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Bruno Steiger

Glendale, 11. März 2007

"About choice"
  • 29. März 2007: Breaking News
  • 31. März 2007: About Thunderbird
  • Wie Recht hat er doch. Wie wahr ist doch diese eher banale Aussage. Und wie unheimlich schwierig ist sie immer wieder, die Qual der Wahl.

    Die besten Jobs von allen


    "It's all about choice." Professor Ram meinte mit diesen Worten sicher nicht meine persönliche Ambition, ein MBA-Studium in Global Management abzuschliessen. Vielmehr wollte er damit wohl zum Ausdruck bringen, dass wir mit unserer Wahl auch die Kontrolle und die Verantwortung über unser Tun erlangen, sei es nun auf privater Ebene oder im beruflichen Umfeld. Oder mit anderen Worten: Das Schicksal liegt in unseren eigenen Händen

    Seine Worte haben mich zum Nachdenken angeregt. Wählen heisst Entscheiden. Entscheiden heisst Verantwortung übernehmen. Ich betrachte es als ganz grosses Privileg, in einer Epoche und in einer Region gross geworden zu sein, wo es als ein Grundrecht betrachtet wird, wählen zu dürfen - und damit auch unser Leben aktiv zu gestalten

    Gemeinsam mit meiner Frau habe ich vor 24 Monaten eine Wahl getroffen und einen Entscheid gefällt. Heute leben wir in Phoenix/Arizona, und ich absolviere seit sechs Monaten ein MBA an der Thunderbird Business School of Global Management

    Lebenslanges Lernen ist für mich kein "Buzz-Word" sondern ein innerer Antrieb, neues Wissen aufzubauen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Thunderbird ist für mich die richtige Wahl. Mit diesem Tagebuch leiste ich gerne einen Beitrag zur Meinungsbildung für all diejenigen, die sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, wieder in den Lesesaal zurückzukehren. Vielleicht gelingt es mir ja tatsächlich mit diesen Zeilen, Sie, liebe(r) Leserin oder Leser, zu einem neuen Lernkapitel zu motivieren

    Schon im August 2006 habe ich mein Thunderbird Studium aufgenommen, kann aber erst heute die Gelegenheit wahrnehmen, dieses Tagebuch einzuritchen. Deswegen werde ich die letzten Monate im Zeitraffer Revue-passieren lassen. Nicht zuletzt darum, um mich auf aktuelle, spannende Erlebnisse konzentrieren zu können

    Nach einer zehnjährigen Karriere in der Werbebranche und anschliessenden zehn Jahren im eigenen Marketing- und Kommunikationsberatungsunternehmen habe ich mich entschieden, etwas Neues anzupacken. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und wollte die Weichen für die nächste berufliche Dekade stellen. Ich wollte Distanz zu meinem Beruf gewinnen. Und ich wollte wieder frei werden von all den Zwängen des Alltags

    Mein Entscheid war klar: zurück in die Schulbank. Für 12 bhis 15 Monate. Außerhalb von Europa. Mit internationalem Schwerpunkt. In Englischer Sprache. An einem unvertrauten Ort, in einem ebenso unvertrauten Umfeld.

    Vom Entscheid bis zum Schulbeginn vergingen dann nochmals 18 Monate. Eine Zeit, die geprägt war mit der Evaluation von potentiellen Programmen, GMAT, TOEFL, Essays, Besuch von MBA Messen, Bewerbungen und natürlich die obligate, zeitraubende Visa-Beschaffung. Diese Prozesse bezeichne ich gerne als externe Faktoren. Also die eher technische Seite der Wahl. Gänzlich unvorbereitet war ich auf die internen Abläufe, und damit meine ich die emotionelle Komponente dieser Entscheidung

    Sehr intensiv erlebte ich das Verlassen der eigenen "Komfort-Zone". Beruf, Freunde, Familie, Eigenheim oder das geliebte Hobby aufzugeben - für eine ungewisse Zukunft mit ungewissem Ausgang - ist mir bedeutend schwerer gefallen als ursprünglich angenommen

    Mit der Wahl der Business School und dem entsprechenden Studium war es aber nicht getan. Viele Fragen gingen mir nun durch den Kopf: Bin ich überhaupt noch lernfähig? Wie ist die Akzeptanz von jüngeren Kommilitonen(innen)? Ist die Studiumfinanzierung gesichert oder sollten wir nicht doch die Renovation von unserem Eigenheim vorantreiben? Was werden wohl meine Geschäftspartner denken? Wie macht man das überhaupt, das eigene Unternehmen runterzufahren? Das Wort "Opportunity Costs" bekam plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Und last but not least war es natürlich zentral, dass Sandra, meine Frau, diesen Entscheid zu 100% unterstützen würde, und bereit war, den Weg in die Wüste von Arizona ebenfalls zu wagen

    Die letzten vier Wochen vor der Abreise waren dann in jedem Sinne sehr anstrengend. Die Ankunft im neuen "Zuhause" aber noch mehr. Die Amerikaner nannten es Kulturschock. Im Nachhinein kann ich dem nur zustimmen, zugeben wollte ich es aber damals auf keinen Fall

