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Branche sucht Spitzenleute

Von Ingo Narat
Gibt es Experten in der Vermögensverwaltung, die langfristig überdurchschnittliche Erfolge erzielen? Es gibt sie, aber sie sind schwer zu finden. Mit wissenschaftlicher Akribie wird nach den besten Asset Managern gesucht.
FRANKFURT. Gibt es Experten in der Vermögensverwaltung, die langfristig überdurchschnittliche Erfolge erzielen? Es gibt sie, aber sie sind schwer zu finden. Das sagen Fachleute wie Michael Mauboussin, Chefstratege bei der US-Investmentgesellschaft Legg Mason.Sowohl der Legg-Mason-Mann als auch deutsche Consultants nennen Beispiele für jene überragenden Profianleger. ?Dazu gehört die Capital Group, Chris Davis von der Davis-Fonds-Gruppe, natürlich Warren Buffett?, sagt Mauboussin. Deutsche Consultants, die institutionelle Anleger bei der Auswahl ihrer Manager beraten, haben ebenfalls ihre Favoriten. ?Ein Anthony Bolton von Fidelity, Klaus Hagedorn von Metzler, ein Verwalter wie Jens Ehrhardt, das europäische Aktienteam von UBS?, sagt beispielsweise Georg Seil, Vorstand der Georg Seil Consulting GSC.

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Die Frage nach Experten im Asset-Management ist alles andere als trivial. Wissenschaftlichen Lehrbüchern zufolge kann es sie kaum geben, weil an den Märkten niemand einen Informationsvorsprung besitzen dürfte. Überdurchschnittliche Performance könnte daher nicht langfristig erwirtschaftet werden.Auch aus anderen Gründen gerät das Bild vom möglichen Profi mit exzellenten Ergebnissen regelmäßig ins Wanken. Die Rede ist von den teilweise desolaten Ergebnissen vieler Portfoliomanager, die sich ihren Messlatten geschlagen geben müssen. Darüber hinaus sorgen die Portfoliomanager und Analysten mit ihren unterschiedlichen Prognosen regelmäßig für Verwirrung.Diese Fragen nahm Mauboussin zum Anlass für eine gründliche Untersuchung des Expertenwesens auf verschiedenen Feldern. Er kommt zu dem Schluss: ?Die Performance von Experten hängt von der Art des Problems ab.? Mauboussin macht dazu einen Streifzug durch verschiedene Problemstellungen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wo Experten gewinnen und verlierenIm simplen Fall einer einfachen medizinischen Diagnose ist danach der Experte einem Computer als Diagnostiker unterlegen. ?Beim Lesen eines EKG war der Computer klar treffsicherer beim Erkennen einer Herzattacke als ein erfahrener Kardiologe?, berichtet Mauboussin von einem Experiment. Am anderen Ende des Spektrums rangieren komplexe Problemstellungen wie die Vorhersage von Aktienmärkten. Auch hier haben Experten einen schweren Stand, wenn sie an ihren Anlageergebnissen gemessen werden .Dennoch lohnt sich die Suche nach erfolgreichen Investoren und Managern. ?Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bisher überdurchschnittlicher Manager diese Leistung auch in Zukunft abliefern wird, ist höher als jene bei einer zufälligen Auswahl von Fondslenkern?, sagt Seil aus seiner Erfahrung. Ihm zufolge können viele Wege zum Erfolg führen: ?Ein außergewöhnlicher Manager als Einzelperson ist die absolute Ausnahme, manchmal sind es Teams, manchmal Gruppen mit Computerunterstützung.?Mauboussin erkennt einige maßgebliche Eigenschaften von guten Asset-Managern: Sie sind langfristig orientiert, erfahren und offen für neue Ideen. Die Bedeutung der Offenheit für neue Ideen unterstreichen auch Wissenschaftler wie der Asset-Management-Professor Alexander Kempf von der Universität Köln: ?Viele laufen den Börsentrends hinterher, aber erfolgreich ist, wer diese früh aufspürt.?Wo Experten gewinnen und verlierenMit Regeln: Bei regelbasierten Problemstrukturen mit geringen Entscheidungsfreiräumen wie beim Lesen eines EKG sind auch erfahrene Mediziner (?Experten?) einer Computerauswertung unterlegen. In anderen regelbasierten Problemstellungen mit größeren Entscheidungsfreiräumen schneiden Experten besser ab. Beispiele sind die Brettspiele Schach und Go.Ohne Regeln: Bei allen wahrscheinlichkeitsorientierten Problemstellungen schneiden Experten schlechter ab, und die Übereinstimmung ihrer Urteile sinkt. Ein Beispiel ist das Poker-Spiel. Noch komplexer sind wegen der größeren Entscheidungsfreiräume Aktienanlagen. Hier sind die meisten Experten, die oft unterschiedlicher Meinung sind, dem Gesamtmarkt unterlegen.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2006