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Business per Blinddate

Von Frank Siering
Speed-Networking heißen die Treffen, die in der amerikanischen Geschäftswelt derzeit starken Zulauf haben. Ein bisschen erinnert das alles an Speed-Dating. Diese Erfindung aus den 90er-Jahren, bei der sich potenzielle Paare durch Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen kennen lernen.
Geschäftstreffen waren gestern. Heute treffen sich Manager zum Speed-Networking.
LOS ANGELES. ?Hier kannst du kein echtes Geschäft in drei bis vier Minuten machen, aber du kannst hier unheimlich viele neue Kontakte knüpfen?, erzählt Tom Jaffee, Gründer von Match Events (www.matchevents.com). Sein Unternehmen organisiert Speed-Networking, Treffen, die in der amerikanischen Geschäftswelt derzeit starken Zulauf verspüren. Ein bisschen erinnert alles an Speed-Dating, jene Erfindung aus den 90er-Jahren, bei der sich potenzielle Paare durch Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen an einem großen Tisch kennen lernen.Nun sind es Business-Profis aus den unterschiedlichsten Branchen, die sich in einem Hotel treffen. Sie setzen sich an einen zwölf Meter langen Tisch und warten auf das Startsignal. Nach drei Minuten ruft ein Moderator ?Stopp?, die Manager und Managerinnen stehen auf und rücken einen Stuhl weiter. Neuer Gesprächspartner, neue Geschäfte.

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Eine weitere Firma, die sich auf Speed-Networking spezialisiert hat, heißt Extreme Networking (www.speednetworking.com). Ihr Geschäftsmodell ist einfach: Jeder Interessent muss zunächst einen elektronischen Fragebogen ausfüllen mit Angaben über die Branche und Art des gesuchten Geschäftspartners. Dann werden die Daten für ein Treffen in einem großen Hotel elektronisch abgestimmt. ?Auf diese Art und Weise kriegen wir die Manager an einen Tisch, die gut voneinander profitieren können?, erläutert Jaffee.Barry Asin ist Vizepräsident von Staffing Industry Analysts, einer Unternehmensberatung aus Los Altos in Kalifornien. Seine Firma nutzt das Speed-Networking bereits seit geraumer Zeit. ?Wir wählen diese Treffen nach Thema oder Industriezweig aus und haben unglaublich gute Resultate vorzuweisen?, berichtet der 43-jährige Manager. Sicher, meist reicht das Minuten-Treffen nur dazu, um sich kurz kennen zu lernen, eine Visitenkarte auszutauschen und festzustellen, ob man sich sympathisch ist. ?Aber das reicht oftmals schon, um einen Deal einzufädeln?, weiß Adam Fendelman von Extreme Networking.Warum ausgerechnet Speed-Networking? Immerhin ist das nur eine Form des Kennenlernens in der amerikanischen Geschäftswelt. ?Cocktails, Lunchs, Wochenend-Seminare ? wir haben alles ausprobiert?, so Asin, ?aber beim Speed-Networking ist immer gleich eine tolle Energie im Raum. Das motiviert von der ersten Minute an.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Speed-Networking ist nicht für jedermann geeignet. Aaron Abend, Präsident von Viapoint, einer Software Corporation aus Burlington im US-Bundesstaat Massachusetts, wünscht sich sogar, dass jede Konferenz einen Speed-Networking-Abend integrieren würde. Auch aus dem einfachen Grund, dass durch die vorausgewählte Profilanalyse jeder Teilnehmer weiß: Er kann am Tisch potenzielle Vertriebspartner, Produktmanager oder eventuell neue Kunden treffen. ?Ich bin mal quer durch die USA zu einer Konferenz geflogen und saß am Abend beim Dinner an einem Tisch mit Managern, die nichts mit meiner Branche zu tun hatten. Das ist reine Zeitverschwendung. Beim Speed-Networking habe ich niemals das Gefühl, dass ich meine Zeit verschwende?, fügt Abend hinzu.Nun ist das Speed-Networking allerdings nicht für jedermann geeignet. Manager, die sich bei gesellschaftlichen Anlässen unwohl fühlen, die nicht besonders schnell kommunizieren können und sich lieber mehr Zeit nehmen, sind für diese Art von Business-Meeting eher ungeeignet. Auch Menschen, die nicht so gerne über sich und ihre Arbeit reden, sind fehl am Platz. ?Diese Art von Marktplatz ist ein Ego-Fest. Du musst dich immer wieder vorstellen, immer wieder interessant machen?, berichtet Speed-Networkerin Jessica Roberts, Studentin an der Columbia Business-School. Sie nutzte ein Speed-Networking-Seminar, um sich mit anderen MBA-Studenten auszutauschen.Und viele Speed-Networking-Profis wollen einige Kollegen erst gar nicht kennen lernen. Deshalb bieten die meisten Veranstalter auch eine ?No-meet?-Garantie an. Häufig trifft diese No-meet-Klausel auf, wenn Software-Ingenieure aus Silicon Valley sich in einem Hotel in San Francisco treffen. ?Der Konkurrenzkampf unter den Software-Firmen ist so enorm, dass selbst Visitenkarten kaum ausgetauscht werden. Jeglicher Vorteil soll vermieden werden?, sagt Steven Reiley, der für Intel arbeitet. Ab und zu kommt es nämlich auch bei den Speed-Networking-Abenden zu Begegnungen, die gewisse Reizelemente enthalten. ?Wir hatten mal zwei Produktmanager, die so sehr im Wettkampf gegeneinander standen, dass sie sich nach vier Minuten nur noch angeschrieen haben. Wir mussten die Streithähne vom Tisch entfernen?, erinnert sich Fendelman.Und wie sieht die Zukunft vom Speed-Networking aus? ?Rosig?, schmunzeln Jaffee und Fendelman. Sind die Meetings, die ihre Firmen organisieren, doch bereits auf ein Jahr ausgebucht. ?Manager wollen dieser Tage mehr als nur eine schöne Dienstreise in ein nettes Hotel. Sie wollen schnelle Erfolge zu Hause vorzeigen können. Und Speed-Networking ist ein Modell, das kaum schlagbar ist, wenn es um schnelle Ergebnisse geht?, ist Fendelman überzeugt. Manchmal funktioniert sie eben auch im Geschäftsleben ? Liebe auf den ersten Blick.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.02.2007