisner versuchen könnte, weiter die Fäden zu ziehen.Nun bleibt abzuwarten, mit welchen Karriereplänen Whitman demnächst die Öffentlichkeit überrascht.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.01.2008