    Glendale, 29. März 2007

    Breaking News: "And the winner is Instituto de Empresa, Madrid"
    Herzliche Gratulation an Philipp Pausder, Guillermo Ortega Rance, Tobias Schirmer und Blagoja Hamamdziev. Das Team aus Madrid überzeugte die Jury mit ihrem Konzept und gewann den Wettbewerb "Thunderbird Sustainable Innovation Summit" sowie das Preisgeld von 20.000 Dollar

    Zehn internationale MBA Teams trafen sich am Wochenende vom 22.-24. März in Glendale und präsentierten ihre innovativen Ideen einem Expertengremium. In einem mehrstufigen Päsentationsverfahren wurde das beste Konzept auserkoren. Innovation, Nachhaltigkeit und Profitabilität bei der Vermarktung von medizinischen/pharmazeutischen Produkten in Entwicklungsländern bildeten die Schwerpunkte der Aufgabenstellung.

    Interessiert? Die nächste Runde ist für November `07 geplant.

    Ab Mai können sich MBA Teams aus der ganzen Welt für den "Thunderbird Sustainable Innovation Summit" registrieren. Glendale/USA, 31. März 2007

    "About Thunderbird"
    Thunderbird School of Global Management wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 gegründet. Die erste Business School überhaupt, die sich exklusiv auf das Vermitteln von globalem Management-Wissen konzentriert hatte. Heute zählt Thunderbird zu den führenden Institutionen in der Ausbildung von internationalen Führungskräften mit Standorten in den USA, der Schweiz, der Tschechischen Republik, Russland, Latein-Amerika und seit diesem Jahr auch in China. Natürlich gehört Thunderbird allen wichtigen Zertifizierungsinstitutionen an. Und für alle die Wert legen auf Ranglisten: Thunderbird ist besonders stolz auf das Ranking in der Financial Times und dem Wall Street Journal, #1 for International Business Schools

    "Educating global leaders who create sustainable prosperity worldwide." Ein bisschen lange, aber ein toller Claim. Und das meine ich auch so. Nicht immer ist Wunsch und Wirklichkeit so nahe beieinander. Oder anders gesagt, die Innensicht deckungsgleich mit der Aussensicht. Für mich persönlich war dieser globale Anspruch an Inhalt, an die Fakultät und an die Studentenschaft ausschlaggebend bei der Wahl meiner Business School.

    Ich habe Thunderbird etwa 15 Monate vor Studienbeginn besucht. In längeren Gesprächen mit Professoren, Administratoren/innen und besonders mit Studenten/innen habe ich eine Seelenverwandtschaft entdeckt, die ich sonst bei keinem anderen Institut erlebt habe - ein Zugehörigkeitsgefühl vom ersten Moment an, geprägt von Respekt, Toleranz und Neugier. Eine Erfahrung, die man nicht auf einer Webseite oder mit einem Prospekt kommunizieren kann. Deshalb empfehle ich, wenn immer möglich, die gewünschte Business School vorgängig zu besuchen und einen Tag im Hörsaal zu verbringen. Den perfekten "Match" gibt es wohl kaum, man spürt aber sofort, ob man dazugehören will, oder eben nicht

    Thunderbird bietet ein umfassendes Ausbildungsprogramm an. Distance Learning, Executive Education, Corporate Programs und natürlich die klassischen Fulltime MBA Programme. Wer sich für ein "Fulltime" entscheidet, wählt entweder das "traditional" oder das "accelerated" Programm - mit oder ohne Internship. Da ich bereits über 15 Jahre Berufserfahrung und ein Master in Marketing besitze, war für mich das "beschleunigte Verfahren" am attraktivsten: ein Vollzeit-MBA in zwölf Monaten

    Weiter ins Detail möchte ich hier nicht gehen, empfehle aber allen Interessierten die Webseite www.thunderbird.edu zu besuchen. Ein detaillierte Beschrieb der Ausbildungsmöglichkeiten, Zulassungskriterien und das übliche Anmeldeprozedere sind dort ausführlich und gut dokumentiert

    Jedes Jahr schliessen über 1.000 Thunderbird Studenten/innen mit einem MBA in Global Management ab. TB's, wie wir Sie auch liebevoll nennen, sind auf der ganzen Welt zerstreut und in über 140 Ländern anzutreffen - ein äusserst wertvolles Netzwerk mit 38.000 Gleichgesinnten.

    "Are you truly global?" Ja, dann lohnt sich ein Besuch bei einem Alumni Treffen auf jeden Fall. Jeden First Tuesday des Monats findet in den meisten Ländern und in jeder grösseren Stadt das monatliche Alumni-Treffen statt. Die Kontaktdaten der lokalen Chapters sind auf der Thunderbird Webseite zu finden oder können via E-Mail angefragt werden. Obwohl ich erst im Dezember abschliessen werde, pflege ich heute schon den Kontakt mit meinen Kollegen/innen in Europa und hier in Phoenix. Ich hätte nie erwartet, dass daraus so viele interessante Begegnungen entstehen, und welche Türen sich auf diesem Wege öffnen.
    Dieser Artikel ist erschienen am 12.03.2007